Infos zur Wegstrecke
- Start: Bahnhof Königs Wusterhausen (S 46,
- Ziel: Bahnhof Bestensee
- Weglänge: 10 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotterwege, Waldwege
- Höhenmeter: 10 hoch, 10 runter
- Link GPX
Deutschland ist ein Wanderland. Rund 300.000 Kilometer Wege führen von der Nordsee bis zu den Alpen. Auch Berlin und Brandenburg sind beliebte Ziele für alle, die gern zu Fuß unterwegs sind, ganz unabhängig vom Alter. Unser Redakteur Jörg Krauthöfer nimmt die Leserinnen und Leser mit auf Wandertouren durch Berlin und Brandenburg. Wöchentlich gibt es einen Wandertipp: mal ein Spaziergang durch den Kiez, mal eine längere Tour in die Brandenburger Landschaft, oft auch über versteckte Pfade. Ob dichte Wälder, glitzernde Seen oder innerstädtische Parks, für jede und jeden ist etwas dabei. Jörg gibt zudem Hinweise zu Ausrüstung und Planung und zeigt kulturelle und historische Besonderheiten entlang der Strecken. Die heutige Wanderung führt von Königs Wusterhausen bis nach Bestensee.
Barockes Schloss und Wiege deutscher Rundfunkgeschichte
Wir starten unsere Wandertour am Bahnhof Königs Wusterhausen. Kurz bevor die S-Bahn oder der Regionalzug den Haltepunkt erreicht, lohnt sich ein Blick durchs zarte Grün nach rechts: Schloss Königs Wusterhausen schimmert hindurch. Es ist kein Prunkschloss, eher eine preußisch schlichte Anlage. 1682 holt der Große Kurfürst das Gut mit dem Jagdrevier Dubrow in den kurfürstlichen Besitz. 1698 schenkt er es seinem Sohn, dem späteren König Friedrich Wilhelm I.
Er ließ es zwischen 1713 und 1719 ausbauen, barock im Grundriss, nüchtern im Ton, flankiert von Kavaliershäusern. In den Kammern hingen Geweihe, in den Stuben tagte das Tabakskollegium. Auf dem nahen Funkerberg startete 1920 die erste deutsche Rundfunksendung. Heute ist Königs Wusterhausen ein beliebter Wohnort für Berliner: Die Natur ist nah, die Hauptstadt auch, und dennoch atmet der Ort die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte, was wir auf den ersten Kilometern unserer Tour gut beobachten können.

Zehn liebevoll gestaltete Skulpturen erzählen auf dem Skulpturenweg die Geschichte der Region. An einigen kommen wir auf unsere Tour von Königs Wusterhausen nach Bestensee auch vorbei.
Schleuse Neue Mühle und der Buchenwald in Tiergarten
Wir verlassen den Bahnhof ostwärts und laufen den Kirchsteig entlang in Richtung Neue Mühle. Nach ein paar hundert Metern stoßen wir auf den Skulpturenweg. Insgesamt zehn übergroße und eindrucksvolle, liebevoll mit der Kettensäge hergestellte Holzskulpturen flankieren den sieben Kilometer langen Rundweg durch den Tiergarten und erzählen Geschichten der Region um Königs Wusterhausen. Hier am Kirchsteig begleitet ein preußischer Soldat mit strengem, holzgeschnitztem Blick die Bauern zum Kirchgang in die Stadt. Einst gab es in jedem Dorf eine Kirche. Dann brannten einige Gotteshäuser ab, und der König erlaubte den Wiederaufbau einer einzigen Kirche. Weil sich die Bewohner der umliegenden Ortschaften aufgrund der Entfernungen regelmäßig vor dem Kirchgang drückten, befahl der Herrscher seinen Soldaten, das Fußvolk notfalls mit Gewalt in das Gotteshaus zu begleiten.
Bevor wir weiter in den Tiergarten laufen, schauen wir noch bei der Schleuse Neue Mühle vorbei. Wer von hier auf der Dahme-Wasserstraße in Richtung Köpenick oder hinaus zum Krimnicksee und zum Krüpelsee fährt, überwindet 1,50 Meter Höhenunterschied. Eine Zugbrücke sorgt dafür, dass auch größeren Booten die Durchfahrt sicher gelingt. Noch ist es ruhig auf dem Kanal; mit Beginn der Saison der Freizeitkapitäne wird jeder Schleusengang zu einer interessanten Beobachtung.

Wir gehen die Tiergartenstraße zurück bis zum Wanderparkplatz und biegen dann scharf nach links in den Tiergarten ab. Der Wald ist berühmt für seine mächtigen Buchen. Ein schmaler Pfad führt direkt am Wasser entlang nach Südosten zum Husareneck. Eine weitere Holzskulptur erzählt die Geschichte vom König und dem Müller: Auf der Jagd verlor Friedrich Wilhelm I. angeblich die Orientierung, fand eine Wassermühle und bat um Speise und Trank.
Ein verirrter König und das einfache Müller-Mahl
Die Müllersleute servierten Seiner Majestät ein einfaches Pfannengericht – Rührei mit Speck – und frisch gebackenes Brot. Den erlegten Hasen verbarg der Müller vorsichtshalber hinter seinem Rücken, denn die Jagd war dem königlichen Hof vorbehalten. Das Mahl gefiel dem König so gut, dass er es bei Hofe nachkochen ließ. Auf die Frage des Königs nach seinen Wünschen klagte der Müller über den unregelmäßigen Wasserstand. Der König versprach den Bau einer Schleuse – und sie wurde gebaut.

Am Husareneck ergießt sich die Dahme teilweise in den Krimnicksee. Der Blick öffnet sich weit übers Wasser. Ein lebensgroßer hölzerner Reiter am Eingang der Landzunge erklärt den ungewöhnlichen Namen: Er geht auf eine Legende von 1813 zurück, der zufolge sich ein preußischer Husar auf der Flucht vor französischer Kavallerie rettete, indem er samt Pferd durch den Fluss zu dieser Landzunge schwamm. Auf diesem Abschnitt trägt die Dahme auch den Namen Staabe. Warum, ist nicht überliefert.

Durch den Buchenwald im Tiergarten bei Königs Wusterhausen geht es in Richtung Husareneck.
Senzig, Körbiskrug und ein romantischer Auwald
Der romantische Uferweg bringt uns südwärts durch den Buchenwald bis zur Chausseestraße. Wir biegen nach links auf den Fußweg nach Senzig ein und biegen kurz hinter dem Ortseingang erst in die Gräbendorfer Straße, gleich darauf in die Luchstraße ab. Beidseitig säumen Einfamilienhäuser die schmale Straße; am Ende führt ein Waldpfad geradeaus bis zu einem Zaun. Dahinter beginnt das Gelände der Turn- und Sportgemeinschaft Südost 96. Vor dem Gatter biegen wir nach links ab und biegen anschließend rechts in die Körbiskruger Straße ein.
Nach einem Kilometer auf holpriger Schotterpiste erreichen wir den gleichnamigen Ort. Hinter dem Körbiscamp geht es rechts hinunter zum Ufer des Zeesener Sees, über den Tongraben und entlang der Bahnhofstraße weiter bis zur Körbiskruger Schleuse. Der Tongraben verbindet zwei ehemalige Tonabbaugruben mit dem See. Im Großen Tonteich und seinem kleinen Bruder wurde einst Ton für die Ziegelproduktion gewonnen. Spuren der alten Werksbahn sind noch erkennbar. Die Bahnhofstraße verdankt ihren Namen jener Zeit. Ein Trampelpfad führt an der Fischtreppe vorbei zur Spreewaldstraße und weiter am ehemaligen Wirtshaus entlang bis zum Abzweig Seeidylle.

Lost Place in Körbiskrug. Längst wird im ehemaligen Wirtshaus in der Dorfmitte kein Essen mehr serviert.
Der lauschige Name hält, was er verspricht. Die nächsten Wanderkilometer gehen am Todnitzsee entlang nach Süden. Der Name des Gewässers hat slawische Wurzeln und bedeutet so viel wie „See am Moor“. Am Ende des Todnitzsees führt der Wanderweg durch einen wunderschönen Auwald. Eine Holzbrücke bringt Wanderer und Spaziergänger trockenen Fußes über den Fanggraben, der von den Einheimischen auch Glunze genannt wird. Gleich hinter dem Moorgebiet windet sich ein unscheinbarer Waldweg westwärts durch den Kiefernwald, mündet in die Zeesener Straße, der wir nach links folgen, und führt uns direkt ins Stadtzentrum von Bestensee und damit zum Bahnhof des kleinen Ortes, wo unsere Wanderung endet.

Eine Holzbrücke bringt Wanderer trockenen Fusses über den Fanggraben Glunze und bietet einen Blick in den Auwald bei Bestensee.


