Am Dienstag wehte ein Hauch von 2022 durch Berlin: Im Bode-Museum in Mitte klebte sich Joyce Fiedler, Aktivistin der Neuen Generation, mit Sekundenkleber und einer Pappmaske von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor dem Gesicht an einer Vitrine des Münzkabinetts fest. Das Ziel: Gegen Reiches als klimaschädlich wahrgenommene Energie- und Wirtschaftspolitik protestieren. Und auf den angeblichen Einfluss von Milliardären und Superreichen auf die Bundesregierung hinweisen.

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„Auch Superreiche kleben am Geld und müssen dank intensiver Lobbyarbeit in Deutschland kaum Steuern zahlen“, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe als Begründung. „Dem Staat entgehen so jedes Jahr Steuereinnahmen in Höhe von 80 bis 180 Milliarden Euro, die dem Gemeinwohl zugutekommen könnten.“ Die Polizei löste die Frau schließlich von der Vitrine und ermittelt nun wegen Hausfriedensbruchs. Ausstellungsstücke wurden nach Angaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) nicht beschädigt. „Die SPK hat ein Hausverbot erteilt, Anzeige erstattet und prüft weitere Schritte“, so eine Sprecherin.

Letzte Generation richtete sich 2025 neu aus

Doch wollte die Neue Generation nicht eigentlich auf derartige Klebeaktionen verzichten? Rückblick: Die „Neue Generation“ ist aus der „Letzten Generation“ entstanden. Diese Klimabewegung machte seit 2022 immer wieder Schlagzeilen mit Straßenblockaden und Farbanschlägen auf Gemälde und Gebäude. Ende 2024 dann die Wende: Das Bündnis kündigte an, sich neu in Richtung soziale Gerechtigkeit und Kampf gegen Rechtsextremismus ausrichten zu wollen.

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Daraus entstanden im Februar 2025 zwei Splittergruppen: das „Widerstands-Kollektiv“, das vor allem mit direkten Aktionen und Besetzungen von Konzernzentralen, Flughäfen und Baustellen auf sich aufmerksam machte, und eben die Neue Generation.

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Neue Generation: Klebstoff ist ein effektives Mittel

Auf Anfrage heißt es von dort: Es stimme zwar, dass das Hauptaugenmerk jetzt nicht mehr auf Klebeaktionen und Straßenblockaden liege. „Wir haben Klebeaktionen aber nicht grundsätzlich und für immer ausgeschlossen“, so eine Sprecherin. „Klebstoff stellt ein effektives Mittel für Proteste dar.“ Man halte sich daher auch in Zukunft die Möglichkeit vor, bei besonderen Aktionen auf Klebstoff zurückzugreifen.

Wie etwa am Dienstag beim Protest gegen Reiche, die als „Sprachrohr der Konzernlobby“ bezeichnet wird. Der Bereich im Bode-Museum, den die Aktivistin dafür auswählte, ist über der Cafeteria auch leicht ohne Ticket zu erreichen. Der Vorfall werde detailliert analysiert, weitere Maßnahmen würden gegebenenfalls ergriffen werden, so die SPK-Sprecherin auf Nachfrage. „Die SPK überprüft regelmäßig, auch im Austausch mit anderen Museen und den zuständigen Behörden, ihre Sicherheitsmaßnahmen und passt diese an.“

Die Aktion der Neuen Generation kann als Auftakt einer Protestwoche angesehen werden, in der von Montag (20. April) bis Freitag (24. April) aufsehenerregende Maßnahmen an verschiedenen Orten der Hauptstadt stattfinden sollen.

Neue Generation kritisiert Verflechtungen von Wirtschaft und Politik

Die Neue Generation hat für Verflechtungen, die aus ihrer Sicht zwischen Wirtschaft und Politik bestehen, den Begriff #MerzMafia geprägt. „Das gemeinsame Streben der #MerzMafia nach Macht, Profit und Einfluss verhindert eine Politik für alle“, heißt es. Ende Februar besetzen Aktivisten der Neuen Generation deswegen bereits eine Schilderbrücke auf der Stadtautobahn A100 zwischen Treptower Park und Autobahnkreuz Neukölln.