Nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Ortsteil Johannisthal am 9. September 2025 hat die Polizei mehrere Räumlichkeiten in Berlin durchsucht, die im Zusammenhang mit der linksextremen Szene stehen sollen. Nach Einschätzung von Experten hat sich die Szene in den vergangenen Jahren weiter professionalisiert. „Gewalttaten und die Angriffe auf die Infrastruktur durch Linksextremisten nehmen seit einigen Jahren nicht unbedingt in der Zahl, aber sehr wohl an Intensität zu“, erklärte Anfang des Monats Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Wir geben eine Übersicht über schwerwiegende Anschläge in den vergangenen Jahren in Berlin.
März 2024: Anschlag auf Strommast führt zu Produktionsstopp bei Tesla in Grünheide
Bisher unbekannte Täter setzten Anfang März 2024 einen freistehenden Hochspannungsmast an der A10 zwischen Gosen-Neu Zittau und Steinfurt in Brandenburg in Brand. Dies beschädigte die Hochspannungsleitungen, die von dort aus unterirdisch weiterführen. In mehreren Gemeinden in Brandenburg sowie in den Berliner Ortsteilen Rahnsdorf und Müggelheim kam es zu Stromausfällen.
Betroffen war auch die Tesla-Gigafactory im nahen Grünheide. Die Produktion stand mehrere Tage still. Tesla-Werksleiter Andre Thierig sprach von einem wirtschaftlichen Schaden „im hohen neunstelligen Bereich“. Sogar Tesla-Chef Elon Musk reiste nach Grünheide, um sich ein Bild zu machen. Später bekannte sich die als linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe“ zu dem Anschlag. Von ihr wird noch die Rede sein.

9. September 2025, Brandanschlag auf das Stromnetz in Johannisthal
Mutmaßliche Linksextremisten verübten am 9. September 2025 einen Brandanschlag auf einen Strommast in Johannisthal und zerstörten Starkstromkabel. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede.
50.000 private und betriebliche Kunden der landeseigenen Stromnetz GmbH waren von dem Stromausfall betroffen. Bei den Firmen wurden nach Schätzungen Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht. Es war der bis dahin längste Stromausfall in der Nachkriegszeit in Berlin. Auch der S-Bahn- und Tramverkehr war zum Teil stark eingeschränkt, zehntausende Haushalte waren von der Energieversorgung abgeschnitten und auch Internet und Mobilfunkdienste sind von den Störungen betroffen. An die mutmaßlichen Täter gerichtet, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD): „Wir kriegen euch!“
3. Januar 2026: Brandanschlag auf Kabelbrücke – im Berliner Südwesten wird es zappenduster
Am 3. Januar 2026 brannten erneut Stromleitungen – diesmal an einer Kabelbrücke in Lichterfelde. Der Anschlag tauchte einen ganzen Bezirk in Dunkelheit. In der Folge waren zehntausende Haushalte und tausende Betriebe im Bezirk-Steglitz-Zehlendorf tagelang ohne Strom. In einem wirren Bekennerschreiben übernahm erneut die „Vulkangruppe“ die Verantwortung für den Terroranschlag auf die Berliner Bevölkerung. Der Bund setzte eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. In der Folge diskutierte der Senat intensiv, wie man die Stromversorgung künftig gegen Anschläge besser schützen kann. Auch für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte der Anschlag Folgen. Sein Krisenmanagement wird zunehmend in Zweifel gezogen.
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