Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät wegen seiner Angaben zum ersten Tag des Stromausfalls zunehmend unter Druck. Nachdem der „Tagesspiegel“ Anfang der Woche in einem Bericht nahegelegt hatte, dass Wegner am Vormittag des 3. Januar 2026 noch keine Telefonate mit dem Kanzleramt oder Bundesinnenministerium geführt hatte, widersprach nun der Bezirk Steglitz-Zehlendorf gegenüber der Berliner Morgenpost den Angaben der Telefonate Wegners an jenem Tag. Dazwischen kamen weitere Details ans Licht.

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Ein kleiner Rückblick: Am 3. Januar 2026 wurde der kommunale Energieversorger Stromnetz Berlin um 6.12 Uhr über einen Brand an einer Kabelbrücke informiert. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 45.000 Haushalte in Zehlendorf, Wannsee, Lichterfelde, Schlachtensee und Nikolassee von der Stromversorgung abgeschnitten. Im Laufe des Tages wurde klar, dass es Tage dauern würde, bis die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt werden konnte.

Während mehr als 100.000 Menschen im Kalten saßen, zeigte sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner an diesem Tag keine Sekunde im betroffenen Krisengebiet. Schon einen Tag später stand er deshalb in der Kritik. Am Rande eines Besuchs am 4. Januar 2026 wirkte Wegner auf eine entsprechende Frage eines Journalisten gereizt. Er habe sich am Samstag „weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt“, sondern sei „den ganzen Tag am Telefon“ gewesen. „Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne, und habe dann koordiniert.“

Am 7. Januar wurde dann bekannt, dass Wegner am Tag 1 des Stromausfalls eine Stunde Tennis gespielt hatte. Seither wachsen die Zweifel an seinen Angaben zum 3. Januar 2026 – die Grünen forderten daher eine Regierungserklärung von Wegner. „Wir erwarten, dass Kai Wegner eine Regierungserklärung abgibt oder zumindest an der Fragestunde teilnimmt“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf der dpa.

Mit wem hat Wegner also am 3. Januar telefoniert?

Innensenatorin Iris Spranger

Am Rande des Besuchs in Steglitz-Zehlendorf sagte Wegner unter anderem: „Ich habe mit der Innensenatorin telefoniert.“ Das wiederholte Wegner einen Tag später bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des Krisenstabs. „Die Innensenatorin unterrichtete mich Samstagfrüh um 8.07 Uhr, kann auch 8.03 Uhr gewesen sein, kurz nach 8. Wir sind dann sofort in die Maßnahmen reingegangen.“

In einer parlamentarischen Anfrage hieß es später: „Der Regierende Bürgermeister von Berlin wurde am Sonnabend, 3. Januar 2026, um 08.07 Uhr von der Innensenatorin über den Stromausfall informiert.“ Weitere Angaben etwa zur Dauer des Gesprächs wurden mit Verweis auf „schutzbedürftige“ Kommunikationsabläufe und Abstimmungsprozesse nicht gemacht.

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Stromnetz Berlin

Während des Gesprächs mit dem Journalisten in Steglitz-Zehlendorf sagte Wegner auch: „Ich habe mit Stromnetz Berlin telefoniert.“ Bei einem Interview mit Welt TV sagte Wegner am 7. Januar auf den Vorwurf, dass er nicht von Anfang an in den betroffenen Bezirken präsent gewesen sei: „Ich habe um 8.07 Uhr von diesem Anschlag erfahren. (...) Ich musste schauen: Sind die Krisenstäbe am Arbeiten? Funktioniert’s mit dem Bezirk? Wie ist die Stromnetz Berlin aufgestellt?“

In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage wollte Florian Hauer, Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten und Internationales, der in Vertretung des Regierenden antwortete, ebenfalls mit Verweis auf die Schutzbedürftigkeiten nicht näher auf das Telefonat mit Stromnetz Berlin eingehen.

Eine Anfrage an Stromnetz Berlin zeigte aber, dass ein Telefonat erst sehr spät am 3. Januar 2026 stattgefunden hat. „Nach unserem Kenntnisstand gab es am 03.01.2026 um 22.37 Uhr ein Telefonat zwischen dem Regierenden Bürgermeister und einem Mitglied der Entscheidungsgruppe des Krisenstabs der Stromnetz Berlin GmbH zum Thema der Krisenbewältigung. Das Telefonat dauerte etwa 15 Minuten. Darüber hinaus sind keine Gespräche dokumentiert“, so ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Senatssprecherin Christine Richter teilte der dpa mit, dass Wegner am 3. Januar um 12.07 Uhr von der zuständigen Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) einen Lagebericht mit den Aktivitäten der Stromnetz GmbH erhalten habe. „Ab 19.30 Uhr war der Regierende Bürgermeister in Kontakt mit der Stromnetz GmbH. Ein weiterer Kontakt mit der Stromnetz GmbH fand um 22.37 Uhr statt, nunmehr telefonisch.“

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Chef des Bundeskanzleramts Thorsten Frei

Bei der ersten Pressekonferenz nach der Sitzung des Krisenstabs am 5. Januar 2026 machte Kai Wegner weitere Angaben zu jenem Tag 1 des Blackouts. Dabei sagte er: „Ich habe mit dem Kanzleramtsminister gesprochen, weil mir sehr schnell klar war: Wir werden die Unterstützung des Bundes brauchen, sprich der Bundeswehr.“

Wann die Telefonate genau stattgefunden haben, ist weiterhin unklar. Die Bundesregierung bestätigte lediglich, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (beide CDU) gegeben habe. Angaben zum genauen Zeitpunkt der Telefonate hatte ein Sprecher am Dienstag auf dpa-Anfrage nicht gemacht.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt

Bei der Pressekonferenz am 5. Januar 2026 sagte Kai Wegner anfangs: „Ich habe dann am Samstag viele Telefonate auf Bundesebene geführt, denn bei diesem Anschlag, bei den Größenordnungen, war mir relativ schnell klar, dass wir Unterstützung brauchen. Der Bundespolizei, die wir ab heute haben werden. Die Innensenatorin hat mit dem Bundesinnenminister am Samstag auch noch mal selbst gesprochen, genau wie ich. Die Bundespolizei wird uns unterstützen, wird die Berliner Polizei unterstützen.“

Wann das Telefonat mit Alexander Dobrindt stattgefunden hat – ob vor oder nach dem Tennisspiel zwischen 13 und 14 Uhr – ist ebenfalls unklar. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte auf Anfrage: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns aus Gründen des Datenschutzes und des Geheimschutzes nicht zu internen Gesprächen äußern.“

Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf Maren Schellenberg

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In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage stellte der BSW-Politiker Alexander King die Frage, mit wem der Regierende Bürgermeister am Samstag, dem 3. Januar 2026, darüber hinaus telefoniert hat. Die Antwort lautet: „Der Regierende Bürgermeister von Berlin stand am Sonnabend, 3. Januar 2026, im Austausch mit den Mitgliedern des Senats und der Senatskanzlei, der Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf sowie den Krisenstäben.“

Wie eine Sprecherin des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf auf Morgenpost-Anfrage antwortete, gab es am Tag 1 des Stromausfalls in Berlin keinen Kontakt zwischen der Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) und Kai Wegner. „Die Bezirksbürgermeisterin hatte am Samstag, den 3. Januar, keinen persönlichen Kontakt zum Regierenden Bürgermeister“, hieß es. „Telefonischer direkter Kontakt“ habe lediglich an dem Sonnabend zur Senatorin für Inneres und Sport bestanden. „Es gab am 03.01.2026 auch keinen Kontakt über Textnachrichten oder andere Messengerdienste zwischen der Bezirksbürgermeisterin und dem Regierenden Bürgermeister“, so die Sprecherin auf eine weitere Nachfrage unserer Redaktion.