In Berlin und Brandenburg häufen sich die Verspätungen bei der Bahn. Nicht nur bei Fahrgästen führt das zu Frust. Patrick Schardien aus der Abteilung Qualitätsmanagement des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) äußert sich unzufrieden über die marode Infrastruktur der Deutschen Bahn: „Wir sind grundsätzlich mit der vorhandenen Qualität gegenwärtig nicht zufrieden. Wir versuchen, Dinge, die in unserer Hand liegen, zu verbessern. Aber alles, was die große Planung betrifft und wo wir auf die Infrastruktur angewiesen sind, da haben wir große Probleme und da sind wir nicht zufrieden.“

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ein zentrales Problem seien aktuell die Anschlüsse. „Bei uns fahren zu oft Anschlüsse knapp davon – sodass die Menschen den Anschlusszug noch abfahren sehen. Das darf einfach nicht sein“, sagte Schardien der dpa. Die Züge könnten durchaus mal einige Minuten aufeinander warten. Man sei dazu mit den drei Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio, Odeg und NEB in intensivem Austausch.

Mehr zum Thema Verkehr in Berlin

Mischverkehr aus Fern- und Regionalverkehr laut VBB ein großes Problem

Im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeit im Zugverkehr in Berlin und Brandenburg dem VBB zufolge bei lediglich 84,4 Prozent – und damit noch mal etwas unter dem Wert von 2024 (85,0 Prozent). Besonders bemerkenswert sind dabei die Werte der wichtigen Linien RE4 (Stendal–Falkenberg, 73,0 Prozent), RE7 (Dessau–Senftenberg, 73,3 Prozent), RE2 (Nauen–Cottbus, 76,9 Prozent) und RE1 (Frankfurt (Oder)–Magdeburg, 81,9 Prozent).

Als Hauptursache für unpünktliche Züge hat der VBB den Mischverkehr ausgemacht, also dass der Fernverkehr dieselben Strecken nutzt wie der Regionalverkehr. „Da rollt ein verspäteter Fernverkehrszug Richtung Berlin, für den müssen dann Regionalzüge an den Rand fahren und sich überholen lassen – und dann haben die auch Verspätung“, erklärt VBB-Experte Schardien.

Auch interessant

Anhalter und Lehrter Bahn sind Sorgenkinder des VBB

Besonders kritisch ist die Lage derzeit auf der Anhalter Bahn, auf der Züge von München kommend in Richtung Berlin fahren. „Hier bringen die Fernverkehrszüge viel Verspätung aus der langen Fahrt mit, treffen auf die dicht belegte Strecke, haben aber Vorrang vor dem langsameren Verkehr“, sagt Schardien. Die Folge sind Überholungen – und Verspätungen sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr. Beim RE4, der auf der Anhalter Bahn fährt, lag die Pünktlichkeit dem VBB zufolge im Januar bei gerade mal 56,4 Prozent.

Den RE4 trifft es sogar doppelt, denn auf der anderen Seite Berlins nutzt er bei der Fahrt nach Berlin die Lehrter Bahn, ein weiteres Sorgenkind des VBB. Anderer Ort, selbes Problem: Hier bringen die Fernverkehrszüge laut VBB oft Verspätungen aus dem Ruhrgebiet mit in die Metropolregion um Berlin.

Spannende Artikel zur Deutschen Bahn

Sorgt die Taskforce im Bundesverkehrsministerium für Verbesserungen?

Doch wie kann eine Lösung aussehen? Mehr Gleise oder gar Neubaustrecken wird es absehbar nicht geben. Also Verkehr von der Schiene nehmen, damit die verbleibenden Züge dann pünktlich fahren? Die sogenannte Taskforce „Zuverlässige Bahn“, besetzt mit verschiedenen Experten aus der Branche, arbeitet derzeit an genau diesen Fragen. Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen vorgestellt werden. Die Frage nach weniger Verkehr, vor allem an überlasteten Knoten im Netz, wurde dabei intensiv diskutiert. Zu den überlasteten Knoten gehören vor allem die großen Städte in Deutschland wie Berlin, Köln, Hamburg, München und Frankfurt.

„Es ist fraglich, ob weniger Verkehr tatsächlich die Lösung ist. Da muss man eine genaue Ursachenanalyse machen. Eigentlich ist das nicht unser bevorzugter Weg“, sagt Schardien. „Aus unserer Sicht ist der unpünktliche Zulauf aufgrund ständiger Infrastruktureinschränkungen wie Langsamfahrstellen und anderes das größte Problem.“

Auch interessant

VBB setzt Hoffnung in wichtige Baustellen in und um Berlin

Einige Hoffnungen setzt der VBB daher in die Ergebnisse der Generalsanierungen. Derzeit läuft auf der Strecke Hamburg–Berlin eine solche umfangreiche Baumaßnahme mit monatelanger Vollsperrung – erst Mitte Juni soll der Verkehr hier wieder rollen. Im Herbst beginnen dann die Bauarbeiten auf der Lehrter Bahn, die von Berlin in Richtung Hannover führt. 14 Monate soll diese Generalsanierung dauern, zu Vollsperrungen kommt es dabei am Anfang und am Ende der Bauzeit.

Und noch eine große Baustelle ist dieses Jahr eingeplant, und zwar auf der Stadtbahn. Zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten wird zwischen dem 14. Juni und dem 12. Dezember nur die S-Bahn auf der Stadtbahn fahren, die Ferngleise sind dann dicht. Der Fern- und Regionalverkehr muss umgeleitet werden, teils werden nur Teilstrecken gefahren.

Bei den vielen Baustellen im Netz hofft der VBB, dass die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO die Fahrpläne ausregelt. „Dabei achtet man darauf, dass sich Züge zum Beispiel bei einer eingleisigen Sperrung nicht genau auf Höhe der Baustelle treffen und dann warten müssen“, erklärt Schardien. Das mache die InfraGo bisher zu wenig. „Ein Beispiel dafür ist die Strecke zwischen Cottbus und Dresden. Da gibt es wegen einer Baustelle einen eingleisigen Abschnitt, der Fahrplan ist nicht ausgeregelt, die Züge begegnen sich auf Höhe der Baustelle – und seit Tagen haben wir da die schlechtesten Pünktlichkeitswerte im gesamten Netz.“

lth/dpa