Die Bahn verabschiedet sich vom Wachstumskurs. Ziele wie die Verdoppelung der Fahrgastzahlen hält Bahn-Chefin Evelyn Palla für nicht haltbar. „Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen“, kündigt sie an. „Wir konzentrieren uns auf das, was unmittelbar den Kunden und dem Geschäft hilft.“ Verlässlichkeit, die Qualität des Betriebs und die wirtschaftliche Tragfähigkeit stehen nun ganz oben auf der Prioritätenliste.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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In dieser Woche stellte Palla ihre Pläne für den Konzernumbau dem Aufsichtsrat vor. In drei Schritten soll die Deutsche Bahn wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren. In diesem Jahr soll der Konzern eine neue Struktur erhalten. In der zweiten Phase bis 2030 sollen alle Geschäftsfelder und Bereiche wirtschaftlich und wettbewerbsfähig aufgestellt werden. Mitte der 30er-Jahre, pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn, ist die Sanierung des Konzerns dann inklusive einer intakten Infrastruktur und eines weitgehend pünktlichen Verkehrs den Plänen zufolge abgeschlossen. 

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Deutsche Bahn: Fehlende Milliarden gefährden Ziele

Ein Hintertürchen lässt sich die Vorständin dabei offen. „Dafür brauchen wir auch künftig eine auskömmliche, verlässliche Finanzierung und passende Rahmenbedingungen“, sagt Palla. Ohne diese Voraussetzung sind die Sanierungsziele nicht in vollem Umfang zu erreichen.

So fehlen der Bahn nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung in den kommenden Jahren rund 13 Milliarden Euro, um die Pünktlichkeitsziele des Verkehrsministers auch zu erreichen. Beim zuständigen Minister Patrick Schnieder (CDU) ist diese Rechnung nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. Auch die kritischen Kommentare von Politikern zum Ausfall des Bahnsystems am vergangenen Dienstag weisen in eine Richtung: Die Schonzeit der noch nicht lange amtierenden Bahn-Chefin neigt sich dem Ende zu.

Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen.

Bahnchefin Evelyn Palla im Porträt
Evelyn Palla,, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn

Umbau der Bahn: Viele Stellen werden abgebaut

Im ersten Halbjahr hat Palla den Konzernumbau eingeleitet. Im zweiten wird das Unternehmen nun neu aufgestellt. Die Leitungsebenen erhalten eine neue Struktur. In der Zentrale verbleiben die übergeordneten Steuerungsfunktionen. Darunter sind die einzelnen Geschäftsbereiche wie die Infrastruktur, der Fernverkehr, DB Regio und die Cargo-Sparte angesiedelt. Diese Gesellschaften verantworten ihr Geschäft künftig eigenständig und sind dann auch dafür verantwortlich, wenn etwas nicht richtig läuft. Die Zentrale mischt da nicht mehr wie bisher mit. Auch einige Dienstleistungen wie die IT-Tochter werden nicht mehr auf der Konzernebene geführt. 

Mit dem Umbau der Zentrale geht der Abbau vieler Stellen einher. Es werden wohl mehr als 1000 Jobs sein, die fortfallen. Beispiele zeigen, wie aufgebläht die Zentrale bisher an manchen Stellen war. So arbeiteten allein 200 Beschäftigte in einer Strategieabteilung, die in diesem Umfang wohl gar nicht gebraucht wird. Und 100 Leute kümmern sich um Nachhaltigkeitsthemen. Künftig soll es nur noch 15 sein. „Der Konzernumbau führt ab 2028 zu Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr bei Sach- und Personalkosten“, rechnet die Bahn vor. Schlüssel für den Erfolg auf allen Ebenen sei ein Kulturwandel: „Leistung und Zielerreichung sind Leitschnur“, heißt es weiter.

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Sanierung der Bahn: Neuer Finanzvorstand Obrowski übernimmt ab September

Etwas mehr Zeit für den Umbau kann Palla sich jetzt auch nehmen. Denn die Doppelrolle als Bahn-Chefin und Finanzvorständin muss sie nicht mehr ausfüllen. In dieser Woche hat der Aufsichtsrat Michael Obrowski zum neuen Finanzvorstand ab dem 1. September berufen. Der 57-Jährige hat zuletzt die Finanzen der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen geregelt, bringt also Erfahrung mit der Führung eines Großkonzerns mit. 

Nach der Neuaufstellung in diesem Jahr wird in den folgenden drei Jahren die Sanierung der DB auf dem Programm stehen. Da ist zum einen die Infrastruktur. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen 24 Korridore mit einer Gesamtlänge von 2500 Kilometern erneuert werden. Die Pünktlichkeitsquote kann dann auf rund 70 Prozent im Fernverkehr und um die 90 Prozent im Regionalverkehr ansteigen. 

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Wettbewerb verschärft Druck auf Bahn

In der dritten Phase bis 2035 will Palla die Sanierung abschließen und einen wirtschaftlich starken und leistungsfähigen Konzern geschaffen haben. Auf diesem Weg liegen allerdings noch einige Hindernisse. So drängen mit den Unternehmen Italo und Flixtrain Wettbewerber verstärkt in den Fernverkehr. Da im Netz auf den lukrativen Strecken kein Platz für weitere Züge ist, werden die Wettbewerber der Bahn Marktanteile abjagen. 85 Prozent des Fernverkehrs will die DB gerne halten. Derzeit sind es über 95 Prozent. Ein weiteres Problem muss noch in diesem Jahr gelöst werden. Bis Ende 2026 muss die Cargo-Sparte wieder schwarze Zahlen schreiben. Ansonsten droht dem Güterverkehr die Zerschlagung, weil die EU einen Verlustausgleich durch den Konzern untersagt hat. 

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Den Fahrgästen kann ein Erfolg der Sanierungsbemühungen nur recht sein. Denn dazu gehören auch bessere Verbindungen, zum Beispiel im grenzüberschreitenden Verkehr. Ein Pilotprojekt wurde an diesem Freitag eingeweiht. Eine Hin- und Rückfahrt von Prag über Berlin nach Kopenhagen gibt es nun täglich. Dabei arbeiten die Bahnen aus Tschechien und Dänemark mit der Deutschen Bahn zusammen. Die Linie wird von der EU gefördert, die Hindernisse im grenzüberschreitenden Verkehr durch insgesamt zehn Pilotvorhaben erkunden und überwinden will.