Als Eltern hatten wir von Anfang an kein wirklich gutes Gefühl. Nach dem Klausurstress zum Ende ihres ersten Studiensemesters flog die Tochter mit vier Kommilitonen nach Jordanien. Das Nachbarland Israels ist bei jungen Menschen ein ziemlich angesagtes Reiseziel abseits der ausgelatschten Routen, abenteuerlich und vor allem günstig. Der Billigflug hin hatte acht Stunden Aufenthalt auf Zypern. Da muss man schon 20 sein, um sich darauf einzulassen.

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Trotz chaotischer Vorbereitung und wegen des Ramadans erschwerter Lebensmittelversorgung lief die Woche gut. Amman, Totes Meer, die fantastische Wüste von Wadi Rum. Und natürlich die Felsenstadt Petra, eines der größten antiken Weltwunder überhaupt. Am Sonntag sollte es zurückgehen.

Als ich aber in Berlin zum Samstagsdienst aufstand, flimmerte die Nachricht vom Krieg in Nahost über meinen Handy-Bildschirm. Sofort schrieb ich der Tochter eine WhatsApp. Israel hat Iran angegriffen, checkt euren Flug, fahrt am besten schnell zum Flughafen. Sucht einen Flug nach Istanbul oder Kairo, Hauptsache raus. Die Jugendlichen folgten dem väterlichen Rat. Als sie am Flughafen aus dem Mietwagen stiegen, hörten sie einen lauten Knall. Offenbar war das ein Raketenteil, das über einem Wohnviertel der Hauptstadt niederging. Sie hörten auch Sirenengeheul. „Da hatte ich ziemlich Angst und wollte schnell in den Flughafen“, berichtete die Tochter. Die Jordanier seien aber relativ gechillt gewesen.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Am Flughafen Amman wurden fast alle Flüge gestrichen. Aber nach Kairo gab es noch Tickets
Im Flughafen mindestens 40 Leute am Ticketschalter. Fast alle ausländischen Airlines hatten am Samstagmittag bereits ihre Flüge gecancelt und für die nächsten Tage abgesagt. Wer raus wollte aus dem Land, musste sich sputen. Die besorgten Eltern schickten Reisewarnungen des Auswärtigen Amts und andere Informationen, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Vor allem mahnten sie den stets kostenbewussten Nachwuchs, nicht aufs Geld zu achten: Hauptsache weg aus dem Krisengebiet.
Die Jugendlichen stellten sich „robust“ am Schalter an. Nach anderthalb Stunden Kampf hatten sie gegen 15 Uhr Ortszeit fünf der letzten Tickets für einen Flieger von Royal Jordanian nach Kairo um Mitternacht ergattert. 226 Dinar, rund 270 Euro. „Sauteuer“ fanden das die jungen Reisenden. Im Internet kauften sie dann einen Anschlussflug von Kairo nach Köln am frühen Sonntagmorgen für 200 Euro.

In der Heimat verfolgten die früheren Erziehungsberechtigten auf der Seite des Flughafens, wie hinter immer mehr Flügen der rote „Canceled“-Button aufploppte. Währenddessen saßen die Kinder vor dem Flughafengebäude in der Sonne. Der irre Plan, noch einmal in die Stadt zu fahren und etwas zu essen zu suchen, wurde auch auf Drängen der Eltern aufgegeben. Die Taxifahrt der Jungs zu einem Supermarkt scheiterte, weil der Taxifahrer den Deutschen dann doch zu dubios fand. Also blieb nur ein „sauteurer“ Käsekuchen von Starbucks.
Am Flughafen waren immer wieder die Sirenen des Luftalarms zu hören
Während sie draußen warteten, hörten sie immer wieder die Sirenen: Luftalarm auch über Amman. Die Schlange am Ticketschalter war unterdessen um das Dreifache angewachsen. Viele Touristen waren aber zu spät dran, bekamen keine Tickets mehr für die wenigen Flüge, die überhaupt noch starteten. Der Flughafen leerte sich. Die Jugendlichen saßen seit dem letzten Luftalarm bei Starbucks und luden ihre Handys.
Der Abend kam und hinter dem Kairo-Flug stand immer noch „On Time“. Ein anderer Jet startete Richtung Ägypten. Es gab also Hoffnung. Um 20.40 Uhr Ortszeit dann die Nachricht: „Sind jetzt eingecheckt.“ Dann: „Flug hat Verspätung.“ Die letzte Restunsicherheit ließ die Eltern weiter bangen. Dann um kurz nach Mitternacht dort, also um kurz nach zehn deutscher Zeit, die erlösende Botschaft: „Boarden gerade.“
Der Flight-Tracker zeigte dann den Weg des Fliegers um die Südspitze des gesperrten israelischen Luftraums herum. Um Viertel nach eins erfolgte die Entwarnung: „Wir sind gelandet, stehen an der Passkontrolle.“ Acht Stunden später landete der nächste Flieger sicher in Köln/Bonn. Nicht alle Urlauber in Jordanien oder am Persischen Golf hatten so viel Glück. Sie müssen zunächst weiter im Kriegsgebiet ausharren.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Berliner Familie kreiste mit dem letzten Eurowings-Flieger aus Dubai eine Stunde über Bahrain
Gerade noch aus Dubai raus kamen auch Morgenpost-Leser Szymon Goniewicz mit seiner Frau und den beiden Töchtern. „Wir hatten großes Glück, überhaupt noch starten zu können, denn unser Flug gehörte zu den wenigen Maschinen, die an diesem Tag überhaupt von den beiden Flughäfen von Dubai abgehoben sind“, berichtet Goniewicz. Die Familie saß schon im Eurowings-Flieger, als erste Nachrichten vom Krieg die Besatzung erreichten.
Unser Flug gehörte zu den wenigen Maschinen, die an diesem Tag überhaupt von Dubai abgehoben sind.
Szymon Goniewicz,, Morgenpost-Leser und Dubai-Urlauber
„Der Kapitän informierte uns, dass in der Eurowings-Zentrale in Deutschland noch beraten werde, ob der Flug überhaupt stattfinden könne“, schreibt der Leser. Die Airline gab dann grünes Licht, aber der Flughafen in Dubai wollte zunächst keine Startfreigabe erteilen. Schließlich wurde der Start freigegeben. Der Kapitän sagte den Passagieren, er werde alles tun, um sie sicher nach Berlin zu bringen – allerdings könne er nicht ausschließen, dass unterwegs Zwischenlandungen nötig sein könnten.
Nach dem Start merkten die Passagiere, dass das Flugzeug längere Zeit in Kurven flog. Später erklärte der Kapitän, dass man fast eine Stunde über Bahrain kreiste. Dort sei zunächst unklar gewesen, wie mit dem Flug zu verfahren sei. „Schließlich erhielten wir die Freigabe, weiter über Saudi-Arabien und Ägypten zu fliegen“, berichtet der Berliner. Unterwegs musste das Flugzeug noch in Thessaloniki zwischenlanden, um zu tanken. Am Abend gegen 19 Uhr landete das Flugzeug sicher in Berlin.










