Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft: Der Januar liegt hinter Ihnen. Besser gesagt: der Berliner Januar. Während andere Bundesländer die Weihnachtsferien verlängern und die Menschen sich im Urlaub oder mit guten Vorsätzen vergnügen, brechen über die Hauptstadt im Januar regelmäßig die absurdesten Dinge herein.

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Allein der zurückliegende Monat! Als wäre ein Terroranschlag mit tagelangem Stromausfall samt tennisspielendem Bürgermeister nicht schon genug, kam das Dauer-Eis-Chaos auf Berlins Bürgersteigen und im ÖPNV dazu. Das ist typisch Berlin? Ehrlich: Nein, danke. Typisch Berlin war allerdings, dass es erst eines politischen Meinungsbildungsverfahrens und anschließenden Machtwortes bedurfte, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass bei vereisten Gehwegen Streusalz helfen könnte. Ich bin übrigens gespannt, ob es nun fürs Salzstreuen auch erst einer Taskforce bedarf, samt Kompetenzgerangel.
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Es ist jeden Januar so: Das Jahr beginnt mit Streit und Chaos. 2022 etwa lernte Berlin ein neues, unfassbar dummes Phänomen kennen: die sogenannten Klimakleber. Zwei Jahre lang verfolgte die Weltöffentlichkeit fasziniert, wie sich in Berlin Menschen mit Sekundenkleber an Straßen festklebten. Und mit welchem Mittel die Berliner Polizei dagegen vorging: mit Sonnenblumenöl. Das löste den Kleber. Die Berliner standen derweil im Stau oder verfolgten den Zirkus stoisch in den Verkehrsnachrichten. Erst 2024 stellten die Kleber ihre Aktionen ein. Allerdings nicht, weil sich das Klima verbessert hatte. Sondern wegen harter Strafen.
Demos, Blockaden, Chaos im Januar – und dann diese Stille
Erfolgreicher waren die Bauern mit ihren Demos. Anfang 2024 sorgten Blockaden mit Traktoren und Lastwagen immer wieder für Sperrungen und Staus in Berlin und anderen Städten. Ziel war, die geplante Abschaffung der Kfz-Steuerbefreiung und die Subventionen für Agrardiesel zu verhindern. Die damalige Ampelregierung folgte dem schließlich teilweise, seit diesem Januar wird Agrardiesel sogar wieder voll subventioniert.

Das Jahr 2023 wiederum hatte mit unfassbarer Gewalt und Krawall zu Silvester in Teilen der Hauptstadt begonnen. Im Januar 2023 forderte die CDU eine Liste der Vornamen der Straftäter, um, so der damalige Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Kai Wegner, „die Probleme“ zu benennen. Im Februar stand die Wiederholungswahl an. Die Folge war eine hässliche Rassismusdebatte. Silvesterkrawall gibt es immer noch. Und Kai Wegner wurde Regierender Bürgermeister – trotz oder wegen der Vornamen-Debatte.
Eine Ausnahme war der Januar 2020. Fast jeder weiß wohl, was man damals alles gemacht hat – weil es erlaubt war. Reisen zum Beispiel. Shoppen gehen. Familientreffen. In die Schule oder ins Büro gehen. Im Dezember 2019 war der weltweit erste Corona-Fall bekannt geworden, in Deutschland tauchte der erste Patient im Januar 2020 in Starnberg auf. In Berlin gab es den ersten bekannten Fall im März. Kurze Zeit später starben die ersten Menschen. Im Januar 2021 hatten sich bereits 100.000 Menschen in Berlin mit dem Virus infiziert. Begriffe wie „Lockdown“ und „Inzidenz“ beherrschten den Alltag. Nie war die Stadt stiller, aber auch trauriger als in den Corona-Wintern 2021 und 2022, als Berlin die Corona-Bestimmungen noch einmal verschärfte.
Berliner Albtraum im Winterschlaf: Geisterzüge der BVG
Ich finde: Weg mit dem Januar! Es wird Zeit, etwas zu tun. Warum zum Beispiel nicht Berlin im Januar in eine gemäßigtere Klimazone verlegen? Mit Blick auf die Sturmfluten im Süden Europas sollte das aber gut geplant werden.
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Auch der Vorschlag, die Stadt einfach komplett in den Winterschlaf zu versetzen, klingt gut. Tatsächlich läuft dazu heute schon ein Pilotprojekt. Streikbedingt haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Geisterzüge angekündigt. Also leere Straßenbahnen, die zwar die Strecken eisfrei halten dürfen, aber keine Fahrgäste transportieren. Allerdings wird der Berliner Winterschlaf so eher zum Albtraum. Dritte Idee: Man könnte den Januar einfach aus dem Kalender streichen. Hier bietet sich eine politische Forderung an. Samt Petitionen, Aktionen, Demos und Diskussionen. Typisch Berlin eben. Wer fängt an?
Die Kolumne „Stadtflucht“: Hier schreibt Morgenpost-Redakteurin Uta Keseling über die Merkwürdigkeiten des Alltags in Berlin und manchmal auch auf dem Land.







