In den vergangenen Tagen wurde viel über die Authentizität des Bekennerschreibens der sogenannten „Vulkangruppe“ spekuliert. Steckt hinter dem Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten die linksextreme Gruppe, die mit ihrer Aktion unter anderem die wohlhabende Bevölkerung ins Visier nimmt, oder hat der russische Geheimdienst seine Finger im Spiel? Nun sorgt ein weiteres Schreiben auf der linksextremen Plattform Indymedia für zusätzliche Verwirrung.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Diese Erklärung ist notwendig, weil unser Name in einen Zusammenhang gestellt wird den wir nicht tragen“, heißt es in einem Beitrag vom Autor „Vulkangruppe“. „In Veröffentlichungen, Bekennerschreiben und medialen Kurzschlüßen wird eine Kontinuität behauptet, die es nicht gibt. Unser früheres Handeln wird benutzt, um aktuelle Angriffe zu legitimiren, zu erkären oder politisch aufzuladen. Das weisen wir zurück.“ (Original-Schreibweise, die Red.)

Aktuelle News & Artikel zum Stromausfall

Distanzierung vom Anschlag auf das Stromnetz – „Wir waren die Vulkangruppe der Jahre 2011“

Gemeint ist unter anderem der gegenwärtige Anschlag im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Am Dienstag meldeten sich die vermeintlichen Täter des Angriffs auf derselben Plattform zu Wort, ebenfalls unter dem Namen „Vulkangruppe“, und wiesen den Vorwurf einer Aktion unter falscher Flagge zurück. Aufgrund von Rechtschreibfehlern, Syntax und beinahe klischeehaften Aussagen zu linken Kampfthemen im vermeintlichen Bekennerschreiben war die Echtheit des Schreibens in Zweifel gezogen worden. Stattdessen wurde gemutmaßt, Russland könnte dahinter stecken. Die Sicherheitsbehörden wiederum stuften das Bekennerschreiben als authentisch ein.

Auch interessant

Nun die erneute Wendung: „Wir waren die Vulkangruppe der Jahre 2011“, heißt es in dem Beitrag, der gegen 1 Uhr morgens am Mittwoch online ging. Der Fokus der Gruppe seien „Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte gewesen“. „Unsere Interventionen richteten sich gegen Kriegspolitik, nicht gegen gesellschaftliche Grundversorgung, nicht gegen Menschen im Alltag.“

Lesen Sie auch

Vermeintlich echte Vulkangruppe: Keine Angriffe auf die Infrastruktur nach Russlands Angriff auf die Ukraine

Eine klare Distanzierung von dem Anschlag, der zehntausende Haushalte inmitten des Winters ohne Strom und ohne Heizung hinterließ. „Wir wollten Unterbrechung, nicht Eskalation. Störung von Normalität, nicht ihre Zerstörung. Es ging um Sichtbarkeit von Verantwortung, nicht um moralische Überhöhung oder um eine Logik der permanenten Sabotage“, wird weiter erklärt. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 habe die Gruppe die Einsicht gehabt, dass Angriffe auf die Infrastruktur destabilisierend wirken können. Man habe daher Abstand von derartigen Aktionen genommen.

Auch von anderen vermeintlichen Angriffen der Vulkangruppe der vergangenen Jahre distanziert sich die Gruppe. Die Wortmeldung wird damit begründet, dass Schweigen als Zustimmung gedeutet werden könnte.

In der linksextremen Szene wird zu Verschwiegenheit aufgerufen

Die Bundesanwaltschaft, die mit dem Fall am Dienstag betraut wurde, äußerte sich auf Anfrage der Morgenpost nicht zu dem weiteren Schreiben. Wegen laufender Ermittlungen werde keine Auskunft gegeben. Es bestehe unter anderem der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, Brandstiftung sowie Störung öffentlicher Betriebe.

Auch interessant

In linksextremen bzw. -radikalen Kreisen scheint man angesichts der angekündigten Ermittlungshärte – Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte am Sonntag, man werde „massiv und ganz engagiert ermitteln“ – nervös zu werden. „Als linke Bewegung wissen wir aber: Sie werden Linke suchen und alles daran setzen, irgendjemanden als Schuldige:n zu präsentieren“, heißt es in einem Text, der am Dienstagabend ebenfalls auf Indymedia erschien, wo Autoren anonyme Beiträge verfassen können. „Ob es diese nun waren oder nicht, ist den Herrschenden egal. Solange sie einen Sündenbock präsentieren können, haben sie ihren Soll erfüllt.“

Aus diesem Grund wird zu Verschwiegenheit aufgerufen. „Lasst uns das Grundprinzip der Aussageverweigerung [...] nicht vergessen“, heißt es. Aussagen, die einen selbst entlasten, könnten andere wiederum belasten. „Je mehr Einzelne sagen, dass sie so etwas niemals tun würden, desto kleiner wird der Kreis jener, die für so etwas verdächtigt werden können.“