Die Organisatoren einer Weltausstellung Expo 2035 haben angesichts der ablehnenden Haltung des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) und Teilen der Koalition ihr Konzept an die neue Debattenlage angepasst. Ausdrücklich ist die Expo nun als eine Art Wegbereiter für die Olympischen Spiele in den 2040er-Jahren konzipiert. So sieht die international agierende Planungsgesellschaft ARUP in ihrem Plan für das Hauptgelände am ehemaligen Flughafen Tegel nun auch eine Mehrzweckarena für 15.000 Zuschauer vor.

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Die Expo könne ein „strategischer Hebel“ für Olympia sein und Infrastruktur-, Mobilitäts- und Energiekonzepte herstellen, die Olympiabewerbungen „realistischer und nachhaltiger“ machen. Die neuen Konzepte wurden am Dienstag der Presse präsentiert. Das Expo-Gelände in Kombination mit bestehenden Standorten böte ideale Bedingungen für temporäre Sportstätten, hieß es.

Die Bundesregierung müsste sich im Frühjahr 2026 um eine Expo in Berlin bewerben

„Wir tun so, als ob Berlin nur alle 20 Jahre eine Großveranstaltung haben dürfte“, sagte Rudi Scheuermann, der Büroleiter von Arup Berlin mit Blick auf die Befürchtung Wegners und seiner Sportsenatorin Iris Spranger (SPD), eine Expo-Bewerbung würde die Chancen auf den Zuschlag für Olympia beenden. Aus diesem Grund hat Wegner bislang einen Senatsbeschluss zur Expo ausgeschlossen. Bewerben muss sich bis zum Frühjahr 2026 aber die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesregierung würde das aber kaum ohne ein positives Votum des Ausstellungsortes tun. „Die Investitionen in die Expo wären für die Olympischen Spiele verfügbar“, sagte Scheuermann, dessen Firma unter anderem auch die Olympischen Spiele im australischen Brisbane 2032 mitplant.

Neben dem Hauptgelände mit den Pavillons der meisten teilnehmenden Staaten, das in Tegel oder auch am Flughafen BER oder auf dem Clean Tech Business Park Marzahn vorgesehen ist, sind Satelliten an anderen Standorten geplant. Genannt wurden das ICC, der Flughafen Tempelhof und das Funkhaus Nalepastraße. Zudem soll es mehrere 100 kleine Pavillons in der ganzen Stadt geben.

PK zur EXPO 2035 in Berlin
Ein provisorischer Expo-Pavillon steht bereits im gebäude der Handelskammer. Das freut Daniel-Jan Girl, den Vorstandsvorsitzenden des Expo-Unterstützervereins Global Goals.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Die Expo-Betreiber um den Mitinitiator Daniel-Jan Girl setzen darauf, mit breit angelegten Aktivitäten im Stadtraum und Unterstützung aus Wirtschaft und Stadtgesellschaft noch ein Umdenken bei Wegner und den „Olympia-only“-Anhängern zu erwirken. Schon im Januar soll an einem noch nicht genannten Ort ein erster Pavillon aufgebaut werden, um das Prinzip zu verdeutlichen. Die Expo versteht sich als eine offene Plattform für alle, die an der Transformation Berlins in Richtung Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Innovation mitarbeiten. Die Bezirke, die solche mobilen Bauten genehmigen müssten, seien „extrem interessiert, ihren Kiez zur Weltbühne zu machen“, sagte Girl.

Der Expo-Unterstützerverein hat 500 Unternehmen und Privatleute als Mitglieder

Der frühere Präsident der Industrie- und Handelskammer ist ehrenamtlicher Vorstand des Vereins Global Goals, der mit derzeit 500 Unternehmen und Privatleuten als Mitgliedern die Expo-Idee vorantreibt. Daneben gibt es eine Expo 2035 Berlin GmbH für die operative Umsetzung und eine Beteiligungsgesellschaft, in die Unternehmen Geld für die Bewerbungsphase einzahlen sollen. Bisher hat die IHK eine Viertelmillion Euro gegeben. Insgesamt strebt die Expo ein Budget von 7,5 Millionen Euro an, davon sollen aber fünf Millionen zu gleichen Teilen von Bund und Land kommen. Die Konzepte stammen von Unternehmen und Agenturen, die diese Vorleistung „pro bono“ erbringen, also ohne Bezahlung, aber mit der Aussicht auf künftige Aufträge.

Die wichtigen Fragen zum Geld beantwortete Volker Halsch, Seniorpartner bei der Unternehmensberatung PwC und Ex-Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Er sagte einen Gewinn durch eine Expo voraus. Die Kalkulation beruht auf 30 Millionen Besuchern für die halbjährige Expo. Ein Tagesticket soll 39 Euro kosten, ermäßigt 10. Eine Saisonkarte für zehn Besuche soll 174 Euro kosten. Allein eine Milliarde soll durch Ticket-Verkäufe hereinkommen.

Ein Tagesticket soll 39 Euro kosten, 30 Millionen Besuche werden 2035 erwartet

Der Umsatz der Veranstaltung wird wie die direkten Ausgaben auf rund 2,1 Milliarden Euro geschätzt. Für Berlin ergebe sich aus einer Expo ein Plus bei der Wirtschaftskraft von fast zehn Milliarden Euro. Bundesweit gibt PwC die Wachstumseffekte mit 22 Milliarden Euro an. Allerdings bestehe ein großer Bedarf einer Vorfinanzierung über fast 1,2 Milliarden Euro für Bau- und Verwaltungskosten. PWC orientiert sich an frühen Expo-Ausgaben in Shanghai (2010), Mailand (2015) und Dubai (2020). Die jüngste Veranstaltung im japanischen Osaka habe dieses Jahr ebenfalls mit einem Gewinn abgeschlossen, hieß es. Das erwarten die Planer auch in Berlin: „Die Expo ist wirtschaftlich und finanziell ein Plus-Geschäft“, sagte Thomas Willemeit, Partner im Architekturbüro Graft.

Noch keine Prognose gibt es allerdings für die in Berlin spezifisch anfallenden Infrastrukturkosten. Sollte das Hauptgelände in Tegel entstehen, müsste es über die Schiene angebunden werden, um bis zu 250.000 Besucher täglich transportieren zu können. Die Planer schlagen hierfür entweder Straßenbahnlinien von Westen, Osten und Süden vor, ersatzweise auch eine Verlängerung der U-Bahn oder eine neue Zugverbindung „Monorail“ zum Hauptbahnhof. Diese Erschließung sei aber auch für den in Tegel seit Jahrzehnten geplanten Wissenschafts- und Industriepark Urban Tech Republic notwendig, hieß es. Expo-Initiator Girl gibt jedenfalls die Hoffnung nicht auf: „Es geht darum, Träume wahr werden zu lassen.“