Der Berliner Senat wird eine Bewerbung für die Weltausstellung Expo 2035 nicht weiterverfolgen. Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) äußerte sich dazu eindeutig: „Olympische und Paralympische Spiele ja, Expo nein“, sagte sie. „Es wird keinen Senatsbeschluss zur Expo geben.“

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Zuvor hatte sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in öffentlichen Aussagen zwar zurückgehalten, den Begriff Expo zu vermeiden – in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz stellte er jedoch klar: „Wenn die Priorität ‚Olympische Spiele‘ ist, dann ist klar, was das für anderes bedeutet.“

Für die Expo-Initiative erklärte Geschäftsführer Henning Wehmeyer, man werde gemeinsam weiter arbeiten. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ Die Zivilgesellschaft werde weiterhin ihr Angebot machen, um die Nachhaltigkeitsziele Berlins zu erreichen.

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Berlins Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand sagte, der volle Fokus solle bis zur innerdeutschen Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 26. September wesentlich auf den Olympischen und Paralympischen Spiele liegen. Das werde ihm von den Entscheidern aus den Sportverbänden gespiegelt, sagte der Manager der BR Volleys: „Berlin kann nur eine Sache glaubhaft nach außen vertreten.“

Das Konzept einer Kette von Großveranstaltungen ist damit wohl gestorben

Er verwies auf Gespräche mit deutschen Sportfunktionären, die eine Auswahl zu treffen haben zwischen den innerdeutschen Bewerbern Berlin, München, Hamburg und Rhein-Ruhr. „Alle sagen mir, ihr müsst euch fokussieren“, so der Beauftragte, der erst kürzlich mit einem kleinen Team im Roten Rathaus seine Arbeit aufgenommen hat, „wenn ihr einen breiten Blumenstrauß anbietet, werdet ihr Olympia nicht bekommen“.

In den vergangenen Tagen war in der Stadt eine Debatte darüber aufgeflammt, ob sich die Stadt nicht auf eine Kette von Großveranstaltungen vorbereiten beziehungsweise bewerben sollte: Die Expo 2035, eine Internationale Bauausstellung von 2034 bis 2036, das 800-jährige Stadtjubiläum 2037 und die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, aber eher 2040 oder 2044.

SPD-Spitzenkandidat Krach war für Olympia und Expo, SPD-Senatorin Spranger nicht

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte sich für eine solche „Dekade der Großveranstaltungen“ stark gemacht, die Industrie- und Handelskammer sowie mehrere Wirtschaftsverbände unterstützen diese Konzeption. Zuletzt hatte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Sebastian Stietzel in der Berliner Morgenpost einen Verzicht auf die sehr aussichtsreiche Expo-Bewerbung als „fatal“ bezeichnet. Wegen der unklaren Aussichten auf die Olympischen Spiele bestehe die Gefahr, dass Berlin am Ende ohne etwas dastehen könnte. Auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte sich dafür ausgesprochen, zweigleisig zu fahren und sich sowohl um die Expo als auch um die Olympischen und Paralympischen Spiele zu bemühen.

Kai Wegner, Iris Spranger und ihr Olympiabeauftragter Niroomand hatten kurzfristig zur Pressekonferenz geladen, um die aus ihrer Sicht schädliche Debatte zu beenden. Auf dem Podium saßen auch noch der Landessportbund-Präsident Thomas Härtel, die Basketball-Olympiasiegerin und Alba-Managerin Svenja Brunckhorst, der Chef des Wirtschaftsclubs VBKI und der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände UVB, Alexander Schirp. Sie alle nahmen anfangs das Wort Expo nicht in den Mund.

Landessportbund-Chef Härtel: Olympia ist nachhaltiger als eine Expo

LSB-Chef Härtel versicherte, die vom Sportbund im Juli gestartete Unterschriftensammlung zur Unterstützung der Olympiabewerbung werde die für eine solche Volksinitiative vorgesehene Hürde nehmen: „Vor Weihnachten werden wir das Mindestquorum von 20.000 erreicht haben“, sagte Härtel. Es sei aber „nicht ganz einfach, Unterschriften zu sammeln“, man müsse meistens ein paar Minuten mit den Menschen diskutieren.

In einer zweiten Fragerunde sagte Härtel dann auch was zur Expo. Die Nachhaltigkeit sei eher bei Olympia als bei einer Weltausstellung gegeben, so der frühere SPD-Staatssekretär. Er habe 2000 die Expo in Hannover erleben dürfen, das sei „nicht schlecht“ gewesen. „Aber fragen Sie mal, was von der Expo übrig geblieben ist“, forderte Härtel die Weltausstellungs-Unterstützer auf.

Grüne sind fassungslos: „Wegner hat es versemmelt“

Die Grünen, die eine Olympia-Bewerbung ablehnen, kritisierten die Festlegung auf Olympia und das Nein zur Expo sehr harsch. „Wegner hat es versemmelt“, stellte Fraktionschefin Bettina Jarasch fest, das mache sie „fassungslos“. Der Regierende habe die falschen Prioritäten gesetzt, am Ende werde er „ganz ohne“ dastehen. Die Expo biete eine Chance für einen Schub für Innovation, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Entscheidung dagegen zeige, dass Wegner „keinen Plan“ habe, wie „wir die Stadt wieder voranbringen können“. Sportsenatorin Spranger kritisierte wiederum die Grünen für ihre „NOlympia-Position“. Wo sie mitregierten, seien Grüne für Olympische Spiele.

Wegner, Niroomand und Spranger räumten ein, dass es in Berlin insgesamt noch keine große Begeisterung für die Bewerbung gebe. Der Beauftragte sprach von „vermeintlichen Umfragen“, die eine mehrheitliche Ablehnung zeigten. „Es gibt den Gegenwind nicht“, behauptete der Volleyball-Manager. Tags zuvor hatten die Olympia-Gegner ihre Kampagne für ein Volksbegehren gegen Olympia präsentiert.

Wegner will das „olympische Feuer in die Herzen der Berliner tragen“

Wegner verwies auf den geplanten Start der Werbekampagne in den kommenden Wochen. „Mein Ziel ist es, das olympische Feuer in die Herzen der Berliner zu tragen“, sagte der Regierende: „Olympia ist die Antwort für besseren ÖPNV, mehr bezahlbaren Wohnraum, bessere Infrastruktur und wie sich Berlin in den nächsten 20, 30, 40 Jahren entwickeln kann.“