Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat die deutschen Sportfunktionäre für die Organisation des innerdeutschen Wettkampfes um eine nationale Olympiabewerbung scharf kritisiert. „Eigentlich ist das Verfahren schon eine Unverschämtheit“, sagte Krach am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsclubs VBKI. 80 Millionen Euro Steuergeld würden ausgegeben, so der designierte Vorsitzende der Berliner SPD mit Blick auf die Konzepte und Kampagnen, die in Berlin, München, Hamburg und Rhein-Ruhr erarbeitet werden und aus denen der Deutsche Olympische Sportbund im Herbst 2026 die nationale Bewerbung auswählen wird. Aber niemand wisse, ob er eine Zusage bekomme, sagte Krach. „Das widerstrebt mir.“

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Tatsächlich waren die Signale zunächst anders: Der Sport wollte sich für einen deutschen Olympiahauptaustragungsort entscheiden. Nun aber gibt es einen aufwändigen Wettbewerb, ehe es überhaupt zur Entscheidung durch das Internationale Olympische Komitee über die Spiele 2036, 2040 und 2044 kommen kann. Im Rennen sind neben Berlin München, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr.
Steffen Krach: Es sei schwierig, wenn gesagt wird „Bei anderer Bewerbung seid ihr raus“
Krach stellte auch einen Bezug zu der Debatte über eine Berliner Bewerbung um die Weltausstellung Expo 2035 her. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat einen Senatsbeschluss dazu ausgeschlossen, um die Chancen für Olympia nicht zu gefährden. Krach findet das schwierig: Wenn man angesichts des von ihm kritisierten Wettbewerbsverfahrens „die Rückmeldung kriegt ‚Ihr seid raus, wenn ihr euch für etwas anders bewerbt‘, finde ich nicht zufriedenstellend“, sagte Krach.
Er bezeichnete es als „nicht richtig“, den vielen für die Expo engagierten Menschen nun zu sagen: „Ihr seid raus.“ Das sei nicht fair. Er wisse aus Hannover, wo 2000 die letzte Expo in Deutschland stattfand, dass auch eine Weltausstellung große Impulse für eine Stadt geben könne. Er warb deshalb dafür, sich als Berlin für Olympia und für die Expo zu bewerben. Noch scheint die Tür dafür nicht ganz geschlossen zu sein. Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte am Mittwoch bei seinem offiziellen Antrittsbesuch im Roten Rathaus, er schließe „für Berlin gar nichts aus“. Expo und Olympia seien Themen, so der Kanzler. Seine Worte gaben dem Optimismus der Expo-Verfechter neue Nahrung.
Wer wollte, konnte auch Finanzsenator Stefan Evers (CDU) so verstehen. In Vertretung des bei der Ministerpräsidentenkonferenz weilenden Regierenden Bürgermeisters beantwortete er eine Frage der Grünen-Abgeordneten Tuba Bozkurt zur Absage der Expo. Er wies aber auch auf die Verabredung im Koalitionsvertrag hin, eine Expo-Bewerbung zu prüfen. Der Senat habe aber immer eine klare Antwort zur Prioritätensetzung für Olympia gegeben, sagte Evers. „Ob und inwieweit eine Expo auf dieses Ziel hinwirken kann, ist an diejenigen zu richten, die in diesem Feld engagiert sind“, sagte der Senator. Das klingt verdächtig nach den neuen Argumenten der Expo-Organisatoren, die die Weltausstellung und den damit verbundenen Ausbau von Infrastruktur nun als eine Art Vorbereitung für die Olympischen Spiele orientieren möchten.
Bundestag beschließt „ volle Unterstützung“ für Olympia in Deutschland – mit den Grünen
Die Debatte um die Olympischen Spiele in Deutschland hat am Donnerstag auch den Bundestag erreicht. Das Parlament sicherte der deutschen Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele die „volle Unterstützung“ zu. Dabei müsse aber die Bevölkerung vor allem in den Bewerberstädten „durch schlüssige Argumente überzeugt und mitgenommen werden“, heißt es in dem Antrag. Das klare Votum der Münchener für die Bewerbung ihrer Stadt bedeute auch „Rückenwind“ für die anderen Bewerberstädte. Die Bürger seien „in den Bewerbungsprozess“ einzubeziehen und „transparent über Chancen, Kosten und Risiken“ zu informieren.

Eingebracht haben den Antrag nicht nur die Koalitionsfraktionen von Union und SPD, sondern auch die oppositionellen Grünen. Deren Berliner Landesverband ist jedoch gegen eine Berliner Bewerbung. Der Berliner Bundestagsabgeordnete und Vizefraktionschef Andreas Audretsch erklärt diesen Widerspruch so: „Wir sind für Olympia in Deutschland. Aber nur, wenn es ein gutes, nachhaltiges Konzept gibt und die Menschen vor Ort dahinterstehen“, sagte Audretsch. In Berlin gebe es jedoch „kein funktionierendes Konzept“. Schon die Bewerbung solle auf Kosten der Sportanlagen vor Ort finanziert werden. Die Bürgerinnen und Bürger sagten mit überwältigender Mehrheit Nein. „Der Senat kann es nicht, Berlin will es nicht, die Spiele sollten nicht in Berlin stattfinden“, so der Grünen-Politiker.
Die Frauen-Fußball-EM ging nach Deutschland – auch ohne Berliner Beteiligung
Während der Bundestag mit den grünen Stimmen für Olympische Spiele votierte, arbeiteten die Fraktionen von Grünen und Linken wenige Kilometer entfernt im Berliner Abgeordnetenhaus daran, die Glaubwürdigkeit von Wegners „Olympia Only“-Argumentation zu unterminieren. Wegner begründet seine Position stets damit, dass Berlin für das Sportevent nicht zum Zuge kommen könne, wenn es sich zuvor für die Expo bewerbe. Gleichzeitig hebt er stets hervor, dass Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee nur mit Berlin eine Chance habe.
Linke und Grüne wollten nun wissen, wie es angesichts dieser Selbsteinschätzung sein könne, dass Berlin bei der jüngsten Vergabe eines großen Ereignisses leer ausgeht, nämlich bei der Fußball-EM der Frauen 2029. Man habe sich beim Deutschen Fußball-Bund nicht beworben, hieß es vonseiten des Senats. Als Grund wurde bereits im Januar angegeben, Berlin sei nicht bereit, im Rahmen der Bewerbung finanzielle und vertragliche Risiken einzugehen.





