Berlins Sozialdemokraten demonstrieren Geschlossenheit: Auf ihrem Landesparteitag am Sonnabend haben die rund 250 Delegierten Steffen Krach einstimmig als Spitzenkandidaten nominiert. Der gebürtige Niedersachse soll die Partei gegen den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ins Rennen führen - und das Rote Rathaus „auch innen wieder rot machen“, gab SPD-Landeschefin Nicola Böcker-Giannini (SPD) die Marschrichtung vor.

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Die Partei, die sich im nhow-Hotel an der Spree in Friedrichshain zusammen kam, bereitete ihrem Hoffnungsträger einen ganz besonderen Auftritt. Die ehemaligen SPD-Regierenden Bürgermeister - und Bürgermeisterinnen Walter Momper, Klaus Wowereit und Franziska Giffey nahmen Krach in ihre Mitte und geleiteten ihn vom Eingang des großen Veranstaltungssaales unter den stehenden Ovationen der Parteimitglieder zur Bühne. Es fehlte nur Michael Müller, der wie es hieß, aus terminlichen Gründen verhindert war.

Die Aufgabe, die vor Krach liegt, ist alles andere als leicht: Gut zehn Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus steht die SPD in den jüngsten Wahlumfragen mit 16 Prozent weit hinter der CDU (23 Prozent) und auch hinter den Linken (17 Prozent) und nur knapp vor Grünen und der AfD. Doch, wie Steffen Krach in seiner Antrittsrede betonte, sehe er das eher als sportliche Herausforderung: „Wir können es packen, wir haben in Berlin schon oft gezeigt, dass wir vor Wahlen Umfrageergebnisse drehen können“, so Krach.
Kampfansage vor allem an die CDU
Der 46-Jährige gebürtige Hannoveraner hat in Berlin studiert, war bis 2021 mehrere Jahre Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin und wurde danach Regionspräsident in Hannover. Die Rückkehr in die Hauptstadt habe er mit seiner Frau und den drei Kindern einvernehmlich besprochen: „Mein Herz hat sofort Ja gesagt.“ In seiner gut 90-minütigen Rede griff Krach vor allem die CDU an: „Lasst uns als Underdog starten und uns durchbeißen. Dann werden wir Kai Wegner von der Regierungsbank stoßen.“
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Steffen Krach will gegen die „Mietmafia“ vorgehen
Die Kampfansage belohnten die Delegierten mit tosendem Applaus. „Kai Wegner läuft durch die Stadt, besichtigt die Stadt, aber er regiert nicht. Von uns bekommt er ein Jahresticket für den 100er Bus und kann dann quer durch Berlin Sightseeing-Touren fahren. Denn wir werden regieren!“, legte Krach nach.
Aber auch gegenüber den Grünen und der Linkspartei war Krach sichtlich um Abgrenzung bemüht. „Die Linken haben lange die Bausenatoren gestellt - aber weder sind die Mieten gesunken, noch wurde der Neubau dringend nötiger bezahlbarer Wohnungen vorangetrieben.“ Die SPD habe dagegen bewiesen, dass sie es ernst meint mit dem Vorgehen gegen Wuchermieten: „Wir haben die Mietpreisprüfstelle eingerichtet“. An diese können sich Menschen wenden, wenn Sie den Verdacht haben, dass ihre Miete überhöht ist. Es habe sich gezeigt, dass 90 Prozent der überprüften Mieten zu hoch gewesen seien. „Nun dürfen wir die Menschen mit diesem Befund nicht allein lassen“, sondern entschlossen gegen die Mietmafia vorgehen. Krach forderte hohe Bußgelder. „Ich will, dass wir alle Register ziehen und gnadenlos gegen dieses System vorgehen.“
Nachholbedarf sieht Krach in Berlin auch beim Thema Familienfreundlichkeit. „Ich will, dass Berlin die Familienmetropole in Europa wird“, sagte er
Der Landesparteitag sollte erkennbar auch die Wunden der vergangenen Woche heilen, in der die SPD sich so tief gespalten wie nie gezeigt hatte. Genau vor einer Woche waren in drei Bezirken die begehrten Listenplätze für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September kommenden Jahres vergeben worden. Mit einem ganz großen Knall in Neukölln: Obwohl die Delegierten ihm 68,5 Prozent der Stimmen gaben, verzichtete Co-Landeschef Martin Hikel auf die erneute Kandidatur als Bezirksbürgermeister. Hikel wertete das Ergebnis als nicht ausreichend für einen erfolgreichen Wahlkampf. Bei der Wahl im September 2026 will er nicht mehr für das Amt des Bezirksbürgermeisters in Neukölln kandidieren.
Landesvorsitzender Hikel: Kein Wort zum Neukölln-Debakel
Entsprechend gespannt warteten die Genossen auf die Rede Hikels. Die Co-Landesvorsitzende Nicola Böcker-Giannini, die ebenfalls in der kommenden Woche in Reinickendorf um einen aussichtsreichen Listenplatz bangen muss, musste zunächst um Geduld bitten: „Martin ist gerade frisch Vater geworden, er wird im Laufe des Tages kommen.“ Hikel ist vor zwei Wochen Vater einer Tochter geworden.
Als Hikel schließlich kam, sprach er das Zerwürfnis im Neuköllner Kreisverband mit keiner Silbe an. Er versicherte Steffen Krach lediglich, dass dieser auf starken Rückenwind bauen könne: „„You‘ll never walk alone - du wirst niemals allein laufen.“ Ob Hikel mit dieser Prognose recht haben wird - das wird sich in den kommenden Monaten zeigen.





