Liebe Leserin, lieber Leser,

was wird heute wichtig? Beginnen wir mit einem Blick auf die Termine des Tages:

• Sahra Wagenknecht vor Gericht: Wegen strittiger Äußerungen über Ex-Linken-Politiker Diether Dehm muss die Vorsitzende des BSW und ehemalige Linken-Fraktionschefin heute persönlich vor dem Landgericht Berlin erscheinen. Der Musiker und frühere Bundestagsabgeordnete sieht seine Ehre verletzt und klagt gegen Wagenknecht. (14 Uhr)

• Klamottenmüll vor dem Brandenburger Tor: Greenpeace türmt weggeworfene Kleidung fünf Meter hoch vor dem Brandenburger Tor auf – als Protest gegen die Wegwerfmode der Fast-Fashion-Industrie. Die Umweltschützer fordern ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz gegen die Textilflut. (9 Uhr)

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

• Mehr KI für Berlin: Die Hauptstadt bekommt einen zentralen KI-Hub. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) eröffnet die neue Anlaufstelle für Künstliche Intelligenz. Die Hauptstadt will im internationalen Tech-Wettbewerb nicht den Anschluss verlieren. (10 Uhr)

Neues aus Berlin

Wer Angehörige hat, die in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden müssen, der weiß, wie unfassbar teuer diese Dienstleistung ist. Kein Wunder also, wenn vielen Familien und Pflegebedürftigen mittendrin die Puste ausgeht und sie die Kosten nicht mehr tragen können.

Dann springen die Sozialämter ein. Sie zahlen, wenn Pflegebedürftige den Eigenbeitrag für das Heim oder die ambulante Versorgung nicht mehr aufbringen können. Doch auch sie sind überfordert: Überall in Berlin warten Pflegeanbieter monate- und oft jahrelang auf Geld. Insgesamt geht es dabei um viele Millionen Euro, berichtet Chefreporter Joachim Fahrun.

Pflegeheimbetreiberin Margitta Schöne-Büttner aus Pankow
Das Sozialamt schuldet ihr 80.000 Euro aus den Hilfen zur Pflege für bereits erbrachte Pflegeleistungen: Margitta Schöne-Büttner aus Pankow© Joachim Fahrun | Joachim Fahrun

Der Kollege hat mit der Betreiberin einer Pflegeeinrichtung in Pankow gesprochen. Margitta Schöne-Büttner kennt die Fälle aus ihrem Alltag. Manche Senioren gehen mit 30.000 angesparten Euro ins Pflegeheim. Doch die Zuzahlung von aktuell 2800 Euro im Monat lässt sich nur selten aus der Rente zahlen. Nach einiger Zeit werden die alten Menschen zu Sozialfällen, müssen Hilfe zur Pflege beantragen. Dann kommt das Sozialamt ins Spiel.

„Die Hilfen zur Pflege gehören zu den Sozialausgaben, auf die Menschen einen individuellen Anspruch haben. Die Kosten steigen rapide. 2024 gab Berlin dafür 475 Millionen Euro aus“, erklärt Joachim Fahrun in seinem Text. Zwölf bis 18 Monate kann es dauern, bis die Auslagen der Pflegeeinrichtungen beglichen werden. Zu lang für viele. Auch unklare finanzielle Verhältnisse der Patienten sind ein Problem. Auch dann gehen die Pflegeeinrichtungen zunächst in Vorleistung.

Der Senat setzt bei der Bekämpfung des Problems auf technische Lösungen und Zielvereinbarungen. Das reicht der Pflegebranche nicht. Die Verbände verlangen gesetzliche Zahlungsfristen und eine Vorleistungspflicht der öffentlichen Hand – denn Pflegen sei wichtiger, als dem Geld hinterherzurennen.

Außerdem wichtig

Der Fall Rebecca weiter ungeklärt: Am Dienstag durchsuchten Ermittler ein verlassenes Gelände in Brandenburg. Welchen Zusammenhang es zum tatverdächtigen Schwager des Mädchens gibt, berichtet Julian Würzer, der am Dienstag nach Herzberg gefahren war. Warum der Schwager weiter im Fokus der Ermittler steht, hat Philipp Siebert aufgeschrieben.

Im Februar 2019 war die damals 15-Jährige verschwunden. Sie hatte zuvor bei ihrem Schwager und ihrer Schwester im Berliner Stadtteil Britz übernachtet. Was danach passiert ist, ist bis heute noch immer ein Rätsel. Die ganze Geschichte, hatte in der vergangenen Woche Dennis Meischen noch einmal für unsere neue True-Crime-Serie „Das dunkle Berlin“ aufgeschrieben.

Fühlen sich Frauen auf der Straßen bedroht? Merz‘ Äußerungen über das Stadtbild in Deutschland und sein Verweis auf das Sicherheitsempfinden von Frauen schlagen weiter Wellen. Unser Kollege Oskar Paul und Nuria Klesmann haben sich in Mitte umgehört, was junge Frauen darüber denken. Ihre Antwort lesen Sie hier.

Für Dienstagabend hatte Aktivistin Luisa Neubauer zudem zu einem Protest vor der CDU-Bundeszentrale aufgerufen. Neben Neubauer ging vor dem Konrad-Adenauer-Haus auch Grünen-Politikerin Ricarda Lang mit den Aussagen von Friedrich Merz hart ins Gericht. Die Veranstalter sprachen von 7500 Teilnehmenden, die Polizei schätze die Zahl auf 2000. Meine Kollegin Laura Wagener war vor Ort.

Merz legt nach „Stadtbild“-Aussage nach: So reagieren Berliner
Die Berliner Studentinnen Clara (links) und Jora. Sie kritisieren Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für seine „Stadtbild"-Aussage.© BM | Nuria Klesmann

Berlin hat ein Drogenproblem: Am Kottbusser Tor zum Beispiel wiederhole sich das Christiane-F.-Syndrom – sehr junge Frauen, Mädchen also. Das sagen nicht wir, das sagt Juri Schaffranek, der seit 1988 Straßensozialarbeit in Berlin für Gangway e.V., macht. „Das ist eine sehr junge Generation, die über Social Media wie Tiktok geteasert wird.“ Ihm bereite daher die aktuelle Politik in Berlin große Sorgen, sagt Schaffranek im Interview mit Patrick Goldstein.

Auch Kriminalität im Zusammenhang mit Drogenhandel ist ein Thema: in Berlin: In der Nacht zu Dienstag fielen in der Kurfürstenstraße Schüsse, zwei Männer wurden durch die Kugeln verletzt. Es handelte sich dabei offenbar um eine Auseinandersetzung im Drogenmilieu. Zumindest seien Drogen gefunden worden. Die Hintergründe lesen Sie hier.

Genießen Sie heute noch mal die Herbstsonne zwischen den Wolken – am Donnerstag könnte es richtig dunkel werden!

Ihre Heike Dietrich,
Leitende Redakteurin

Dieser Newsletter gefällt Ihnen? Empfehlen Sie ihn gern weiter.

📧 Mehr Newsletter

  • Morgenpost Späti – Hier steckt alles drin: Montag bis Freitag um 18 Uhr das Wichtigste aus Berlin direkt ins Postfach – kompakt, nah dran & persönlich. Wie im Späti um die Ecke.
    🔗 Hier kostenfrei anmelden!
  • Hauptstadt Inside – Jörg Quoos, erfahrener Politikjournalist, gibt Ihnen dreimal die Woche Durchblick durch den politischen Dschungel Berlins.
    🔗 Hier kostenfrei anmelden!
  • Berlin erleben – Felix Müller bringt Sie jeden Donnerstag in Wochenendstimmung: Die besten Ideen für Kultur, Unternehmungen und Ausflüge in Berlin – direkt in Ihr Postfach.
    🔗 Hier kostenfrei anmelden!

Unsere Empfehlungen

Auch interessant

Lesen Sie auch