Der Schriftsteller Alfred Kantorowicz (1899–1979) hatte schon recht, als er einmal sagte: „Es muss nicht notwendigerweise die Schuld Berlins sein, wenn einer Berlin nicht mag.“ Gerade scheint es regelrecht Mode zu sein, Berlin um jeden Preis nicht zu mögen. In der Tageszeitung „Die Welt“ erschien jüngst ein Text mit dem provokanten Titel „Alle hassen Berlin“. Und laut einer repräsentativen Umfrage der Freien Universität Berlin unter 1630 Menschen seien Berlinerinnen und Berliner im Vergleich der Bundesländer am unsympathischsten, während Hamburgerinnen und Hamburger die höchsten Sympathie-Werte erreichten.

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Gut, wir könnten jetzt mit einem Songtitel von Ballermann-Barde Mickie Krause antworten und allen Kritikern ein nöliges „Geh doch zu Hause, du alte Sch...“ hinrotzen. Weil wir aber keine Atzen, sondern wohlerzogen sind, lassen wir Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) für uns sprechen.

Konferenz in Warschau: So reagiert Giffey auf Berlin-Bashing

Berlins Vize-Bürgermeisterin wurde am Dienstag bei einer Konferenz der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer in Warschau von der Moderatorin mit den jüngsten Berlin-Vorurteilen konfrontiert und setzte daraufhin zu einer fünfminütigen Stegreifrede an, bei der den Zuhörerinnen und Zuhörern die Ohren geschlackert haben dürften. Ein Redakteur des „Tagesspiegel“ hat Giffeys Performance vor Ort in einem Instagram-Video dokumentiert.

 „It‘s time to pitch for Berlin, right?“, leitete Giffey ihre Bühnenperformance auf Englisch ein, um dann auf Deutsch fortzufahren, weil die Anwesenden über ein Headset den Ton des Simultandolmetschers hörten. „Wir haben eine Stadt, die das letzte Jahr 30 Millionen Übernachtungen hatte. Wissen Sie, wie viele Städte es gibt weltweit, die 30 Millionen Übernachtungen haben? Es gibt zehn.“ Berlin gehöre dazu, sagte Giffey. Sie wies auf zahlreiche große Veranstaltungen wie das Festival of Lights oder den Christopher Street Day hin und auch auf die Bedeutung der Stadt für die Start-up-Branche. 

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Teilnehmende begeistert: „Franzi for president!“

Sie habe erfahren, dass es in Polen 3000 Start-ups gebe, sagte Giffey. In Berlin seien es 5000. „Es sind Menschen aus über 170 Nationen, die in unserer Stadt leben, die sich entscheiden zu gründen, die sich entscheiden zu investieren“, so die Wirtschaftssenatorin. „Unser Markenkern ist die Freiheit“, sagte Giffey. „Du kannst in Berlin so leben, wie du willst. Du kannst so lieben, wie du willst.“ Berlin stehe für Demokratie und Freiheit.

Mit Blick auf die FU-Umfrage erklärte Giffey: „Wenn ich mir überlege, wie viele Bayern, wie viele Baden-Württemberger bei uns in der Stadt leben, da haben die sich alle ein bisschen selber beschimpft.“ Alle, die „kritisch sind, die neidisch sind, die Berlin kritisieren, die kommen gerne in unsere Stadt“, sagte die SPD-Politikerin und schloss dann noch versöhnlich mit der Einladung an alle Skeptiker, Berlin zu besuchen und sich ein eigenes Bild von der Stadt zu machen.

Bei ihrer Delegation kamen Giffey und ihre Rede gut an. Nach den fünf Minuten brandete Applaus auf. Laut „Tagesspiegel“ soll ein Berliner Geschäftsführer im Anschluss sogar gewhatsappt haben: „Franzi for president! #MBGA“ – also „Make Berlin Great Again“.