Die Vorwürfe wiegen schwer: Der Ehemann eines homosexuellen Lehrers der Rütli-Schule in Neukölln soll über Monate von Schülerinnen und Schülern schwulenfeindlich bedroht und beleidigt worden sein. Das äußerte der Mann gegenüber dem „Tagesspiegel“. Es habe belästigende Anrufe, schwulenfeindliche Hassbotschaften und E-Mails gegeben. Die Vorfälle ereigneten sich von August bis Dezember 2024.

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Gegenüber dem Medium berichtete der Betroffene, wie alles begann. Schüler hätten seinen Mann nach seinem Namen gefragt. Dies sei ursprünglich in einem netten Gespräch mit Oberstufenschülern passiert, habe offenbar aber die Runde gemacht – hin zu männlichen Jugendlichen, die offenbar ein Problem mit Homosexualität haben. Da er als Freiberufler arbeite, sei er im Internet gut zu finden. Die Schüler seien so an die Adresse gelangt. Auch sein Mann sei in der Schule von Schülern regelmäßig schwulenfeindlich diskriminiert worden.
Dabei hatte sich die Rütli-Schule in den vergangenen Jahren doch zum Vorzeigeprojekt gemausert: Nachdem die Neuköllner Schule im Jahr 2006 bundesweit negative Schlagzeilen gemacht hatte, nachdem Lehrer einen Brandbrief verfasst hatten, in dem sie katastrophale Zustände und Gewalt durch Schüler beschrieben, war sie zum Symbol für das Versagen der Hauptschulen geworden. Doch dann entstand 2012 der Campus Rütli, für 32 Millionen Euro gebaut, der Haupt-, Real- und Grundschule vereint. Vielfach wurde diskutiert, ob sich das Erfolgskonzept mit pädagogischer Werkstatt auf andere Schulen übertragen lasse.
Rütli-Schule in Berlin: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schüler
In dem aktuellen Fall ermittelte zunächst der Staatsschutz mit Schwerpunkt auf der Verfolgung von Hasskriminalität. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft übernommen. Die Behörde bestätigte auf Morgenpost-Anfrage, dass sie gegen einen namentlich bekannten Jugendlichen und gegen mehrere Unbekannte wegen des Verdachts auf Beleidigung und Nachstellung ermittelt. Im ersten Fall seien die Ermittlungen inzwischen abgeschlossen. „Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen ist mit ganz überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch sämtliche bislang unbekannten Täter aus der Schülerschaft stammten“, sagte ein Sprecher.
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Von den Strafverfolgungsbehörden fühlte der Ehemann des Lehrers sich gut unterstützt, von der Schulverwaltung jedoch nicht. Diese habe auf E-Mails zum Teil nur schleppend reagiert. Auch das Erstatten der Anzeige sei dem Paar überlassen worden. Die Schule selbst äußerte sich auf Anfrage der Morgenpost nicht zu den Vorfällen. Von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung heißt es, dass sie „zu laufenden Ermittlungsverfahren“ sowie Fragen zu Ehepartnern weder auskunftsfähig noch zuständig sei.
Auch zu internen Abläufen gebe man keine Informationen. Die Rütli-Schule verfüge aber „über ein bewährtes pädagogisches Konzept, ist organisatorisch gut aufgestellt und wird von der Schulaufsicht sowie erfahrenen Trägern unterstützt.“ Die Schulleitung handle nach „klaren Notfall- und Handlungsplänen“, die auch den Ausschluss vom Unterricht beinhalten. „Bei strafrechtlich relevanten Verhalten werden entsprechende Strafanzeigen durch die Schule gestellt“, so der Sprecher.
Vorfall an Rütli-Schule in Neukölln „ganz schrecklich“
Auch für Marlene Özdemir, Gesamtelternvertreterin an der Neuköllner Gemeinschaftsschule, steht fest: „Bei Themen wie Diskriminierung und Rassismus kennt die Schulleitung keinen Spaß. Wenn solche Dinge passieren, ist die Schule da hinterher.“ Die nun vorgebrachten Vorwürfe des Ehemanns des Rütli-Lehrers hätten sie „sehr schockiert“. „Das ist ganz schrecklich“, sagt sie. Umso wichtiger sei daher die präventive Arbeit an der Schule, etwa Anti-Diskriminierungs-Workshops für die Schüler und auch Eltern.
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Die GEW Berlin fordert ein „unabhängiges Beschwerdesystem, das niederschwellig und verlässlich für alle Betroffenen erreichbar ist und Diskriminierungsfälle professionell bearbeitet“ – damit alle Menschen sich „an ihrem Lern- und Arbeitsort Schule sicher und wohlfühlen können“. So geht es aus einer Pressemitteilung der Lehrergewerkschaft hervor. „Der Bedarf an langfristigen Angeboten in queerer, antirassistischer und antisemitismuskritischer Bildungsarbeit ist hoch – und wächst.“ Kürzungen durch den Berliner Senat müssten „dringend rückgängig“ gemacht werden.
Mobbing von homosexuellem Lehrer an Berliner Schule kein Einzelfall
Queerfeindlichkeit gehört an Berliner Schulen zum Alltag: Erst kürzlich sorgte der Fall von Oziel Inácio-Stech bundesweit für Schlagzeilen. Der homosexuelle Lehrer berichtete davon, an der Moabiter Carl-Bolle-Grundschule aufgrund seiner Sexualität gemobbt, beschimpft und beleidigt worden zu sein – von homophoben muslimischen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern, wie der Mann gegenüber der Morgenpost berichtete. Auf Hilfe durch die Schulleitung oder Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) wartete er vergeblich.
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Später entschuldigte sich Günther-Wünsch im Berliner Abgeordnetenhaus dafür, „falsche Aussagen“ darüber gemacht zu haben, wann ihr das Schreiben von Inácio-Stechs Anwalt zu dem ganzen Vorgang vorgelegen habe. Die CDU-Politikerin hatte anfangs behauptet, dieses Schreiben erst im Mai dieses Jahres erhalten zu haben. Tatsächlich lag es bereits am 4. Dezember vor.
Eine Entschuldigung bei dem betroffenen Lehrer gab Günther-Wünsch jedoch nicht ab, sie bot ihm allerdings ein persönliches Gespräch an. Dieses lehnte Inácio-Stech, der nach den Vorkommnissen unter Panikattacken leidet und krankgeschrieben ist, jedoch ab.







