Hintergrund

Der Konflikt an der Rütli-Schule und seine Folgen

Im März 2006 sorgte der Brandbrief der Lehrer der Rütli-Schule in Neukölln bundesweit für Aufsehen. Seitdem hat sich einiges bewegt, nicht nur an dieser Schule. Die Lehrer der Rütli-Schule haben in Berlin die Debatte um die Zukunft der Hauptschule in Gang gebracht.

In ihrem Brief forderten sie langfristig die Auflösung der Schulform, in der sich die Problemfälle häufen. Während der Senat damals eine Strukturdebatte noch ablehnte, gilt die Abschaffung der Hauptschule in der Koalition heute als unumstritten. Die Lehrer der Rütli-Schule forderten kurzfristig mehr Personal und Sozialarbeiter. Hoher Krankenstand und Unterrichtsausfall prägten damals den Alltag der Neuköllner Schule. Die Position der stellvertretenden Schulleiterin wurde über ein Jahr lang nicht besetzt, die Schulleiterin selbst war langfristig erkrankt.

Nach dem Brief ging plötzlich ganz schnell, was vorher unerreichbar schien. Die Schule erhielt eine dreiprozentige Vertretungsreserve. Ein Schulleiter wurde eingesetzt. Lehrer, die sich den Problemen nicht gewachsen fühlten, wurden an andere Schulen versetzt. Die Schule erhielt zwei Sozialarbeiter, einen türkischsprachigen und einen arabischsprachigen. Im gleichen Zuge erhielten alle Hauptschulen einen Sozialarbeiter.

Im Herbst 2008 wurde dann auch der Wunsch nach Auflösung der Hauptschule Wirklichkeit. Die Rütli-Schule wurde gemeinsam mit der benachbarten Realschule und der Franz-Schubert-Grundschule zur Gemeinschaftsschule. Real- und Hauptschüler, die früher mit Absicht getrennte Pausenzeiten hatten, sitzen jetzt in einer Klasse.

In den nächsten Wochen soll der städtebauliche Wettbewerb für den Campus Rütli gestartet werden. Auf dem Gelände soll ein bundesweit einzigartiges Projekt der Integration gestartet werden. Viel Geld wird in das Projekt gesteckt. Hier soll sich zeigen, ob es gelingt, mit massiven Investitionen gekippte Brennpunktkieze wieder zu stabilisieren. Der Campus Rütli ist mehr als die Gemeinschaftsschule. Die Familien sollen hier auf 41 000 Quadratmetern mit ihren Kindern vom Säuglingsalter bis zur Ausbildung betreut werden. Kitas, Volkshochschule, Musikschule, Gesundheitsdienst, Jugendclub, Elterncafé, Werkstätten und eine neue Grundschule gehören dazu. Das erste Bauprojekt ist eine zentrale Veranstaltungshalle.