Der Fall des Lehrers Oziel Inácio-Stech, der nach eigenen Angaben an der Moabiter Carl-Bolle-Grundschule homophob gemobbt worden sein soll, schlägt weiterhin hohe Wellen. Auf Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD beschäftigte sich am Donnerstag auch der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Ausschuss für Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung mit dem Thema „Stand und Perspektiven der Queeren Bildung – Herausforderung der Zukunft.“

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Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) betonte, dass die Förderung queerer Bildung „zentral als Querschnittsaufgabe wahrgenommen wird“. Die Akzeptanz von Vielfalt und der Schutz vor Diskriminierung, unter anderem auch in Bezug auf geschlechtliche und sexuelle Identität sei im Schulgesetz als Bildungsziel festgeschrieben. „Das ist ein Signal für eine queerfreundliche Bildungsarbeit“, so Günther-Wünsch. Es sei verpflichtend, dass es Kontaktpersonen für sexuelle Vielfalt an Schulen gibt. „Hier haben wir auch eine Deckungsquote von 95 Prozent“, so Günther-Wünsch weiter. Auch das Thema der Fortbildung nehme einen großen Raum ein. Im laufenden und im vergangenen Schuljahr habe man 170 Fortbildungen zu dem Thema bereitgestellt, rund 4000 Lehrkräfte hätten sich dafür angemeldet.

82 Prozent der queeren Jugendlichen erfahren Diskriminierung

Dass Queerfeindlichkeit dennoch an etlichen Berliner Schulen zum Alltag gehört, machte Kerstin Florkiw, Referentin bei Queerformat, der Fachstelle für queere Bildung des Landes Berlin, im Rahmen der Anhörung im Ausschuss deutlich. „82 Prozent der queeren Jugendlichen erfahren an Schulen Diskriminierung, sie leiden häufiger unter Ängsten, Depressionen und Suizidgedanken“, so Florkiw, „52 Prozent verstecken ihre Identität in der Schule.“ Auch bei den Lehrkräften sind die Zahlen alarmierend. Laut Florkiw geben auch 55 Prozent der Lehrkräfte an, in der Schule nicht offen zu sein. „Queerfeindlichkeit hat in Berlin 2024 einen neuen Höchststand erreicht“, so Florkiw.

Trotzdem wurden im Haushaltsjahr 2025 queeren Projekten 780.000 Euro gestrichen. Auch Queerformat wurde ein Drittel der Förderung gekürzt – mit fatalen Auswirkungen. „Momentan werden von uns ein Drittel weniger Fortbildungen angeboten“, sagte Florkiw. Dadurch erreiche man pro Jahr jetzt nur noch 500 Fachkräfte statt 1500 Fachkräfte. Auch Materialien für den Unterricht können nicht mehr neu produziert werden. Groß sei auch der Einschnitt im frühkindlichen Bereich: „Hier kann durch die Kürzungen nicht einmal mehr ein vermindertes Fortbildungsangebot aufrechterhalten werden“, so Florkiw.