Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zahlen hören sich erfreulich an – aber sind sie es wirklich? Die Kriminalität im Berliner Nahverkehr ist erstmals seit Jahren gesunken: Die Polizei Berlin registrierte im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 6987 Straftaten, 13,8 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2024 (8105), berichtet Dennis Meischen.

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So weit, so gut. Denn natürlich bedeutet das längst nicht, und das wissen wir alle, dass sich die Fahrgäste nun sicher fühlen könnten. Denn Bahnhöfe bleiben vielfach Angst-Orte. Allein am U-Bahnhof Kottbusser Tor wurden bis 9. September 903 Delikte gezählt (2024 insgesamt 1434; 2023 1156).

Im Top-Ten-Ranking 2025 folgen nach dem Kottbusser Tor:
- U Alexanderplatz (402)
- U Hermannplatz (396)
- S Alexanderplatz (296)
- U Osloer Straße (296)
- U Leopoldplatz (239)
- S Ostkreuz (238)
- U Zoologischer Garten (209)
- S Gesundbrunnen (156)
- S Warschauer Straße (153)
Auch die BVG hatte bereits weniger Straftaten gemeldet: Sie sanken von 7806 auf 6460 Fälle (-17,2 Prozent), während die Polizeistatistik für denselben Zeitraum 6987 Delikte (-13,8 Prozent) ausweist; die Abweichung erklärt sich unter anderem dadurch, dass die Polizei die S-Bahn mitzählt, berichtet Philipp Siebert.
Der Trend ist ermutigend. Doch die Brennpunkte bleiben belastet, und Anstiege bei Sexualdelikten sowie Bedrohungen zeigen Handlungsbedarf. Um tatsächlich wirksam mehr Sicherheit zu schaffen, braucht Berlin einen Maßnahmen-Mix, der nicht übermorgen wieder vom Tisch ist. Die Polizei setzt auf Prävention, verstärkte Streifen und Verbundeinsätze mit BVG, Deutscher Bahn und Bundespolizei. Seit Mitte Juli gilt zudem ein umfassendes Waffenverbot im gesamten Nahverkehr.
Mehr Hintergründe zum Alexanderplatz finden Sie hier
Dazu gehört sicher auch die längere Speicherung von Videoaufnahmen. Die GdP fordert eine Erfassung von 72 Stunden und moderne Videotechnik; im neuen, noch nicht verabschiedeten Polizeigesetz ASOG soll die BVG von 48 auf 72 Stunden erhöhen können. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kann sich sogar 96 Stunden vorstellen. Da braucht es jetzt also nur noch eine beherzte Entscheidung.
Was sonst noch wichtig ist
Proteste gegen Krieg in Gaza: Die Debatte um den Umgang mit Israel und dem Krieg in Gaza beschäftigte am Wochenende viele Menschen. Schon am Sonnabendmittag konnte man überall auf den Straßen Menschen sehen, die die Kufiya um die Schultern trugen oder vorbereitete Protest-Plakate bei sich trugen. Es war also früh zu spüren, dass die angesetzte Demo auf der Straße des 17. Juni groß werden würde. Mindestens 60.000 Menschen waren es am Ende nach Schätzung der Polizei. Dennis Meischen hat den Protestzug beobachtet.

Auch bei der gerade begonnenen Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann ging es am Rande um das Thema. Wird doch befürchtet, dass es bei dem Auftritt des Rappers Chefket ausgerechnet am Jahrestag des Überfalls der Hamas auf Israel zu antisemitischen Äußerungen kommen könnte. Was Böhmermann dazu sagt und ob sich die Ausstellung überhaupt lohnt, hat Felix Müller aufgeschrieben.
Fußgängerprojekte stocken: Wer in Berlin zu Fuß unterwegs ist, hat es nicht immer leicht. Einige der geplanten Projekte, die ausdrücklich Fußgängern mehr Raum schaffen sollten, scheinen nicht zustande zu kommen, berichtet Jessica Hanack. Immerhin aber wird es acht neue Countdown-Ampeln geben – wenn es zu diesen auch durchaus unterschiedliche Meinungen gibt. Die Beleuchtung der Straßenlaternen wird dagegen teurer. Schon in diesem Jahr werden drei Millionen Euro zusätzlich fällig. Jessica Hanack kennt die Hintergründe.
Der Größte war ein Zwerg: Der wunderbare Sonnenschein am Wochenende war wohl für die Allermeisten von uns das wichtigste Thema am Wochenende. Viele nutzten den Samstag, um am Drachenfest auf dem Tempelhofer Feld teilzunehmen, von dem Iris May und Reto Klar viele tolle Bilder mitgebracht haben.
Party in Tegel: Andere genossen das Fest am Tegeler Hafen, das seit Donnerstag Zehntausende Menschen anzog. In einer großen Bildergalerie hat unser Kollege Leonhard Laurig die besten Bilder des Wochenendes zusammengestellt. Unsere E-Paper-Kunden finden sie außerdem heute in einem E-Paper-Extra.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!
Ihre Heike Dietrich
Leitende Redakteurin
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