Seit 2012 zieht es zahlreiche Berliner Familien einmal im Jahr zum Festival der Riesendrachen aufs Tempelhofer Feld, dieses Jahr laut Veranstalter mehr als 100.000 Menschen. Mit der zwölften Ausgabe ist die Millionengrenze überschritten worden: Zwischen 2012 und 2025 waren über eine Millionen Menschen beim Festival der Riesendrachen. Mit dabei waren 2025 der Kinderzirkus Cabuwazi, sowie mehrere Tanzschulen und Sportvereine.
Der 30 Meter lange, größte Drachen war ironischerweise ein Gartenzwerg: Er besteht aus 1.800 Quadratmeter Tuch und wiegt auf dem Boden in zwei Säcken verpackt 60 Kilogramm. 87 Drachen-Piloten aus vier Ländern ließen am Sonnabend ihre selbst genähten Riesendrachen über dem Feld steigen: Aus Thailand, Italien, Irland und ganz Deutschland kamen sie angereist. „Jeder hatte 15 bis 20 Drachen dabei“, so der Koordinator der Drachenpiloten, Uwe Schwertmann. Am wolkenlosen Himmel kamen da insgesamt fast 2000 Drachen zusammen. Der längste von ihnen maß 30 Meter und hieß ausgerechnet „Zwerg“.
Riesendrachen über dem Tempelhofer Feld – die schönsten Bilder
2025 gab es ein paar Neuerungen: Aus Sicherheitsgründen wurden U- und S-Bahnhof Tempelhof gesperrt, weil die Ausgänge derzeit auf 2,60 Meter Breite halbiert sind, Besucher müssen sich damit andere Wege suchen. Eine weitere Neuheit ist die Lichtershow: Das Festival fand 2025 erstmals am vierten Septemberwochenende, also etwas später, statt. Weil es dadurch früher dunkel wurde, gab es zum Abschluss ab circa 19 Uhr erstmals eine Drachen-Show mit LED-Lichtern und anschließend ein Feuerwerk. Dabei wurden auch einzelne Gruppen-Formationen zu Musik fliegen
Kunstwerke aus Luft und Kunstfaser

Drachenfliegen lassen sei keine Wissenschaft, sondern eher eine Gefühlssache, sagte Uwe Schwertmann der Morgenpost. Die meisten Piloten nähten ihre Drachen aus Kunstseide selbst. Man müsse darauf achten, dass der Wind an der richtigen Stelle in den Drachenkörper hineingelange. Diesen Samstag herrschte ausnahmslos Ostwind. Bei den ganz großen Drachen, beispielsweise einem Gespenst mit dem Namen „Casper“, sorgten Minidrachen, sogenannte „Lifter“, dafür, dass er oben blieb. Damit sich die Fäden nicht ineinander verhaken, müssen alle Drachen parallel fliegen und in die gleiche Richtung gucken. Eine große Revolution seien die kleinen Vier-Leiner-Drachen gewesen, die vor 20 Jahren auf den Markt kamen. Hier gibt es seit JAhren Gruppen, die virtuose Formationen fliegen, ohne sich zu verheddern.
Frank Hadamczik, Sprecher der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“, die etwa 53.000 Wohnungen in Berlin bereitstellt, entwickelte mit einer Agentur die Idee zum Drachen-Festival schon im Jahr 2011: „Wir haben ganz viele kleine Mieter-Feste gehabt und da haben wir gedacht, warum nicht ein großes Festival? Zuerst wollten wir das Fest in Hellersdorf machen, weil wir da die meisten Bestände haben, aber dann kam uns das Tempelhofer Feld in den Sinn.“ Die Kosten des Spektakels sind geheim. 2012 ging es los, wegen Corona musste das Drachenfestival zweimal aussetzen.
Jüngste Drachen-Pilotin erst 9 Jahre alt

Drachenfliegen ist eine Leidenschaft, die Menschen jeden Alters und aus den verschiedensten Berufssparten erfassen kann. „Mit den Drachen-Piloten, die heute hier sind, könnte man ein ganzes Haus bauen“, sagt Koordinator Schwertmann. „Es sind Architekten, Elektriker, Notare. Das ist das Schöne, dass alle Berufsarten vertreten sind.“ Die jüngste Drachen-Pilotin beim Festival, Rieke Emsmann, war erst neun Jahre alt.
Festival der Riesendrachen mit Musik, Lichtshow und Food-Angebot, Tempelhofer Feld (Eingang Tempelhofer Damm/Paradestraße), 11 bis 20 Uhr, Eintritt frei.



















