Die Berliner Feuerwehr musste im vergangenen Jahr wieder mehr Einsätze bewältigen. Insgesamt 532.157 Mal wurde die Kräfte 2024 alarmiert. Das sind nicht nur 17.291 Einsätze oder 3,4 Prozent mehr als noch 2023 (514.886), sondern auch mehr als je zuvor in der Geschichte der Feuerwehr. Bisher lag der Rekord bei 528.895 im Jahr 2022. Das geht aus dem Jahresbericht der Behörde hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach von einem „historischen Höchststand“. 2024 musste die Feuerwehr im Schnitt all 62 Sekunden ausrücken.

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Während die Zahl der Einsätze stieg, ging die der Notrufe zurück. So nahm die Leitstelle der Feuerwehr 2023 noch 1.215.052 Anrufe unter der Nummer 112 entgegen, 2024 nur 1.146.076 und damit 68.976 oder 5,7 Prozent weniger. Eine wirkliche Entlastung bedeutet das jedoch nicht. So ging 2023 noch alle 26 Sekunden ein Notruf ein, 2024 alle 28 Sekunden. Den Rückgang führte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen auch auf mehrere Kampagnen der Feuerwehr zurück, um die Menschen zu sensibilisieren, sich bei kleinen medizinischen Problemen anderweitig Hilfe zu suchen.

Rund 90 Prozent der Einsätze waren medizinische Notfälle

Trotz des Namens ist es nicht das Feuer, dass die Feuerwehr am stärksten beschäftigt. Von den mehr als eine halbe Million Einsätzen waren gerade einmal 9732 Brandbekämpfungen – immerhin 148 mehr, als noch 2023. Der Großteil entfiel auf die sogenannte „medizinische Gefahrenabwehr“. Hier stieg die Zahl der Einsätze um 20.764 auf 486.213 Einsätzen. Der mit Abstand größte Teil davon waren Notfallrettungen (440.336), die übrigen Transporte oder Fehlalarme.

Jahresbericht der Feuerwehr 2024
Innensenatorin Iris Spranger und Landesbranddirektor Karsten Homrighausen stellten den Jahresbericht am Mittwoch vor. 2024 führte die Berliner Feuerwehr auch neue Dienstkleidung ein.© Marion van der Kraats/dpa-Zentralbild/dpa | Marion van der Kraats

Die Berliner Feuerwehr, die im kommenden Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiert, befindet sich laut ihres Chefs weiterhin in einer „hohen Belastungssituation“. Man sei für rund 3,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, täglich 400.000 Pendler und rund 12,7 Millionen Touristinnen und Touristen da gewesen. Auf die Einwohnendenzahl heruntergerechnet, sticht Berlin im Vergleich zu anderen deutschen Städten allerdings nicht heraus.

Kritik kam von Seiten der Beschäftigtenvertretung. „Wir fahren seit Jahren auf Verschleiß und bekommen die Lagen ehrlich gesagt nur noch über die Bühne, weil wir auf unsere eigene Gesundheit pfeifen und teilweise mehrere Posten zeitgleich besetzen“, mahnte Hauptbrandmeister Mario Busch vom Vorstand der Berliner Gewerkschaft der Polizei.

Fast 50.000 zusätzliche Arbeitsstunden durch Fußball-EM

Vor allem die Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli forderte die Feuerwehr. Laut Bericht wurden EM-bedingt rund 37.000 zusätzliche Arbeitsstunden in Präsenz und weitere 10.000 in Rufbereitschaft abgeleistet. Der längste Einsatz dauerte sieben Tage, zwei Stunden und 22 Minuten. Am 3. Mai brach ein Feuer bei der Metallverarbeitungsfirma Diehl in Lichterfelde aus. Da diese auch Flugabwehrsysteme für die Ukraine herstellt und mindestens eine unbefugte Person vorher auf dem Gelände gesehen wurde, lag schnell ein Sabotageakt im Auftrag Russlands nahe.

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Die Flammen breiteten sich schnell raus, eine der Verarbeitungshallen stürzte teilweise ein. Zwar konnte die Feuerwehr den Brand schnell unter Kontrolle bringen, sie war jedoch tagelang mit dem Nachlöschen kleinerer Glutnester beschäftigt. Erst am 10. Mai konnte der Brandort wieder dem Eigentümer übergeben werden. Über die gesamte Zeit waren laut Bericht 599 Einsatzkräfte im Einsatz.

Zahl der Attacken auf Rettungskräfte zurückgegangen

Rettungskräfte geraten immer wieder in den Fokus von Gewalttätern. 2024 registrierte die Behörde 121 Attacken auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 93 mit gefährlichen Gegenständen oder Feuerwerkskörpern. 2023 gab es noch 138 Attacken auf Rettungskräfte. Den Rückgang wertete Homrighausen als Ergebnis der Präventionsarbeit der Feuerwehr. Dennoch würde die Gewalt vor allem potenzielle ehrenamtliche Kräfte abschrecken.

Feuer in Berlin-Schöneberg
Einsatz auch bei fast 40 Grad Celsius: Am heißesten Tag des Jahres musste die Feuerwehr am Mittwoch in Schöneberg anrücken, um ein brennendes Wohnhaus zu löschen.© Sven Kaeuler/dpa | Sven Kaeuler

Und auf die ist die Berliner Feuerwehr angewiesen. Insgesamt gehörten im vergangenen Jahr 8652 Personen der Berliner Feuerwehr an – davon 4783 hauptamtliche und 2967 ehrenamtliche, die in den Freiwilligen- und den Jugendfeuerwehren engagiert sind. Laut Bericht sind das 229 Ehrenamtler mehr als noch 2023. Daneben gab es 902 Anwärterinnen und Anwärter in Ausbildung – 31 mehr als 2023.

Innensenatorin will privates Silvesterfeuerwerk stärker regulieren

Berlins Innensenatorin Spranger nutzte die Vorstellung, um noch einmal für eine strengere Regulierung des privaten Silvesterfeuerwerks zu werben. Das Land Berlin müsse die Möglichkeit erhalten, den Umgang selbst zu regeln, so die SPD-Politikerin. „Meine Position ist unverändert, dass die Länder eigene Möglichkeiten zu Pyroerlaubniszonen erhalten müssen.“

Bislang gebe es im bundesweit einheitlich geltenden Sprengstoffrecht nur die Möglichkeit, Pyrotechnik in bestimmten Gebieten zu verbieten, wobei die rechtlichen Hürden dafür hoch sind. Zuletzt waren Berlin und Bremen mit einem entsprechenden Vorstoß in der Innenministerkonferenz gescheitert.