Alle 26 Sekunden ging ein Notruf in der Leitstelle der Berliner Feuerwehr ein. Alle 61 Sekunden wurde die Berliner Feuerwehr im Jahr 2023 zu einem Einsatz gerufen. 514.866 Einsatzalarmierungen gab es 2023. Insgesamt nahm die Leitstelle 1.215.052 Notrufe entgegen. Rund 1350 Alarmierungen eines Rettungswagens gab es pro Tag und durchschnittlich mehr als zwei gemeldete Brände pro Stunde.
Die Arbeit am Telefon sei Schwerstarbeit, sagt Landesbranddirektor Karsten Homringhausen. „Es ist mehr als nur Notrufe entgegennehmen oder Protokolle ausfüllen.“ Da würde durchaus auch manchmal telefonisch bei einer Reanimation geholfen. Dass die Feuerwehrleute draußen Schwerstarbeit leisten, ist ohnehin klar. Zudem kommen auch steigende Bedrohungen dazu: 148 Übergriffe gegen Einsatzkräfte gab es im vergangenen Jahr. „Jeder Angriff auf Rettungskräfte ist einer zu viel und gleichzeitig auch ein Angriff auf die eigene Sicherheit“, verurteilt Homringhausen die Angriffe auf seine Kollegen.
Die Feuerwehr kostet Berlin rund eine Million Euro pro Tag – das sind rund 25 Cent für jeden
Gemeinsam mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat der Landesbranddirektor am Freitag in der Feuer- und Lehrrettungswache in Mitte die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten der Berliner Feuerwehr aus dem Jahr 2023 vorgestellt. 363 Millionen Euro Kosten verzeichnet diese pro Jahr, grob gerundet also eineMillion Euro pro Tag und bei bald vier Millionen Einwohnern in der Stadt etwa 25 Cent pro Berliner und Tag.

Auch 2023 lag der Einsatzschwerpunkt in der medizinischen Gefahrenabwehr. Insgesamt wurden hier 465.449 Einsätze aufgenommen (-zwei Prozent). 49.417 Einsätze verzeichnete die Berliner Feuerwehr im Jahr 2023 in der technischen Gefahrenabwehr. Im Vergleich zum Vorjahr sind hier die Zahlen insgesamt um rund 8,9 Prozent gefallen.
Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Hilfsfristen in allen Bereichen verbessert werden. Von durchschnittlich 11,14 Minuten verbesserte sich die Zeit hier auf 10,88 Minuten. Im Bereich der Brandbekämpfung lag die durchschnittliche Eintreffzeit der ersten Kräfte bei 9,80 Minuten, was gegenüber dem Vorjahr (9,86 Minuten) auch eine ganz leichte Verbesserung ergab. „Bei den technischen Hilfeleistungen konnten wir uns von 9,87 Minuten im Jahr 2022 auf 9,58 Minuten verbessern“, hieß es weiter.
Die Rettungsdienstabweichungsverordnung zeigt positive Wirkung
Starken Einfluss hatte das Inkrafttreten der Rettungsdienstabweichverordnung am 27. April vergangenen Jahres. Trotz gleichbleibender Personalstärke konnte der Ausfall von Rettungs-Transport-Wagen (RTW) deutlich gesenkt werden. Denn seit vergangenem April gilt, dass bei zehn Prozent oder mehr Personalausfall auch die geringer qualifizierten Rettungssanitäter in Zweierteams weniger akute Einsätze übernehmen können.
Die Folge: Im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2022 sind durchschnittlich 9,1 Rettungswagen pro Tag ausgefallen, 2023 waren es nur noch 2,3 Wagen am Tag. „Das bedeutet keine Absenkung der Qualität, sondern eine bedarfsorientierte Optimierung. Nicht jeder braucht eine Reanimation“, so Karsten Homringhausen. Aber die Hilfsfrist bei den besonders zeitkritischen Reanimationen sank so zum Beispiel von durchschnittlich 8,8 auf 8,54 Minuten. Iris Spranger kündigte an, eine „große Reform“ des Rettungsdienstgesetzes (RDG) noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen. Damit soll besonders der Rettungsdienst entlastet werden. Der Senat arbeite „mit Hochdruck“ an der Novellierung des Gesetzes. Der entsprechende Entwurf liege bereits bei der Feuerwehr und werde demnächst im Abgeordnetenhaus behandelt.

Die Feuerwehr hat Nachwuchssorgen und noch etwas anderes plagt sie
Eines der größten Probleme der Feuerwehr: Der „deutlich hohe Personalbedarf“ kombiniert mit Nachwuchssorgen. Zwar hatte die Berliner Feuerwehr im Jahr 2023 immerhin 871 Auszubildende beschäftigt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich damit die Zahl der Auszubildenden nahezu vervierfacht. „Diese Menschen sind zwar im System, aber noch nicht auf den Wachen angekommen“, sagt Homringhausen. Es würden noch immer Mitarbeiter gesucht. „Wenn sich jemand meldet, gucken wir, wie wir ihn qualifiziert bekommen.“
Innensenatorin Spranger sieht auch die Mietsituation in Berlin als großes Hindernis bei der Besetzung der Stellen, „weil sie hier keine Wohnung finden“. Sie sieht die Notwendigkeit der Einrichtung von „Werkswohnungen“ für Feuerwehr-Mitarbeiter. Sorge macht auch der Diebstahl von schwerem Gerät aus Feuerwachen. Spranger wollte aus Sicherheitsgründen nicht zu sehr ins Detail gehen, zeigte sich aber überzeugt, dass schon in diesem Jahr durch Einsatz von 750.000 Euro für Maßnahmen bis Mitte des Jahres eine erhebliche Verbesserung der Sicherheit erreicht werde.


