Mitten im historischen Herzen Berlins erhebt sich das rekonstruierte Stadtschloss – doch hinter den barocken Fassaden steckt eines der spannendsten Kulturprojekte Europas: das Humboldt Forum. Hier begegnen sich Weltgeschichte, Wissenschaft, und Stadtleben. Dauer- und Wechselausstellungen, interaktive Formate und eine hübsche Dachterrasse machen das Haus zu einem vielseitigen Ausflugsziel – für Kulturinteressierte ebenso wie für Familien mit Kindern. Wer Berlin neu entdecken will, beginnt genau hier.

Humboldt Forum und Stadtschloss: Die wichtigsten Infos im Überblick

OrtHumboldt Forum im Stadtschloss
AdresseSchloßplatz 1, 10178 Berlin
AnreiseMuseumsinsel U5
ÖffnungszeitenMi. bis Mo. 10.30-18.30 Uhr. Di. geschlossen
TicketsBerlin Global: 7 Euro, Ethnologisches Museum: frei
Die Berlin-Besucher Felix, Pia, Laura und Moritz (v.l.) machen ein Selfie vor dem Humboldt Forum.
Die Berlin-Besucher Felix, Pia, Laura und Moritz (v.l.) machen ein Selfie vor dem Humboldt Forum.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Stadtschloss und Humboldt Forum: Seine Geschichte im Steckbrief

  • 1443-1713: Das erste Berliner Schloss wird ab 1443 als Residenz der Hohenzollern errichtet. Es wächst über Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten Barockschlösser Europas – bis zur Kaiserzeit Sitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser.
  • 1950: Nach schweren Kriegsschäden wird das Stadtschloss von der DDR-Regierung gesprengt. An seiner Stelle entsteht der Palast der Republik, ein Symbolbau der DDR, der später wegen Asbestbelastung abgerissen wird.
  • 2002-2013: Der Deutsche Bundestag beschließt den Wiederaufbau der Schlossfassaden mit modernem Innenleben. Nach langem Vorlauf beginnen 2013 die Bauarbeiten für das neue Humboldt Forum, das äußerlich dem Barockschloss nachempfunden ist.
  • 2020-2022: Das Humboldt Forum wird schrittweise eröffnet. Es beherbergt u. a. das Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst, Ausstellungen zur Stadtgeschichte
Am 7. September 1950 wird die Kriegsruine des Berliner Stadtschlosses gesprengt.
Am 7. September 1950 wird die Kriegsruine des Berliner Stadtschlosses gesprengt.© epd | akg-images GmbH

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Was kann man im Humboldt Forum besichtigen?

Ethnologisches Museum & Museum für Asiatische Kunst: Diese Museen zeigen rund 20.000 Exponate auf 16.000 Quadratmetern, darunter Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Besondere Highlights sind ein traditionelles Luf-Boot aus Papua-Neuguinea und ein japanisches Teehaus

Touristen am Humboldt Forum.
Touristen am Humboldt Forum.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Berlin Global: Eine interaktive Ausstellung, die die globalen Verflechtungen Berlins thematisiert. Besucher können mit einem Armband durch verschiedene Themenbereiche navigieren, die sich mit Revolution, Mode, Glaube und mehr befassen

Schlosskeller: Im Untergeschoss sind Reste der historischen Schlossmauern erhalten, die einen Einblick in die Geschichte des Ortes geben

Zu den weiteren Highlights gehören thematisch breit gefächerte Sonderausstellungen, das Humboldt-Labor und die Dachterrasse mit Panoramablick.

Blick auf das Eingangsportal 4 des Humboldt Forums.
Blick auf das Eingangsportal 4 des Humboldt Forums.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Warum ist das Humboldt Forum umstritten?

Die kolonialen Sammlungen: Ein Hauptkritikpunkt richtet sich gegen die ethnologischen Sammlungen im Humboldt Forum, die unter anderem Objekte aus Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika zeigen – viele davon stammen aus kolonialen Kontexten. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, dass die Provenienzen (Herkünfte) zahlreicher Stücke unklar oder problematisch sind. Der Vorwurf: Raubkunst werde präsentiert, ohne ausreichende Aufarbeitung oder Rückgabeprozesse. Das Forum steht damit stellvertretend für die größere Debatte um koloniales Erbe in deutschen Museen.

Das Humboldt Forum vom Fernsehturm aus gesehen.
Das Humboldt Forum vom Fernsehturm aus gesehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Der Wiederaufbau des Stadtschlosses: Der barocke Schlossbau wurde mit Millionen aus öffentlichen und privaten Mitteln rekonstruiert. Kritiker bemängeln die Rückbesinnung auf monarchische Architektur und sehen darin ein symbolisches Signal, das die DDR-Geschichte (u. a. den Palast der Republik) verdränge. Auch die Mischung aus historisierender Fassade und modernem Innenleben polarisiert.

Religiöse Symbolik und Machtinszenierung: Besonders umstritten war der rekonstruierte Schlosskuppel-Kreuzspruch: „Es ist in keinem andern Heil [...] als in dem Namen Jesu“. Die Inschrift stammt aus der Kaiserzeit und wurde ebenfalls originalgetreu angebracht. Viele sehen darin ein problematisches christliches Machtzeichen auf einem öffentlichen Gebäude mit globalem Kulturanspruch – zumal das Humboldt Forum explizit für religiöse und kulturelle Vielfalt stehen soll.

Postkarte mit Originaltext "Koenigl. Schloss und Denkmal Kaiser Wilhelms des Grossen" (Berliner Stadtschloss), wahrscheinlich herausgegeben zwischen 1900 und 1920.
Postkarte mit Originaltext "Koenigl. Schloss und Denkmal Kaiser Wilhelms des Grossen" (Berliner Stadtschloss), wahrscheinlich herausgegeben zwischen 1900 und 1920. © epd | akg-images / Historisches Auge

Fun Facts zum Berliner Stadtschloss

  1. Drei Barockfassaden, eine moderne Rückseite: Das Humboldt Forum sieht aus wie das alte Stadtschloss – aber nur auf den ersten Blick. Die barocken Fassaden wurden originalgetreu rekonstruiert, doch die Ostseite zur Spree blieb bewusst modern: Glas, Sichtbeton und klare Linien setzen ein architektonisches Statement über Vergangenheit und Gegenwart.
  2. Der berühmte „Schloss-Schatten“ bleibt erhalten: Während der DDR-Zeit wurde der Grundriss des alten Schlosses mit dunklem Pflaster auf dem Marx-Engels-Forum nachgezeichnet – als Erinnerung an den gesprengten Bau. Trotz Wiederaufbau bleibt dieser Schattenriss bis heute erhalten und sichtbar: eine kuriose Koexistenz von Erinnerung und Rekonstruktion.
  3. Nicht Humboldt hieß es zuerst, sondern Forum Berlin: Der Name „Humboldt Forum“ wurde erst 2002 beschlossen – als Hommage an Alexander und Wilhelm von Humboldt, die für Wissenschaft, Aufklärung und Weltoffenheit stehen. Ursprünglich war schlicht von einem „Forum Berlin“ die Rede. Der neue Name brachte jedoch mehr Profil – und passt zur global ausgerichteten Sammlung.

Stadtschloss und Humboldt Forum als Ausflugsziel

Der Eintritt in viele Ausstellungen ist kostenlos, es gibt keine Einlasskontrollen, und die zentrale Lage macht die Anreise mit U-Bahn, Bus oder Fahrrad einfach. Besonders beliebt bei Besuchergruppen und Familien.

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Wer mit Kindern kommt, kann auf eine Reihe familienfreundlicher Angebote zurückgreifen: Workshops, Klangräume, Mitmachstationen und spezielle Führungen, die altersgerecht durch die Ausstellungen führen. Die Atmosphäre im Haus ist offen und einladend, es gibt Wickeltische, barrierefreie Wege und ausreichend Sitzgelegenheiten. Im Schlosskeller sind noch die historischen Mauern des alten Hohenzollern-Schlosses zu sehen – ein lohnenswerter Abstecher für alle, die sich für Stadtgeschichte interessieren. Auch spontane Besuche sind unkompliziert möglich, viele Informationen vor Ort sind mehrsprachig und gut aufbereitet.

Für Pausen oder eine kleine Stärkung bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Im Erdgeschoss befindet sich das „Baret“ – ein Café mit Terrasse, das leichte Küche, Kuchen und warme Gerichte serviert. Auch ein Besuch der Dachterrasse lohnt sich: Sie ist kostenfrei zugänglich und bietet einen der besten Panoramablicke über Berlin-Mitte – inklusive Museumsinsel, Berliner Dom und Fernsehturm.

Übrigens: Das Stadtschloss eignet sich natürlich bestens als prachtvolle Kulisse – vor allem für den Weihnachtsmarkt, der im Advent Tausende anlockt. Oder als Ort für faszinierende Lichtkunst beim Festival of Lights im Oktober.

bee