Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 103 Jahren, wie die Margot Friedländer Stiftung mitteilte. Friedländer war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA ausgewandert. 2010 kehrte sie nach Jahrzehnten im Exil nach Deutschland zurück.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Berlin engagierte sich Friedländer für „unermüdlich für Versöhnung und Erinnerung“, wie es in einer Mitteilung der Stiftung heißt. Besonders die junge Generation lag ihr am Herzen. Immer hatte Friedländer die Verteidigung der Demokratie angemahnt, zuletzt am 7. Mai 2025, im Berliner Rathaus: „Für Euch. Seid Menschen. Das ist es, was ich Euch bitte zu tun: Seid Menschen!“
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Bundespräsident Steinmeier: „Sie hat Versöhnung geschenkt“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Verdienste der Holocaust-Überlebenden für Versöhnung und ihren Einsatz gegen Menschenfeindlichkeit. „Sie hat unserem Land Versöhnung geschenkt – trotz allem, was die Deutschen ihr als jungem Menschen angetan hatten. Für dieses Geschenk können wir nicht dankbar genug sein“, erklärte Steinmeier zum Tod der 103-Jährigen. Ihr Tod erfülle ihn mit tiefer Trauer.
„Margot Friedländers Vermächtnis ist uns Mahnung und Verpflichtung, gerade in einer Zeit, in der die Demokratie angefochten wird und sich Antisemitismus wieder unverhohlen zeigt, bleibt es unsere Verantwortung, die jüdische Gemeinschaft in unserem Land nie wieder im Stich zu lassen“, sagte der Bundespräsident.
Er hob hervor, dass Friedländer besonders junge Menschen am Herzen gelegen hätten. „Ihnen erzählte sie, was sie selbst als junge Frau erlebt hatte, sie erzählte von den ungeheuerlichen Verbrechen, die die Nationalsozialisten verübt hatten.“

Bundeskanzler Merz: „Eine der stärksten Stimmen unserer Zeit“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die verstorbene Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer als „eine der stärksten Stimmen unserer Zeit“ bezeichnet.
Sie sei damit für ein friedliches Miteinander, gegen Antisemitismus und Vergessen eingetreten, erklärte der CDU-Politiker auf der Plattform X. „Sie hat uns ihre Geschichte anvertraut. Es ist unsere Aufgabe und unsere Pflicht, sie weiterzutragen. Wir trauern mit ihrer Familie und Freunden."
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Berlins Regierender würdigt Friedländer
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hob die Erinnerungsarbeit der Verstorbenen hervor: Der Einsatz gegen das Vergessen, das Engagement in Schulen oder Universitäten und die Gespräche Friedländers mit Jugendlichen blieben unvergessen, erklärte Wegner auf der Plattform X. „Wir werden Margot Friedländer nie vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“ Friedländer habe die Menschen gemahnt, nicht zu vergessen. „Sie zeigte uns, was Menschlichkeit bedeutet.“
Berlin trauert um unsere Ehrenbürgerin Margot Friedländer. Margot Friedländer ist heute im Alter von 103 Jahren verstorben, noch am Mittwoch las sie bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs aus ihren Erinnerungen - 1/5
— Kai Wegner (@kaiwegner) 9. Mai 2025
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Verdienste der verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. „Wir können gar nicht dankbar genug sein, dass Margot Friedländer die Kraft fand, von ihrer Leidens- und Lebensgeschichte zu erzählen. Damit legte sie Zeugnis ab“, erklärte Merkel gegenüber „Bild“.
Friedländer habe das getan, weil sie überzeugt gewesen sei, „dass es von überragender Bedeutung war und ist, gerade junge Menschen dafür zu gewinnen, sich entschieden gegen Ausgrenzung, Abwertung, Rassismus, Antisemitismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu wenden“. Kein Satz könne dieses Vermächtnis eindrucksvoller vermitteln als Margot Friedländers Mahnung: „Seid Menschen“.
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Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zeigte sich vom Tod der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer „tief erschüttert“. Der SPD-Politiker dankte ihr für „großes Wirken für Demokratie, Freiheit und vor allem Mitmenschlichkeit, für ihre Augen und Herzen öffnenden Gespräche mit Jugendlichen“. Über seine Treffen mit Friedländer sagte Woidke: „Es waren besondere und prägende Begegnungen mit einer herausragenden, beeindruckenden Persönlichkeit.“ Er verneige sich „in großer Demut“ vor ihr.
Die frühere Regierende Berliner Bürgermeistern Franziska Giffey (SPD) sagte, sie blicke „in tiefer Trauer und Dankbarkeit“ auf die Lebensleistung der verstorbenen Margot Friedländer. „Bis zuletzt hat die Holocaust-Überlebende uns gemahnt, dass sich solch ein schreckliches Unrecht, dass sich diese Verbrechen nie mehr wiederholen dürfen“, erklärte die Wirtschaftssenatorin in Berlin. „Ihre Stimme, ihre eindringlichen Appelle an die Menschlichkeit werden schmerzhaft fehlen.“
„Deutschland verliert eine bedeutende Stimme der Zeitgeschichte“
Bekannt wurde ihre Geschichte durch einen Dokumentarfilm und ihre Memoiren. Sie bekam für ihren Einsatz viele Preise und viel Anerkennung - bis hin zum Besuch von US-Präsident Joe Biden, bei dem sie im Schloss Bellevue mit dabei war.
Mehrfach erhielt sie hohe Auszeichnungen für ihr Engagement, etwa das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Noch vor wenigen Wochen wurde Friedländer mit dem Sonderpreis des Westfälischen Friedens geehrt.
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„Mit ihrem Tod verliert Deutschland eine bedeutende Stimme der Zeitgeschichte“, teilt die Margot Friedländer Stiftung mit. Unermüdlich habe sie für „Toleranz und Menschlichkeit, sowie gegen Demokratiefeindlichkeit“ und Antisemitismus eingestanden.
Margot Friedländer wurde 1921 in eine jüdische Familie geboren. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Sie selbst konnte dank vieler Helfer zunächst untertauchen, wurde dann aber gefasst und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Sie überlebte, so wie ihr späterer Mann, mit dem sie schließlich nach Amerika ging.

Hass war ihr fremd
Aus Friedländers direkter Familie überlebte niemand außer ihr den Holocaust. Dennoch zog sie mit fast 88, nach dem Tod ihres Mannes, wieder zurück in ihre Heimat, nach Berlin. In das Land der Täter. „Hass ist mir fremd“, sagte sie einmal.
Sie bekam in ihrer alten Heimat viel Anerkennung – eine liebenswerte, rüstige alte Dame, die so eindrucksvoll erzählen konnte. Ein Preis für Schüler-Projekte zum Holocaust und zur heutigen Erinnerungskultur trägt ihren Namen. Im Juni 2018 - mit 96 Jahren - wurde sie Berliner Ehrenbürgerin, zu ihrem 100. Geburtstag erschienen ein Interviewbuch und ein Bildband.
Im Herbst 2023 widmete das ZDF ihr ein Dokudrama - da lag die Pogrom-Nacht von 1938 85 Jahre zurück. Noch im Alter von 102 Jahren war sie zu Gast bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Im April 2025 trat sie als Festrednerin beim Bundespresseball am Brandenburger Tor auf.
Friedländer sprach vor Schülern und bei offiziellen Gedenkfeiern, darunter noch mit 100 Jahren im EU-Parlament in Brüssel. 2011 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Eine ihrer Botschaften war: „Was war, können wir nicht mehr ändern, aber es darf nie wieder geschehen.“
pcl/mit dpa









