Längere Wartezeiten, immer wieder Ausfälle und technische Störungen: Für Fahrgäste der U-Bahn gehört das in Berlin seit Monaten zum Alltag. „Die momentane Leistung der BVG ist in vielen Bereichen nicht zufriedenstellend“, sagte Vorstandschef Henrik Falk am Freitag, als er zusammen mit Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe das Konzept vorlegte, mit dem die aktuelle Krise überwunden werden soll. Falk hatte bereits im Oktober das Ziel ausgegeben, den Betrieb zu stabilisieren und dafür zunächst auf weiteres Wachstum zu verzichten. Daran hält das Unternehmen fest.

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In den kommenden zwei bis drei Jahren soll das Angebot auf dem aktuellen Stand bleiben, dafür die Zuverlässigkeit wieder auf einen Durchschnittswert von 99 Prozent gebracht werden, erklärte Falk. Aktuell bewegt er sich bei der U-Bahn bei um die 95 Prozent. „Das ist nicht das, wo eine U-Bahn stehen muss und will“, so der BVG-Chef. Eigentlich müsse diese das stabilste Verkehrsmittel sein, weil sie nicht vom übrigen Verkehr, Baustellen oder Staus beeinflusst wird. Tatsächlich war ihre Zuverlässigkeit zuletzt aber schlechter als die bei Bus oder Straßenbahn. Das Ziel, 99 Prozent aller im Fahrplan vorgesehenen Fahrten zu erbringen, wird aber auch dort nicht erreicht.

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    BVG will bei Fahrgastinformation besser werden

    Um den Betrieb bei der U-Bahn zu stabilisieren, wird, wie bekannt, dringend auf die neuen Fahrzeuge gewartet. Nun legte der Vorstand einen Zeitplan vor: Die ersten neuen U-Bahn-Züge sollen demnach ab September 2025 mit Fahrgästen unterwegs sein, danach soll es schnell gehen. „Wir werden bis Ende 2025 in Rekordgeschwindigkeit die komplette neue JK-Serie einflotten“, sagte Falk. Diese Züge fahren auf den Linien U1 bis U4, insgesamt geht es etwa 140 Wagen. Ein Großteil der Großprofil-Fahrzeuge, die auf den übrigen Linien unterwegs sind, soll bis Ende 2026 ausgetauscht werden, so Falk. Im ersten Abruf erhält die BVG dabei 236 neue Wagen.

    Ab dem Sommer verspricht die BVG dann auch Verbesserungen für Fahrgäste: Auf der U3 soll mit einem Wagen mehr gefahren werden, sodass sich die Kapazität um 30 Prozent erhöht. Auf den Linien U1 bis U4 soll der Fahrplan ab dem Herbst verdichtet werden, aktuell geltende Änderungen in der Taktung sollen also zurückgenommen werden. Die erste Linie, auf der nur noch neue Züge fahren, soll dann Ende 2025 die U3 sein.

    BVG
    Die BVG will mit neuen U-Bahnen den Betrieb stabilisieren. Ein erster neuer Zug der Baureihe J steht in der Werkstatt Friedrichsfelde.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

    Die BVG will außerdem den Bau neuer Betriebshöfe für E-Busse und die Straßenbahn sowie den Umbau von U-Bahn-Werkstätten stärker vorantreiben. Falk sprach von einer „Aufholjagd“, die die BVG in Sachen Infrastruktur starten müsse. Der BVG-Vorstand hatte schon mehrfach das Problem angesprochen, dass die BVG zwar inzwischen zahlreiche Elektro-Busse habe – und 2025 50 weitere E-Gelenkbusse bekommt –, aber noch keinen neuen E-Betriebshof hat. Bei der U-Bahn werden die erweiterten Werkstätten vor allem dann wichtig, wenn die neuen Züge in die erste Hauptuntersuchung müssen. Das sei Ende der 2020er-Jahre der Fall. Habe man bis dahin nicht die nötigen Kapazitäten, dürften die U-Bahnen nicht mehr eingesetzt werden, erklärte Falk.

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    BVG: Fahrgastinformation künftig mit Echtzeit-Daten

    Als weiteren Schwerpunkt, bei dem die BVG sich verbessern will, nannte Falk die Fahrgastinformation. Diese sei nicht „state of the art“, sagte Falk. In einem ersten Schritt sollen ab sofort kurzfristig ausfallende Fahrten in den Apps angezeigt werden. Darum sollen sich zusätzliche Kollegen in den Leitstellen kümmern, die die Daten ins System einpflegen. Geplant sind außerdem Echtzeit-Ansagen an U-Bahnhöfen in Deutsch und Englisch, die Mitte 2025 kommen sollen und dann über Störungen und Ausfälle informieren. Mittelfristig plant die BVG eine gemeinsame App mit Hamburg.

    Im Bereich des Personals bleibt es die Hauptaufgabe der BVG, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden sowie die Beschäftigten stärker ans Unternehmen zu binden. Im Fahrdienst sollen 2025 800 Beschäftigte hinzukommen, in den Werkstätten 300. Für dieses Jahr wird erwartet, dass die BVG bis Ende Dezember auf rund 2000 neue Beschäftigte kommt. Damit werde der Wert aus dem Vorjahr nochmal übertroffen, sagte Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe. Außerdem werde man an den Arbeitsbedingungen arbeiten. „Dazu gehört auch der Dienstplan“, sagte sie.

    BVG
    Stellen ihren Krisenplan für die BVG vor: Henrik Falk der Vorstandsvorsitzende, und Jenny Zeller-Grothe Vorständin für Personal und Soziales.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

    BVG mit neuer U-Bahn-Leitung und neuer Infrastruktur-Chefin

    Vorstandschef Henrik Falk ist seit November auch kommissarisch für den Betrieb bei der BVG verantwortlich. Der zuvor für den Bereich zuständige Vorstand Rolf Erfurt hat die BVG inzwischen verlassen. Wie es mit der Besetzung dieses dritten Vorstandspostens weitergeht, ist noch offen. Im Frühjahr solle mit dem Aufsichtsrat eine Entscheidung dazu getroffen werden, sagte Falk. Eine einfache Nachbesetzung der Stelle soll es aber nicht geben. „Wir analysieren das Unternehmen aktuell, um dann zu schauen, wie man die BVG personell aufstellen muss. Das fängt beim Vorstand an.“

    Seit November sind weitere Personalentscheidungen im U-Bahn-Bereich gefallen: Die langjährige U-Bahn-Chefin Nicole Grummini ist Ende November ebenfalls gegangen, ihre Nachfolge hat in diesem Monat, zumindest kommissarisch, ein Duo angetreten: Meike Brännström, Geschäftsführerin der BVG-Tochtergesellschaft BT Transport, und Stefan Kärgel, Abteilungsleiter für U-Bahn-Fahrzeuge.

    Im nächsten Jahr bekommt die BVG dann auch eine neue Infrastruktur-Chefin. Amina Karam, die zuletzt bei der Deutschen Bahn unter anderem den S-Bahn-Ausbau zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein leitete, folgt auf Christian Beckmann. Er hatte bereits im Sommer aus familiären Gründen sein Ausscheiden zum Ende des Jahres bekannt gegeben, hieß es von der BVG.

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