Die schlechten Nachrichten für die Berliner Justiz reißen nicht ab. Zum zweiten Mal in einer Woche ist es einem Inhaftierten gelungen, während eines Ausgangs in Begleitung von Justizkräften zu entkommen. Es ist der insgesamt vierte Vorfall dieser Art im laufenden Jahr. Nach Angaben der Senatsjustizverwaltung handelt es sich um einen 40-Jährigen, der im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee in Charlottenburg wegen Diebstahls einsitzt. Der Häftling verbüßt dort eine sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe, die man antritt, wenn man nicht in der Lage ist, eine Geldstrafe zu bezahlen. Zuvor war er zu 150 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden, so eine Justizsprecherin.

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Entkommen ist der Mann am Donnerstagmorgen gegen 9.20 Uhr. Auf dem Weg zu einem begleiteten Arztbesuch gelang es ihm, sich unbemerkt von seiner Gruppe zu entfernen. Wie genau, dazu lagen am Donnerstag keine näheren Informationen vor. Die Polizei suchte noch am Vormittag die Umgebung ab. Auch ein Hubschrauber war dabei im Einsatz. Die Suche im Bereich der JVA wurde jedoch am Mittag abgebrochen. Die Fahndung nach dem 40-Jährigen läuft weiter, bisher fehlt jede Spur von ihm.
Verurteilter Sexualstraftäter ist ebenfalls auf der Flucht
Seit Sonnabend ist bereits ein verurteilter 57 Jahre alter Sexualstraftäter, der aufgrund seiner Gefährlichkeit in Sicherheitsverwahrung in der JVA Tegel saß, flüchtig. Er entkam zwei Justizwachtmeistern, nachdem er in der Wohnung seiner Mutter in Neukölln die Toilette aufgesucht hatte. Auch ihn konnte die Polizei bislang nicht finden.
Erst in der vergangenen Woche war ein Straftäter, der wegen zweifachen Mordes verurteilt worden war, nach einem Ausgang nicht in die Haftanstalt Tegel zurückgekehrt. Er konnte wenige Tage später von der Polizei bei seinem Halbbruder in Dahlwitz-Hoppegarten in Brandenburg gefasst werden. Im Februar wiederum hatte es ein weiterer verurteilter Vergewaltiger nach seiner Flucht bei einem Ausgang immerhin bis Schleswig-Holstein geschafft.
Justizsenatorin Badenberg: Bis auf Weiteres keine Ausgänge mehr
All diese Vorfälle bewogen Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) zuletzt dazu, die Bewertungen des Resozialisierungssystems in Berlin unter die Lupe zu nehmen. „Wir haben den Vorfall zum Anlass genommen, uns noch einmal mit den Rahmenbedingungen der sozialen Ausführungen auseinanderzusetzen“, sagte sie am Mittwoch. Bis auf Weiteres sind weitere Ausgänge in Berlin zu sozialen Kontakten derzeit ausgesetzt.
Ein guter Schritt, wie die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP findet. „Wir begrüßen es sehr, dass Senatorin Badenberg die Probleme des Systems erkannt hat, Handlungsbedarf sieht und Reformen angekündigt hat“, so GdP-Sprecher Benjamin Jendro.





