Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) hält es für möglich, die Zentrale Landesbibliothek (ZLB) und vorübergehend auch die Staatsbibliothek in dem derzeit noch von der Galeries Lafayette genutzten Gebäude an der Friedrichstraße unterzubringen. Der Vorschlag sei nicht von der Kulturverwaltung gekommen, sondern aus den beiden Bibliotheken gekommen, sagte Chialo bei der Sitzung des Abgeordnetenhauses.

Die Suche nach einem neuen Standort für die ZLB beschäftige die Landespolitik schon lange. „Wir wissen natürlich auch, in welcher Situation wir uns befinden“, sagte Chialo mit Blick auf die Sparzwänge in Berlin. „Das führt, wenn man neue Ideen umsetzen will, dazu, dass man überlegt, wie man vielleicht kreativer vorgehen kann, als es die Haushaltslage ermöglicht.“

Dabei hält es der Kultursenator für realistisch, beide Bibliotheken in dem Gebäude des Luxuskaufhauses unterzubringen. „Wir haben diese Idee begleitet, sie wurde geprüft, und es sieht so aus, dass es möglich ist“, sagte Chialo, der erste Planungen zu dem gemeinsamen Standort bereits vergangene Woche bei der Sitzung des Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses vorgestellt hatte. Allerdings sei der Standort an der Friedrichstraße „nicht die einzige Option.“

Finanzierung des Umzugs ist noch unklar

Die von Hans Scharoun entworfene Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße muss in den kommenden Jahren aufgrund dringender Sanierungen schließen – für diese Zeit sucht der Preußische Kulturbesitz, zu dem die Bibliothek gehört, einen Ausweichstandort, bei dem die Bestände weiterhin öffentlich zugänglich sind. Der neue ZLB-Standort könnte hierbei eine Lösung sein.

Die Staatsbibliothek bekommt dabei auch Gelder vom Bund. Zu einer möglichen Kostenaufteilung zwischen dem Bund und Land Berlin bei einem zeitweisen Umzug der Staatsbibliothek in die Friedrichstraße lasse sich aber noch nichts sagen. „Wir sind mitten im Modulieren eines Finanzmodells“, sagte Chialo. Das gelte auch für die Frage, ob bei dieser Variante tatsächlich genügend Platz für beide Bibliotheken sei. Das zu prüfen, sei der übernächste Schritt. „Wir konzentrieren uns auf die realistische Umsetzbarkeit.“

Für die Zentral- und Landesbibliothek, die bisher an zwei Standorten am Blücherplatz und in der Breiten Straße untergebracht ist, wird seit Jahren ein neuer Platz gesucht. Chialo hat sich früh für das Quartier 207 in der Friedrichstraße ausgesprochen, für den Vorschlag aber nicht nur Zustimmung bekommen. Im vergangenen Oktober teilte das französische Unternehmen Galeries Lafayette mit, die Filiale Friedrichstraße Ende 2024 zu schließen.

jst/dpa