Führende Politikerinnen und Politiker zeigten sich am Dienstag entsetzt über den mutmaßlichen Brandanschlag einer linksextremen Gruppierung auf die Stromversorgung des Tesla-Standorts im brandenburgischen Grünheide. Dieser Sabotageakt an einem Strommast hatte das umstrittene Werk für Elektroautos bei Berlin am Morgen komplett lahmgelegt und für Stromausfälle in mehreren umliegenden Gemeinden gesorgt. „Ein solcher Anschlag auf unsere Strominfrastruktur ist eine schwere Straftat, die durch nichts zu rechtfertigen ist“, erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Die SPD-Politikerin forderte eine umfassende Aufklärung der Hintergründe.

Auch Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hatte Konsequenzen gefordert. „Hier wurden tausende Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten und in Gefahr gebracht“, betonte er. Dem RBB sagte Stübgen am Abend, man werde nun verstärkt kontrollieren. „Aber einen 100-prozentigen Schutz wird es nicht geben“, räumte Stübgen ein. „Erstaunlich an diesem Vorgang ist, dass die Täter sehr genau wussten, wo es besonders sensibel ist“, sagte der Innenminister.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer Form des „Terrorismus“. „Sollte sich der Verdacht eines terroristischen Anschlages erhärten, wird der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehmen müssen“, so Woidke. Er warnte vor Schäden für die die gesamte Wirtschaft in Deutschland. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich ebenfalls: „Gewalt und Sabotage dürfen kein Mittel der Auseinandersetzung sein.“

„Vulkangruppe“ bekennt sich zu Brandanschlag

Bisher unbekannte Täter hatten am frühen Dienstagmorgen nach Angaben des Innenministeriums einen frei stehenden Hochspannungsmast an der A10 zwischen Gosen-Neu Zittau und Steinfurt in Brandenburg mutwillig in Brand gesetzt. Dies beschädigte die Hochspannungsleitungen, die von dort aus unterirdisch weiterführen. Von Stromausfällen waren darauf bis weit in die Mittagszeit die brandenburgischen Gemeinden Freienbrink, Erkner, Neu Zittau, Dahlwitz-Hoppegarten, Neuenhagen, Woltersdorf, Schöneiche und Gosen, knapp 2000 Haushalte in den Berliner Ortsteilen Rahnsdorf und Müggelheim sowie das Tesla-Werk in Grünheide und ein Logistikzentrum betroffen.

Mittlerweile hat sich die als linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe“ zu dem Anschlag bekannt. Sie stand bereits im Jahr 2021 im Verdacht, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verübt zu haben. „Wir haben heute Tesla sabotiert“, heißt es in einem Schreiben der Gruppe vom Dienstag, das die Brandenburger Polizei nun auf seine Authentizität überprüft. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts nahm die Ermittlungen auf und setzte vor Ort Drohen, einen Hubschrauber und Spürhunde ein.

Protestcamp weist Verbindung zu dem Sabotageakt zurück

Seit vergangenem Donnerstag haben Klimaaktivsten ein Protestcamp in einem Waldstück bei Grünheide eingerichtet.
Seit vergangenem Donnerstag haben Klimaaktivsten ein Protestcamp in einem Waldstück bei Grünheide eingerichtet.© dpa | Sebastian Gollnow

Geprüft werden soll dadurch auch, ob es einen Zusammenhang zu dem Protestcamp verschiedenster Aktivisten gibt, das sich seit vergangenen Donnerstag im Landeswald bei Grünheide formiert hat, um einen Ausbau des Tesla-Werks und die damit verbundene Rodung von Bäumen zu verhindern. Diese wiesen eine solche Verbindung jedoch entschieden zurück. „Mit unseren Körpern und Baumhäusern stellen wir uns der Erweiterung der Fabrik entgegen. Dabei gefährden wir keine Menschenleben“, teilte die Initiative Teslastoppen mit.

Dennoch prüft die brandenburgische Landesregierung nun, ob sie das Camp vor dem Hintergrund der Ereignisse neu bewertet. „Das kann auch die Beendigung der Duldung bedeuten“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Darüber hinaus seien weitergehende Sicherheitsmaßnahmen zwischen Tesla und der Polizei besprochen worden.

Derweil standen die Schuldigen für den exzentrischen Tesla-Chef Elon Musk bereits am Dienstag fest. „Das sind entweder die dümmsten Ökoterroristen der Welt oder sie sind Marionetten derer, die keine guten Umweltziele haben“, schrieb der milliardenschwere Unternehmer auf Englisch auf dem Portal X (früher Twitter). Die Produktion von Elektrofahrzeugen anstelle von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen zu stoppen, sei extrem dumm, so Musk.

Tesla rechnet wegen Produktionsstopp mit Schäden im neunstelligen Bereich

Die angeblich verantwortliche „Vulkangruppe“ wirft Tesla hingegen in einer Mail „extreme Ausbeutungsbedingungen“ vor und fordert die „komplette Zerstörung der Gigafactory“. Im einzigen europäischen Standort des Unternehmens führte der Stromausfall dabei tatsächlich zu einem Produktionsstopp. Arbeiter mussten das Werk nach Angaben des Unternehmens schon am frühen Morgen verlassen. Wie es bei Tesla weiter hieß, wurden alle Maßnahmen zur Sicherung der Produktionsanlagen getroffen. Nach Rücksprache mit dem Stromanbieter Edis gehe Tesla nicht von einem schnellen Wiederanlaufen der Produktion aus. Ob dies Anfang nächster Woche geschehen könne, werde sich in den nächsten Tagen zeigen.

Das Unternehmen rechnet wegen des Stillstands mit wirtschaftlichen Schäden im „hohen neunstelligen Bereich“, wie der Tesla-Vertreter André Thierig am Dienstag mitteilte. „Wir sind tief, tief bestürzt über das, was heute passiert ist“, sagte Thierig. Es sei bereits der zweite direkte Anschlag auf die Stromversorgung der Fabrik. Hinzu komme ein dritter Anschlag auf die Eisenbahnanlage in der Nähe. Tesla sei inzwischen sehr besorgt um die Sicherheit der Mitarbeiter. Ob dies Auswirkungen auf die Zukunft des gesamten Standorts haben könnte, konnte Thierig aber noch nicht sagen. mit dpa