Knapp ein Dutzend Baumhäuser hängt bereits in den Bäumen, etwa zehn Meter über dem Waldboden. Unten wird gehämmert, gesägt und geschnitzt. „Wir sind über 100 Menschen hier“, schätzte René Sander, Sprecher der Initiative „Tesla stoppen“, am Sonnabend bei einer Pressekonferenz vor Ort. In den Baumhäusern übernachten würden hingegen lediglich 50 Personen.

Sie wollen verhindern, dass der US-Autobauer Tesla seinen Standort in Grünheide erweitert und das Waldstück rodet, das nun ihnen besetzt wird. In diesem Wald befänden sich Bäume, die über 100 Jahre alt sind, wies Manu Hoyer von der Bürgerinitiative Grünheide hin. Die lokale Protestgruppe begrüßt die Unterstützung durch die Waldbesetzerinnen und -besetzer, von denen einige Erfahrungen von Protestaktionen im Hambacher Forst und Dannenröder Forst im Gepäck haben.

Teils voll vermummte Aktivistinnen und Aktivisten laufen die schon eingestampften Wege entlang. Es gibt eine Raucherecke, Toiletten und einen Awareness-Bereich, also einen Ort, an den man sich bei Belästigungen wenden kann.
Teils voll vermummte Aktivistinnen und Aktivisten laufen die schon eingestampften Wege entlang. Es gibt eine Raucherecke, Toiletten und einen Awareness-Bereich, also einen Ort, an den man sich bei Belästigungen wenden kann.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Wogegen die Umweltschützer protestieren

Neben dem Wald steht auch die Wasserversorgung im Fokus der Umweltschützer. „Wir befinden uns in einem Trinkwasserschutzgebiet“, erklärte Caro Weber von „Tesla stoppen“. „Schon jetzt wird Wasser rationiert.“ Doch der Bogen wird noch deutlich weiter gespannt: Der Protest richtet sich gegen die Ausweitung des Individualverkehrs, gegen das in den Augen der Aktivisten falsche Versprechen von klimaschonenden E-Autos, gegen arbeitsrechtliche Verstöße im Tesla-Werk und zuletzt gegen das kapitalistische System.

Das Tesla-Werk soll nicht nur nicht erweitert werden, auch eine Umnutzung des Bestehenden wird ins Spiel gebracht. So könne das Werk laut Aktivistin Weber für den Bau von E-Bussen genutzt werden, was ökologischer sei. Die Skepsis, dass sich nicht an den Volkswillen gehalten werde – kürzlich ergab eine Bürgerbefragung, dass eine Mehrheit der Anwohnenden die Tesla-Erweiterung ablehnt – ist groß. Die Aktivistinnen und Aktivisten gehen daher von einem langwierigen Kampf aus. „Je länger die Besetzung dauert, desto besser“, sagte eine Sprecherin der Initiative „Tesla stoppen“ bereits am Freitag.

Bei der Pressekonferenz stellten die verschiedenen Initiativen den Grund ihres Baumhausprotestes vor.
Bei der Pressekonferenz stellten die verschiedenen Initiativen den Grund ihres Baumhausprotestes vor.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Nicht jeder sieht den Erweiterungsstopp positiv

Man gehe Hand in Hand mit den Menschen vor Ort – Materialspenden und Duschangebote von Anwohnenden unterstreichen das, Weber. Doch nicht überall wird der Umweltaktivismus gefeiert: Ein Tesla-Mitarbeiter – zu seinem Schutz wird er hier Omar genannt – sieht den Erweiterungsstopp kritisch. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost verwies er auf die entstehenden Arbeitsplätze.

Bei Beschäftigten wie Omar dringen andere Nachrichten als die von alten Bäumen und Trinkwasserknappheit durch: „Ich habe gehört, dass Musk den Standort woanders hinverlegen möchte.“ So zeigte sich der italienische Wirtschaftsminister Adolfo Urso am Mittwoch nach der Ablehnung der Erweiterung interessiert an dem Werk. „Das wird mit Sicherheit zu einer Entscheidung des Konzerns führen“, sagte Urso. mit dpa

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