Brandanschlag

Anschlag auf S-Bahn: Polizei hält Bekennerschreiben für echt

Eine Gruppe namens "Vulkangruppe OK" bekennt sich zu dem Anschlag auf die S3. Die Polizei geht von der Echtheit des Schreibens aus.

Fahrgäste am Bahnhof Ostkreuz: Ein Brandanschlag hatte am Montag Teile des Regional- und S-Bahn-Verkehrs im Berliner Osten lahmgelegt.

Fahrgäste am Bahnhof Ostkreuz: Ein Brandanschlag hatte am Montag Teile des Regional- und S-Bahn-Verkehrs im Berliner Osten lahmgelegt.

Foto: pa

Berlin. Die Polizei hält das Bekennerschreiben, das nach dem Brandanschlag auf die S3 im Internet veröffentlich wurde, für echt. Das sagte eine Sprecherin der Polizei der Berliner Morgenpost und bestätigte damit einen Bericht des RBB. Man gehe zudem davon aus, so die Sprecherin weiter, dass diejenigen, die das Schreiben veröffentlicht hätten, auch für die Brandstiftung verantwortlich seien.

Die offenbar linksextremen Verfasser des Bekennerschreibens ernteten in Internet-Kommentaren mehrheitlich Spott. Sie hatten versucht, einen Bezug von ihrem Anschlag zu den Klimaschützern von Fridays for Future zu konstruieren. „Für mehr Klimaschutz per Anschlag den ÖPNV lahmlegen. Das macht natürlich total Sinn“, twitterte ein Nutzer. „Kannst Du Dir nicht ausdenken“, hieß es in einem weiteren Tweet.

Anschlag auf S-Bahn legt Verkehr im Berliner Osten lahm

Der Brandanschlag hatte am Montag Teile des Regional- und S-Bahn-Verkehrs im Berliner Osten lahmgelegt. Diese hatten in der Nacht zu Montag zwischen den Bahnhöfen Karlshorst und Wuhlheide Strom- und Kommunikationskabel in Brand gesetzt. Nach dem Anschlag war im Internet ein Bekennerschreiben einer Gruppe aufgetaucht, die sich selbst "Vulkangruppe OK" nennt.

Die S-Bahn-Linie 3 musste bis zum Nachmittag zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Erkner unterbrochen werden. Auch die Regionallinien RE1, RE7 und RB14 fuhren nicht oder wurden über die Bahnhöfe Lichtenberg und Gesundbrunnen umgeleitet. Vor allem im Berufsverkehr kam es zu teils chaotischen Szenen.

Anschlag auf Berliner S-Bahn - alle Informationen in Kürze

  • In der Nacht zu Montag (23. September) ist ein Brandanschlag auf Leitungen und Kabel der Berliner S-Bahn verübt worden
  • Die Polizei geht davon aus, dass politische Extremisten die Täter sein könnten
  • Bekennerschreiben der Gruppe Vulkangruppe OK veröffentlicht
  • Die Polizei hält das Bekennerschreiben für echt

Fahrgäste warten bis zu einer Stunde auf einen Ersatzbus

Die S-Bahn hatte ab etwa sechs Uhr morgens als Ersatz für die unterbrochene S 3 Busse eingesetzt. Allerdings konnte das Unternehmen nur acht Fahrzeuge auftreiben. Im morgendlichen Berufsverkehr mussten Fahrgäste bis zu einer Stunde auf einen Ersatzbus warten. Die Busse waren aber oft so voll, dass viele keinen Platz fanden und abgewiesen wurden. Zu Behinderungen kam es auch auf der Strecke der Stadtbahn in Richtung Innenstadt. Dort fielen Züge aus, die normalerweise auf der Strecke der S3 aus Erkner gekommen wären.

Die Brandstiftung hatte gegen 3.30 Uhr ein Zugführer entdeckt. Einsatzkräfte der Bundespolizei und der Feuerwehr löschten den Brand. Dabei entdeckten sie ein weiteres Feuer, das ebenfalls gelöscht werden konnte. Ein Bundespolizist musste mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden.

Der Betrieb auf der S3 wurde am Nachmittag wieder aufgenommen, zunächst allerdings nur im 20-Minuten-Takt. Erst am Abend fuhren die Züge wieder im gewohnten Zehnminutentakt. Die Reparaturen an den Kommunikationskabeln für die Linien der Regionalexpress-Züge und der Regionalbahn, die unter anderem für die Steuerung der Weichen genutzt werden, gestalteten sich aufwendiger. „Es handelte sich um sechs Kabel mit bis zu 120 Adern“, sagte ein Bahn-Sprecher. Auch die Fahrtzielanzeiger seien betroffen gewesen.

Fahrgäste konnten auf den Bahnhöfen daher nicht über elektronische Anzeigen informiert werden. Die S-Bahn twitterte: „Bitte informiert die anderen Fahrgäste über die aktuelle Situation.“

Die Polizei geht davon aus, dass politische Extremisten die Täter sein könnten. Die Ermittlungen im Landeskriminalamt der Berliner Polizei führt die für politisch motivierte Delikte zuständige Abteilung für Staatsschutz. In der Nacht zu Montag überflog ein Hubschrauber das Gebiet zwischen den Bahnhöfen Karlshorst und Wuhlheide, um mögliche Täter zu lokalisieren – ohne Erfolg.

Im Internet erschien am Montag auf einer von Linksradikalen genutzten Internetseite ein Bekennerschreiben. „Menschen, die nicht pünktlich zur Arbeit, zur Schule, zur Universität kommen, verursachen einen wirtschaftlichen Schaden. Deshalb haben wir heute sowohl arbeitende Pendler_innen auf dem Weg zur Arbeit ausgebremst als auch den Reiseverkehr zum Flughafen gezielt angegriffen“, heißt es.

Verbindung zu "Fridays for Future" konstruiert

Als Verfasser wird eine „Vulkangruppe“ genannt. Extremisten, die sich diesen Gruppen zurechnen, hatten sich seit 2011 bereits wiederholt zu Anschlägen bekannt. In der aktuellen Veröffentlichung konstruieren die Extremisten eine Verbindung zu den Klimaaktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung. In dem Schreiben wird aber deutlich, dass die Autoren weniger an einer Reduktion klimaschädlicher Schadstoffe interessiert sind, sondern den gewaltsamen Systemumsturz und eine „revolutionäre Veränderung“ propagieren.

Linke Szene bereitet sich auf "Tu mal wat"-Tage vor

Zu einem rassistischen Zwischenfall kam es am Bahnhof Ostkreuz an der Haltestelle für den Busersatzverkehr. Ein Mitarbeiter der DB Sicherheit beleidigte einen asiatisch aussehenden Fahrgast mit Akzent, indem er dessen Sprache mit merkwürdigen Lauten nachäffte. Auf Nachfrage eines Reporters der Berliner Morgenpost, der die Szene beobachtet hatte, bestritt der Mitarbeiter, den Mann nachgeäfft zu haben. „Ich hatte was in der Kehle drin“, behauptete er. Ein Bahn-Sprecher versicherte, dass dem Fall nachgegangen werde. „So etwas dulden wir nicht“, sagt er.

Die linke Szene bereitet sich unterdessen auf die „Tu mal wat“-Tage vor, bei denen auch zu Hausbesetzungen aufgerufen wird. Der Anschlag auf die Bahn-Strecke stehe damit aber wohl nicht im Zusammenhang, heißt es aus den Sicherheitsbehörden. Nach jetzigem Kenntnisstand gebe es auch keine Hinweise für einen Zusammenhang mit dem versuchten Brandanschlag auf das Bundeswirtschaftsministerium am vergangenen Freitag, als eine Mitarbeiterin in dem Haus vier Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit gefunden hatte.