Die Umweltaktivisten im besetzten Wald nahe der Tesla-Fabrik in Grünheide haben sich auf einen wochenlangen Protest eingerichtet. „Je länger die Besetzung dauert, desto besser“, sagte eine Sprecherin der Initiative „Tesla stoppen“ am Freitag. Die Initiative rief weitere Unterstützer auf, das Camp zu besuchen und noch Material wie Bauholz, Sägen, Kletterausrüstung und Hängematten mitzubringen. „Wir hoffen, dass noch mehr Leute vorbeikommen.“
Die Besetzung begann in der Nacht zum Donnerstag. Im Camp neben der E-Autofabrik von Elon Musk halten sich derzeit nach Angaben der Initiative zwischen 80 bis 100 – teils vermummte – Umweltaktivisten auf. Sie errichteten Baumhäuser in mehreren Metern Höhe, spannten Seile zwischen den Kieferbäumen und schlugen Zelte auf. Die Protestinitiative will die Rodung des Waldes für eine Tesla-Erweiterung verhindern.
Der E-Autobauer plant, neben dem 300 Hektar großen bestehenden Werksgelände einen Güterbahnhof, Lagerhallen und einen Betriebskindergarten zu errichten. Dafür sollen mehr als 100 Hektar Wald weichen. Allerdings haben die Einwohner Grünheides die Abholzung in einer Bürgerbefragung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Der Bürgermeister Grünheides, Arne Christiani, rechnet nun nicht mehr damit, dass die Gemeindevertretung den Bebauungsplan für das Waldstück so beschließen wird wie einst vorgesehen.
Protestcamp neben der Tesla-Fabrik: Polizei hält sich zurück
Die Polizei sieht keinen Anlass, das Zeltlager im Wald aufzulösen, beobachtet das Geschehen dort aber. „Man hat auch weiterhin ein Auge drauf“, sagte ein Sprecher. Der Protest im Kiefernwald kann bis zum 15. März fortgesetzt werden, wie die Polizei entschieden hatte. Von der Initiative hieß es: „Wir sind gesprächsoffen, lassen uns aber nicht aus dem Wald verdrängen.“
Tesla äußerte sich auf Nachfrage bislang nicht zu dem Protestcamp neben der Fabrik – auch die Gemeinde Grünheide nicht. Unterstützung bekommen die Umweltaktivisten von der Bürgerinitiative vor Ort. An diesem Sonnabendnachmittag ist in Grünheide ein Waldspaziergang aus Protest gegen Tesla geplant sowie ein Klavierkonzert im Wald. Die Bürgerinitiative Grünheide rief Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dazu auf, das Camp zu besuchen und mit den Besetzern zu sprechen.

Die Umweltschützer im Protestcamp kritisieren neben der geplanten Rodung des Walds unter anderem auch den Abbau von Lithium für Batterien. Sie werfen Tesla eine Gefährdung des Trinkwassers und schlechten Arbeitsschutz vor. „Saubere Autos sind eine dreckige Lüge“ und „Wasser ist ein Menschenrecht“ war auf Plakaten zu lesen. Einige Aktivisten waren auch schon bei Protestaktionen im Hambacher Forst oder im Braunkohle-Dorf Lützerath dabei.
Kritik an Kommunikation von Tesla
Angesichts des Widerstands gegen die Tesla-Fabrik in Grünheide haben die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) dem Autobauer zu einer offensiveren Kommunikation und Informationspolitik geraten. „Es ist eine ein bisschen ungewöhnliche Strategie, mit niemandem zu sprechen, außer mit den zuständigen Stellen“, sagte der UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp am Freitag im RBB-Inforadio. „Da ist sehr viel Luft nach oben, weil man ja Botschaften senden kann, die auch die Kraft haben zu überzeugen“, meinte Schirp. So sei kaum bekannt, dass Tesla für das Werk „keinen einzigen Euro Fördergeld“ vereinnahmt habe. 1200 der 12.000 Beschäftigten – also ein Zehntel – seien aus der Arbeitslosigkeit heraus eingestellt worden.
Auch der Ostbeauftragte Carsten Schneider rät Industrieunternehmen wie Tesla, mehr bei den Menschen vor Ort zu werben. Industrieansiedlungen seien auch in Ostdeutschland kein Selbstläufer mehr. „Ich nehme da in Ostdeutschland eine Veränderung wahr“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Früher wurde praktisch jedes Großprojekt begrüßt, solange es nur Arbeitsplätze brachte. Jetzt gibt es vereinzelt auch mal Widerstände. Das muss man bei der Planung künftig mitdenken.“
Abwasserstreit mit Tesla: Chef der Verbandsversammlung tritt zurück
Derweil gibt es im Streit um Abwassergrenzwerte zwischen Tesla und dem zuständigen Wasserverband noch keine Lösung. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) entsorgt vorerst weiter die Abwässer der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin. Die Beschlussvorlage von Verbandsvorsteher André Bähler, die Abnahme von Abwasser wegen überschrittener Grenzwerte zu stoppen, wurde vertagt, wie der Vorsitzende der Verbandsversammlung, Henryk Pilz, am Freitag mitteilte.
Pilz, der auch Bürgermeister der Kleinstadt Erkner ist, trat nach der Sondersitzung der 16 Mitgliedskommunen des WSE mit sofortiger Wirkung als Verbandsversammlungsvorsitzender zurück. „Ich bin nicht mehr bereit, in der Konstellation die Verbandsversammlung nach außen hin zu vertreten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Aus einer WSE-Beschlussvorlage geht hervor, dass Tesla dem Wasserverband zufolge „ständig und in erheblicher Weise“ Abwassergrenzwerte überschreite. Das betreffe die Werte für refraktären Phosphor sowie für Gesamtstickstoff. Pilz hatte Tesla öffentlich dazu aufgefordert, seine Hausaufgaben zu machen, und auf eine entsprechende Entscheidung der Verbandsversammlung gehofft.
Der US-Elektroautobauer Tesla hatte den WSE vor einem Entsorgungsstopp beim Abwasser gewarnt. „Ihnen ist bekannt, dass der Stopp einer Einleitung der Abwässer der Gigafactory zu einem Produktionsstopp der Gigafactory führen würde. Ein solcher Beschluss verursacht täglich einen Schaden in Millionenhöhe“, hieß es in einem Schreiben des Unternehmens an WSE-Chef Bähler und den Vorsitzenden der Verbandsversammlung. mit dpa


