Während vor dem Brandenburger Tor und an anderen Stellen in Berlin zum jüdischen Lichterfest Chanukka viele achtarmige Leuchter entzündet wurden, ist an der Berliner Charité eine Diskussion darüber entfacht. Das Universitätsklinikum hat nach einer Anfrage jüdischer Studierender das Aufstellen eines Chanukka-Leuchters, auch Chanukkia genannt, abgelehnt.
Auf den Vorgang aufmerksam machte der Publizist Ruben Gerczikow (26), früherer Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands. Er schrieb auf der Plattform X: „Die jüdische Hochschulgruppe der Charité Berlin wollte erstmalig eine Chanukkia aufstellen. Das wurde mit dem Verweis auf das Neutralitätsgebot untersagt.“ Gerczikow veröffentlichte dazu das Antwortschreiben der Charité an die jüdische Hochschulgruppe.
Neutralitätsgebot der Charité setze „klare Grenzen“ bei religiösen Symbolen
Darin heißt es zunächst: Es sei der Charité wichtig, sich mit den Anliegen aller Studierenden auseinanderzusetzen, „insbesondere in Zeiten, in denen Gemeinschaft und Solidarität von großer Bedeutung sind.“ Sicherheit und Wohlbefinden aller Studierender seien für die Charité von höchster Priorität. Weiter heißt es, man respektiere die Bedeutung des Chanukka-Leuchters als Symbol des Chanukka-Festes im jüdischen Glauben.
Aber: „Dennoch müssen wir im Einklang mit dem Neutralitätsgebot der Charité als Körperschaft öffentlichen Rechts handeln, das uns klare Grenzen setzt, religiöse Symbole oder Praktiken in unseren öffentlichen Räumen zu verwenden oder zu privilegieren“, so die Charité.
Ausnahme: Weihnachtsbaum
Der an der Charité aufgestellte Weihnachtsbaum werde dabei als Ausnahme betrachtet – „nicht, um eine bestimmte Religion zu bevorzugen, sondern weil der Weihnachtsbaum als Symbol für die weihnachtliche Friedensbotschaft über die Grenzen der Religionen hinweg eine lange Tradition hat.“ Insbesondere in Zeiten von Konflikten erscheine die Botschaft des Friedens, die der Weihnachtsbaum verkörpere „als wichtiger denn je“, so die Charité.
Auf „X“ wurde Gerczikows Beitrag mehrfach kommentiert, etwa vom früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Er findet das Verhalten der Charité „verfassungswidrig und diskriminierend“. Das von Beck mitgegründete und vom Bundesinnenministerium geförderte Tikvah Institut gegen Antisemitismus schrieb: „Diese Entscheidung der Charité verletzt die Religionsfreiheit jüdischer Studierender.“
Charité: Vorstand hat die Verwendung eines Chanukka-Leuchters nicht untersagt
Auf Fragen ging die Charité am Montag zunächst nicht ein, bestätigte aber die Echtheit des bei „X“ veröffentlichten Schreibens. Am Dienstag antwortete die Charité: „An der Charité arbeiten Menschen aus 121 Nationen mit unterschiedlichstem kulturellen und religiösen Hintergrund. Die Charité ist eine medizinisch-wissenschaftliche Einrichtung, sie ist als Körperschaft öffentlichen Rechts politisch und religiös neutral, wir verwenden oder privilegieren also in unseren öffentlichen Räumen keine religiösen Symbole oder Praktiken.“
Weiter heißt es: „Wir betonen, dass der Vorstand den Studierenden die Verwendung eines Chanukka-Leuchters als religiöses Symbol nicht untersagt hat, sondern die Leitung selbst keine feierliche Initiierung durchführen wird. Der Vorstand ist in den letzten Jahren im regelmäßigen, engen und wertschätzenden Austausch mit Vertretern und Vertreterinnen jüdischen Lebens in Berlin.“
Das achttägige Chanukka-Fest endet am Freitag.
Der Text wurde aktualisiert.



