Ein knappes halbes Jahr nachdem die Berliner Polizei die Öffentlichkeit um Mithilfe bei einem Mordfall aus den 1980er-Jahren gebeten hat, sind bereits weit mehr als 200 Hinweise bei den Ermittlern zu dem Cold Case eingegangen. Das bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage. „Leider war noch nicht die entscheidende heiße Spur dabei, auf die wir gehofft haben“, sagte die Sprecherin. So seien zwar tatsächlich mehrere konkrete Namen zur möglichen Identität der unbekannten Frauenleiche genannt worden, die Waldarbeiter im November 1988 im Spandauer Stadtforst gefunden hatten.

„Allerdings wurden alle angegeben Frauen lebend angetroffen“, so die Sprecherin. Man nehme selbstverständlich weiterhin alle Hinweise dankbar entgegen und gehe jeder ernsthaften Spur nach. „Wir sind noch immer zuversichtlich“, heißt es von der Berliner Polizei.

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Ermittlungserfolg in Belgien macht Hoffnung auch in Berlin

Genährt wird diese Zuversicht durch einen Ermittlungserfolg aus Belgien. In Antwerpen konnte erst vor einer Woche die Identität einer Frauenleiche 31 Jahre nach ihrem Fund geklärt werden. So ist es Angehörigen aus Wales laut dem Bundeskriminalamt (BKA) gelungen, die Getötete als die damals 31-jährige Rita Roberts aus Cardiff zu identifizieren. Sie war im Februar 1992 kurz vor ihrer Ermordung nach Antwerpen gezogen.

Der Durchbruch gelang im Zuge der internationalen Öffentlichkeitskampagne „Identify Me“ (Deutsch: „Identifiziere mich“), in welcher deutsche, belgische und niederländische Polizeistellen und Staatsanwaltschaften zur Identifizierung bisher namenloser weiblicher Mordopfer mit der internationalen Polizeiorganisation Interpol kooperieren. In Deutschland werben unter anderem die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und die ehemalige Boxerin Regina Halmich für die Initiative, die hierzulande vom BKA geleitet wird.

„Zu 22 Mordfällen mit unbekannten weiblichen Opfern wird nun grenzübergreifend gefahndet“, heißt es dazu vom BKA. „Sie wurden erschossen, erstickt oder niedergestochen.“ Hauptziel der Kampagne sei es, die Frauen zu identifizieren und ihnen ihre Namen zurückzugeben. Die deutschen Behörden haben hierfür speziell sechs solcher Cold Cases aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bremen und eben auch aus Berlin ausgewählt.

Frau wurde 1988 wahrscheinlich mit Seilen getötet

Der weibliche Leichnam aus Berlin wurde damals in einem Jutesack verpackt gefunden. Er war augenscheinlich Opfer eines Tötungsdelikts geworden. Um den Hals der toten Frau waren kurze Seile verknotet, die üblicherweise im Wassersport Verwendung finden. Nach bisherigem Erkenntnisstand war sie 25 bis 30 Jahre alt, hatte blondes Haar, war etwa 1,65 Meter groß und schlank.

Der Polizei gelang es am Tatort unter anderem ein abgerissenes Stück Papier mit dem Stempelaufdruck der Beratungsstelle für Geschlechtskrankheiten des Gesundheitsamtes Schöneberg sicherzustellen. Für „Identify Me“ veröffentlichte die Polizei neben Bildern und Informationen zu Kleidungs- und Schmuckstücken auch Abbildungen des rekonstruierten Gesichts der Frau. Demnach könnte ihre linke Gesichtshälfte als Folge einer teilweisen Gesichtslähmung zurücktretend gewirkt haben.

Zahlenkombination auf Uhr gibt noch Rätsel auf

Bekleidet war die Unbekannte unter anderem in einer braun-beigefarbene Herrenjacke mit Stehkragen, einer blauen Jeanshose der US-Größe 28 und einem grauen, dickeren T-Shirt. Am rechten Ohr trug sie einen Ohrring in Blattform mit glänzender lila-türkisfarbener Beschichtung, am linken Ohr einen gitterartigen, rechteckigen Ohrring mit dunkelblauer Beschichtung. Um ihren Hals befand sich ein schwarzbraunes Lederhalsband mit Schnalle, um ihr rechtes Handgelenk zwei Haargummis in Rot und Schwarz.

In ihrem Besitz hatte die Frau außerdem eine silberfarbene digitale Damenarmbanduhr der Firma Juta aus Metall, auf deren Rückseite die Gravur „22 9 82“ eingelassen ist. Über die Bedeutung dieser Zahlenkombination sind sich die Ermittler weiterhin im Unklaren, sie konnte bisher nicht zur Identifizierung der Leiche beitragen.

Mordfälle mit unidentifiziertem Opfer sind höchst selten

In Berlin ist eine Sonderermittlungseinheit der Mordkommission für Altfälle wie diesen zuständig, die sich gebündelt um die Aufklärung der „ausermittelten“ Straftaten kümmert. „Delikte, bei denen neben dem Täter auch die Opfer unbekannt sind, sind sehr, sehr selten“, heißt es von der Polizei. Sie würden wie die Tötungsdelikte mit unbekannten Tätern stetig weiterbearbeitet, aus ermittlungstaktischen Gründen meist jedoch ohne weitere Details an die Öffentlichkeit zu geben.

Für Hinweise, die zur Identifizierung der Frau sowie zur Aufklärung der Straftat führten, hatte der Polizeipräsident in Berlin bereits Ende der 80er Jahre eine Belohnung in Höhe von 5000 DM ausgelobt. Diese hat auch heute noch Bestand und beziffert sich nunmehr auf 2500 Euro. Hinweise, die auch vertraulich behandelt werden können, sollen an die 4. Mordkommission des Landeskriminalamts unter der Rufnummer 030-4664-911444 oder per E-Mail an lka114@polizei.berlin.de gerichtet werden.