Corona-Pandemie

Berlin hat bundesweit die meisten Corona-Neuinfektionen

In Berlin stehen jetzt zwei der Corona-Ampeln auf Gelb. Der Senat muss jetzt über das weitere Vorgehen beraten. Wie es nun weiter geht.

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  • In Berlin steigt die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen besonders stark an: Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 21 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern steht die Hauptstadt bundesweit an der Spitze. Aus diesem Grund berät der Senat nun mit den besonders betroffenen Bezirken Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg über weitere Maßnahmen.
  • Der Senat berät am Dienstag außerdem darüber, die Maskenpflicht in Berlin zu verschärfen. Auch die Zahl der Corona-Teststellen und die Laborkapazitäten sollen ausgebaut werden.
  • Große Hoffnung setzt Gesundheitssenatorin Kalayci auf die neuen sogenannten Antigen-Tests. Diese Schnelltests sollen schon bald in großer Zahl möglich sein.

Berlin. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) schlägt Alarm. Nirgendwo in Deutschland steigen die Corona-Zahlen derzeit so stark an wie in Berlin. Zwei der drei Warn-Ampeln stehen erstmals auf Gelb. Mit aktuell 21 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern liegt die Zahl in der Stadt so hoch wie seit Monaten nicht mehr. In Friedrichshain-Kreuzberg liegt sie mit 51 sogar noch deutlich höher. Kalayci hat angesichts der verschärften Lage die Bezirksbürgermeister der drei besonders betroffenen Bezirke Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg für Dienstagnachmittag zu Beratungen eingeladen. Der sogenannte R-Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, liegt bei 1,52.

Der Senat berät an diesem Dienstag deshalb über das weitere Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus. So sollen Messen nur dann zugelassen werden, wenn pro zehn Quadratmetern Fläche ein Besucher zugelassen wird und ein entsprechendes Konzept abgenommen wurde. Kalayci appelliert, Messen, wenn möglich, in das kommende Jahr zu verschieben und nicht notwendige Dienst- oder Urlaubsreisen ins Ausland oder in Risikogebiete zu unterlassen.

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Berlin will Maskenpflicht verschärfen und mehr Corona-Teststellen einrichten

Der Senat berät auch darüber, die Maskenpflicht zu verschärfen. So sollen so genannte Face-Shields aus Plastik nicht mehr als Maske anerkannt werden. Eine Mund-Nasen-Bedeckung muss demnach aus einem Stück Textil bestehen oder eine FPP2 oder FPP3 Maske sein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte zuvor Face-Shields als nicht gleichwertig in der Schutzwirkung eingeschätzt.

Für den Sport gibt es dagegen Hoffnung. Auf Vorschlag des Sportsenators Andreas Geisel (SPD) sollen bei Veranstaltungen in Sporthallen mehr als 5000 Besucher zugelassen werden, wenn es ein positives Lüftungsgutachten für die Halle gibt. Fangesänge seien allerdings zu unterlassen. In den vergangenen Monaten hatten vor allem die Betreiber der Max-Schmeling-Halle und der Mercedes-Benz-Arena die technischen Voraussetzungen geprüft, das Infektionsrisiko für Zuschauer in Sporthallen zu minimieren. Dazu gehört, eine starke Luftzirkulation herzustellen, um eine mögliche Viruslast zu senken.

Um auf weiter steigende Infektionszahlen besser vorbereitet zu sein, wird die Zahl der Corona-Teststellen wieder ausgebaut. Nach Ausbruch der Pandemie hatte Berlin acht solcher Stellen eingerichtet. Mit sinkenden Zahlen waren sie teilweise wieder geschlossen worden. Derzeit werden sie nach Angaben Kalaycis reaktiviert, weitere Stellen sollen dazukommen, kündigte die Gesundheitssenatorin am Montag an.

824.000 Tests in Berlin seit Beginn der Corona-Pandemie

Auch die Laborkapazitäten sollen weiter ausgebaut werden. Dazu hat das Land eine Ausschreibung für mobile Teststellen auf den Weg gebracht. „Wir hoffen, dadurch weitere Laborkapazitäten aufbauen zu können“, sagte Kalayci. Allerdings beklagten die Labors teilweise fehlendes Testmaterial, so dass nicht alle Test-Möglichkeiten ausgenutzt werden könnten. Derzeit können die Berliner Labore 59.000 Tests wöchentlich auswerten. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie allein in Berlin 824.000 Tests durchgeführt.

Zusammen mit den Gesundheitsministern der anderen Bundesländer und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diskutiert Kalayci über eine Änderung der Teststrategie. So sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten nicht mehr direkt am Flughafen oder Busbahnhof getestet werden. Stattdessen sollen sie sich in eine zehntägige Quarantäne begeben, die nach einem negativen Corona-Test nach fünf bis sieben Tagen aufgehoben werden kann. Die Kosten des Tests von derzeit rund 36,50 Euro müssen die Reisenden tragen. Bislang sind derartige Tests für sie kostenfrei.

Große Hoffnung setzt Kalayci auf die neuen sogenannten Antigen-Tests. Diese Schnelltests sollen schon bald in großer Zahl möglich sein. Die Bundesregierung plant nach Angaben Kalaycis, zehn Millionen Tests pro Monat bei den Herstellern zu bestellen. Für Berlin würde das bedeuten, dass 500.000 Tests pro Monat durchgeführt werden können. Damit sollen dann vor allem Krankenhaus- und Pflegeheimmitarbeiter sowie Lehrer und Erzieher flächendeckend und kontinuierlich getestet werden.

Elternvertreter halten Berliner Schulen für schlecht vorbereitet

Trotz aller Bemühungen sehen Berlins Elternvertreter der Corona-Pandemie in Herbst und Winter mit großen Sorgen entgegen. „Die Schulen sind nicht besser vorbereitet als im März“, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, am Montag. Beim digitalen Lernen und dem Arbeiten mit Lernplattformen habe es zu wenig Fortschritte gegeben. „Schulen, die das während des Lockdowns sehr gut gemacht haben, werden das auch weiter sehr gut machen“, sagte Heise. „Aber das sind Schulen, die sich da schon in den letzten Jahren gut aufgestellt haben und entsprechende Technik und schnelle Internetanschlüsse haben“, so der Elternausschuss-Vorsitzende.

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