Berlin-Friedrichshain

Wie die East Side Gallery nun vor Sprayern geschützt wird

An dem Mauerstück werden Graffiti entfernt. Doch eine dauerhafte Sicherung erfordert mehr. Die Künstlerinitiative e.V. hat Großes vor.

Mit Spezial-Chemikalien werden die Tags und großflächigen Übermalungen entfernt.

Mit Spezial-Chemikalien werden die Tags und großflächigen Übermalungen entfernt.

Foto: Reto Klar

Die East Side Gallery wird erstmals seit 2009 wieder gereinigt. Seither wurde das Denkmal massenhaft mit Graffiti beschmiert. Die kommen nun runter, nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages 125.000 Euro bereitgestellt hat. Sie ergänzen die 125.000 Euro, die das Land Berlin zugesagt hatte. Am Montag läuteten zwei Vertreter des Ausschusses, Rüdiger Kruse (CDU) und Johannes Kahrs (SPD), die Sanierung gemeinsam mit Kani Alavi ein, Mauerkünstler und 1. Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V..

Die jetzige Reinigung mit Spezialchemie ist relativ einfach, weil 2009 eine Versiegelung aufgebracht worden war. Die verhinderte zwar nicht das zwischenzeitliche Beschmieren, erleichtert jedoch das Entfernen der Tags.

Ein Runder Tisch soll langfristige Maßnahmen klären – und deren Finanzierung

Eine perfekte Lösung ist das nicht. Denn tatsächlich ist nicht jedes Graffito wegzuschrubben. Die Mauerstücke werden zudem zerkratzt, so dass tiefgründige Restaurierungen nötig sind. Eine Dauerlösung muss her. Alavis Verein steht in Kontakt mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, dem Senat und der Denkmalschutzbehörde.

Ein Runder Tisch soll Anfang 2016 über die Zukunft des Kunstwerkes beraten. Dann könnten größere Veränderungen anstehen: Der East Side Gallery soll endlich der Schutz zukommen, der einem Kunstwerk zusteht. Dafür braucht es deutlich mehr Schutz – und mehr Geld. Als Sofortmaßnahme wird vor Teilen der East Side Gallery in den kommenden Tagen ein Zaun aufgestellt. Dazu auffällige Hinweistafeln, die auf den musealen Charakter und die politische Bedeutung des Kunstwerkes aufmerksam machen. Die (naive?) Hoffnung: Die Tafeln sollen informieren und aufklären und potenzielle Sprayer vom Griff zur Farbdose abhalten.

Gehweg könnte verbreitert werden, um das Denkmal besser präsentieren zu können

Der angestrebte Runde Tisch soll dann klären, wie es weitergeht. Klar ist: Ein schnöder Bauzaun ist unpassend. Mittelfristig könnte die Parkspur vor der East Side Gallery wegfallen und der Gehweg breiter werden, um Platz für Zaun und Besucher zu schaffen. Zusätzlich könnte ein Wachschutz sicherstellen, dass Beschädigung unterbleibt.

Wer Träger des 1300 Meter langen Kunstwerkes werden soll, ist offen. Denkbar wäre eine Trägerschaft des Bezirks, des Landes Berlin oder der Berliner Mauerstiftung. Letztere hat dies bislang wegen der anderen inhaltlichen Ausrichtung abgelehnt, die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten – sieht in erster Linie den Bezirk in der Pflicht.

In Südkorea entsteht ein Kunstwerk nach Berliner Vorbild

Am liebsten würde die Künstlerinitiative die East Side Gallery als Nationaldenkmal sehen – angemessen der politischen Bedeutung und der besonderen Art, wie sich Künstler das Mauerstück nach der Wende spontan aneigneten.

Vielleicht keine überzogene Idee. Das weltweite Interesse an der East Side Gallery ist tatsächlich groß. Zum Beispiel in Südkorea. Dort soll in wenigen Tagen ein Monument nach deren Vorbild in Angriff genommen werden, berichtet Kani Alavi – als Friedenssymbol direkt an der Demarkationslinie.