Asyl in Berlin

Flughafen Tempelhof bereit für Flüchtlinge

Am Wochenende werden in Deutschland 10.000 Flüchtlinge erwartet, davon 1000 in Berlin. Im Flughafen Tempelhof werden Zelte aufgebaut.

Berlin - Bundeswehr und Feuerwehr bereiten das Flüchtlingscamp in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof vor

Berlin - Bundeswehr und Feuerwehr bereiten das Flüchtlingscamp in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof vor

Foto: Jörg Krauthöfer

Im ehemaligen Flughafen Tempelhof werden wahrscheinlich noch an diesem Wochenende die ersten Flüchtlinge untergebracht. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte der Berliner Morgenpost: „Wir bauen Tempelhof am Sonnabend und Sonntag für den Notfall (als Unterkunft, Anm. d. Red.) auf. Es sieht danach aus, dass wir das am Wochenende brauchen. Aus Österreich kommen außerplanmäßig noch einmal mehr als 10.000 Flüchtlinge nach Deutschland.“

In Berlin werden mindestens 1000 Flüchtlinge aus Österreich erwartet, die im Rahmen des Königsteiner Schlüssels verteilt werden. Sie sollen bereits in Bayern registriert worden sein. An "normalen" Werktagen erreichen etwa 250 bis 500 Asylbewerber die Hauptstadt.

In zwei Hangars des stillgelegten Flughafen Tempelhofs werden etwa 75 Zelte für die Asylsuchenden aufgebaut. Das Technische Hilfswerk brachte diese aus der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau nach Tempelhof. In ihnen finden jeweils zehn Personen Platz.

Zurzeit können auf dem Flughafengelände nur zwei Hangars für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden, weil nur in diesen beiden Strom zur Verfügung steht. Bis zu 1200 Menschen könnten dort laut Senator Czaja am Wochenende unterkommen. In Spandau hatten in den Zelten 750 Menschen Platz gefunden. Wie in den Hangars mehr Platz geschaffen werden soll, ist noch unklar.

Vor dem Aufbauen mussten die Zelte allerdings noch trocknen. Mitarbeiter der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks bauten bereits Doppelstockbetten auf, sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding. Senator Czaja erklärte, für Verpflegung und auch medizinsche Versorgung sei vor Ort gesorgt. "Heute Abend wird die neue Notunterkunft dann zur Verfügung stehen", sagte er. Wann die Flüchtlinge genau in Berlin eintreffen, ist noch nicht bekannt.

Czaja warnte vor dem falschen Eindruck, dass das Gebäude oder auch das Kongresszentrum ICC das Problem fehlender Heimplätze in Berlin lösen könnte. „Das sind zwar große Namen, aber keine wirklich großen Unterkünfte“, sagte der Berliner Morgenpost.

In Spandau waren am Mittwoch die letzten Zelte abgebaut worden. Dort hatten in insgesamt 75 Zelten vorübergehend 750 Asylbewerber gelebt. Die letzten 230 Flüchtlinge wurden in der neuen Unterkunft an der Mertensstraße in Hakenfelde untergebracht. Rund 1000 Menschen wohnen weiterhin im Kasernengebäude, das sonst von der Berliner Polizei genutzt wird.

Seit Monaten waren Hangars auf dem ehemaligen Flugfeld als Notunterkünfte im Gespräch. Nun ging es unter dem Druck der vielen neu ankommenden Flüchtlinge schneller als angekündigt.

Aus Bayern werden jeden Tag mindestens ein Zug und zusätzlich zwei oder drei Busse in Berlin erwartet, sagte Czaja. Am Sonnabendvormittag traf ein IC mit 313 Flüchtlingen in Schönefeld ein. Davon nimmt Berlin 113 Menschen auf. Sie wurden in der Notunterkunft an der Glockenturmstraße im Olympiapark untergebracht, ebenso wie die in der letzten Nacht mit drei Bussen nach Berlin gebrachten 150 Flüchtlinge.


Darüber hinaus reisten täglich viele Asylbewerber selbständig nach Berlin, hieß es seitens der Sozialbehörde. So seien mitten in der Nacht zu Sonnabend 130 Menschen unangekündigt in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Motardtstraße in Spandau angekommen. Sie seien unangekündigt aus anderen Bundesländern nach Berlin verteilt worden. In der Einrichtung gab es allerdings keine freien Plätze mehr. So wurden für die Neuankömmlinge über den Landesweitern Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagent in der Nacht neue Unterkünfte organisiert. Die Plätze in den vorhandenen 90 Unterkünften seien damit im Moment vollständig ausgelastet, so der Sozialsenator.