Bahnhof Friedrichstraße

S-Bahn investiert elf Millionen Euro – und keiner sieht es

Millimeterarbeit: Bis die Bahn am Bahnhof Friedrichstraße fertig gebaut hat, dauert es noch Monate.

Ein Arbeiter kümmert sich um die Stahlträger unter dem Bahnsteig

Ein Arbeiter kümmert sich um die Stahlträger unter dem Bahnsteig

Foto: Amin Akhtar

Wenn nicht einmal die Igeb ein Haar in der Suppe findet, muss wohl wirklich alles okay sein. „Es ist gut, dass der Bahnhof Friedrichstraße offenbar im Zeitplan liegt“, vermeldete der Berliner Fahrgastverband am Dienstag nach einem Besichtigungstermin auf der Baustelle. Nach fast zwei Jahren scheint der Problemfall Friedrichstraße so langsam gelöst.

Es begann im Dezember 2013, als ein 25 Kilogramm schwerer Betonklotz in die Bahnhofshalle stürzte und mit viel Glück niemanden verletzte. Die Ursache: Baupfusch. Die Lager der Fernbahngleise waren während Sanierungsarbeiten Mitte der 90er-Jahre fälschlicherweise mit Beton verbaut worden. Bei der jetzigen Konstruktion wurden die Lager um zwei bis drei Millimeter angehoben, damit Schwingungen ausgeglichen werden können.

Insgesamt 244 Lager wurden neu eingesetzt, 200 Tonnen Mauerwerk und 35 Tonnen Stahl verbaut. Von den Arbeiten betroffen waren nur die Fernbahngleise 1 bis 4, hier soll der Verkehr nach derzeitigem Stand ab 23. November wieder ohne Einschränkungen rollen. Die S-Bahn blieb erst einmal verschont, allerdings wird auch sie nächstes Jahr wieder gesperrt – für mindestens zwei Monate.

Der Schall darf nicht mehr springen

In der Bahnhofshalle müssen die mehr als 200.000 Fahrgäste, die den Knotenpunkt in Mitte täglich nutzen, noch bis Frühjahr 2016 mit den Bauarbeiten leben. Dort stehen noch Baugerüste, ein Teil der Decke ist offen. Die Deutsche Bahn erneuert in der Passage die Technik für Kommunikation und Brandschutz, die Brandmelde- und Sprinkleranlagen.

Für bessere Lautsprecherdurchsagen wurden neue Deckenplatten eingebaut. Sie sind perforiert, also mit Löchern versehen. „So springt der Schall nicht mehr hin und her, wie bei der alten, glatten Decke“, erklärt Bahn-Ingenieur Thomas Hickisch.

Insgesamt 10.000 Quadratmeter Decke musste die Bahn erneuern. Eine Schwierigkeit bestand darin, trotz Arbeiten an den Stromkabeln die Versorgung des Bahnhofs „unter rollendem Rad“, sprich bei laufendem Betrieb, zu gewährleisten. Wegen der Arbeiten in der Halle musste ein Teil der Shops in der Passage bis zu drei Monate schließen. Laut Bahn wurden die Mieter für die Ausfälle entschädigt. Inzwischen sind bis auf drei alle 50 Geschäfte wieder geöffnet.

Sind sämtliche Arbeiten abgeschlossen, ist der Bahnhof zwar sicherer und für die nächsten Jahrzehnte gerüstet, optisch besteht aber kaum ein Unterschied. „Eigentlich schade“, sagt Hickisch, „wie haben elf Millionen Euro investiert, und keiner bekommt es mit.“