Verkehr

Am S-Bahnhof Warschauer Straße wird wieder gebaut

Wegen Planungsfehlern waren die Bauarbeiten ins Stocken geraten. Der Bahnhof wird frühestens im Spätsommer 2017 fertig.

Der S-Bahnhof Warschauer Straße ist einer der am stärksten genutzten Bahnhöfe im gesamter Berliner S-Bahn-Netz

Der S-Bahnhof Warschauer Straße ist einer der am stärksten genutzten Bahnhöfe im gesamter Berliner S-Bahn-Netz

Foto: Paul Zinken / dpa

Nach monatelangem Stillstand haben die Baufirmen am S-Bahnhof Warschauer Straße die Arbeiten wieder aufgenommen. Derzeit werden als bauvorbereitende Maßnahmen Gerüste aufgestellt, ab Ende August soll mit Tiefbauarbeiten begonnen werden, bestätigte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Zudem sollen ab Ende des Monats auch Stahl-Bewehrungen für geplante Betonelemente montiert werden.

Wie berichtet, war der Bau neuer Bahnsteige und eines neuen Empfangsgebäudes für die stark frequentierte Station wegen Planungsfehlern ins Stocken geraten. Demnach wiesen die für die Baufirmen erstellten Ausführungsunterlagen erhebliche Mängel auf und konnten daher nicht freigegeben werden. Dies habe ein Sachverständiger kurz nach Beginn der Arbeiten im Jahr 2014 festgestellt, sagte ein Bahn-Sprecher im Juli.

85.000 Fahrgäste steigen hier jeden Tag ein und aus

Die Ursachen für die Fehlplanung sollen schon in mangelhaften Unterlagen stecken, die dem Planfeststellungsbeschluss von 2012 zugrunde lagen. Wie es dazu kam, ist bislang unklar. Die Bahn wollte die erneute Bearbeitung der Bauunterlagen jedoch nutzen, um auch die Pläne für die im Gebäude geplanten Geschäfte und die Gastronomie zu überarbeiten.

Der Bahnhof Warschauer Straße in Friedrichshain ist einer der am stärksten genutzten im gesamten Berliner S-Bahn-Netz. Rund 85.000 Fahrgäste steigen hier täglich ein oder aus. Genutzt wird er vor allem von Partygängern, die die Clubs auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße besuchen wollen. Auch viele Besucher der Veranstaltungen und Sport-Events in der nahen Mercedes-Benz-Arena (früher O2 World) nutzen die S-Bahn für die An- und Abreise. Seit Jahren schon stehen ihnen nur provisorische Treppen, Übergänge und Unterstellmöglichkeiten zur Verfügung. Die alte Empfangshalle war wegen des geplanten Neubaus bereits 2005 abgerissen worden.

Zweiter Bahnsteig wird voraussichtlich vor Fertigstellung in Betrieb genommen

Insgesamt verzögert sich die Fertigstellung der neuen Empfangshalle jedoch mindestens um ein Jahr. An dieser Prognose habe sich mit der bevorstehenden Wiederaufnahme der Arbeiten nichts geändert, sagte die Unternehmenssprecherin. Statt 2016, wie noch auf der Webseite für das Projekt vermerkt rechnet die Bahn nun erst mit einer Fertigstellung im Spätsommer 2017. Zuvor soll aber der dringend benötige zweite Bahnsteig in Betrieb genommen werden.

Der Umbau des S-Bahnhofs Warschauer Straße ist Teil der 2006 begonnen umfassenden Modernisierung des Bahnhofs Ostkreuz und der Bahnstrecke zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof. Dabei soll auch der bisherige Linienverkehr auf einen Richtungsverkehr umgestellt werden. Das heißt, wie am Ostbahnhof werden künftig auch am Ostkreuz und an der Warschauer Straße alle S-Bahnen stadteinwärts vom nördlichen Bahnsteig sowie alle Bahnen stadtauswärts vom jeweils südlichen Bahnsteig abfahren. Bislang halten die Züge der Erkner-Linie S3 in beiden Richtungen an einem Bahnsteig, und die Züge der S5, S7 und S75 am anderen Bahnsteig. Durch den Richtungsverkehr werde sich für viele Fahrgäste das Umsteigen erheblich vereinfachen.

U-Bahn-Linie soll bis Ostkreuz verlängert werden

Der Vorteil der Bauverzögerung könnte jedoch für ein anderes Verkehrsprojekt von Vorteil sein. Denn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen ihre U-Bahn-Linie möglichst bis zum Ostkreuz verlängern. Derzeit endet die Linie an der Warschauer Brücke. Wer in die S-Bahn umsteigen will, muss einen längeren Fußmarsch absolvieren. Zwar gibt es beim Senat, der das Geld für das Millionenprojekt bereitstellen müsste, noch keine Zustimmung zu dem Vorhaben. Allerdings sieht die BVG es als sinnvoll an, die jetzige Umbauphase an der Warschauer Straße zu nutzen, um zumindest Vorkehrungen zu treffen.

So ist geplant, die U-Bahn oberirdisch in Richtung Ostkreuz zu bauen. Dafür sind entsprechend Stützpfeiler notwendig, deren Fundamente jetzt schon gelegt werden könnten. Allerdings ist die auch die genaue Gleisführung nicht entschieden. Geprüft werden derzeit sowohl eine Trasse zwischen den Bahngleisen, als auch nördlich der S-Bahn. Letztere würde dann allerdings über das Werksgelände von Talgo führen. Darüber ist der Deutschland-Ableger des spanischen Unternehmens, der dort unter anderem Schlafwagen für die Deutsche Bahn wartet, alles andere als erfreut.

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