Nahverkehr

Zu wenig Fahrer - BVG stellt zwei Tram-Linien ein

Während der Sommerferien sollen Überstunden abgebaut werden. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die falsche Personalplanung der BVG.

Blick auf eine Straßenbahn Haltestelle der Linie 18 inl Hellersdorf. Diese Tram fährt am Wochenende vorerst nicht mehr

Blick auf eine Straßenbahn Haltestelle der Linie 18 inl Hellersdorf. Diese Tram fährt am Wochenende vorerst nicht mehr

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Weil Straßenbahn-Fahrer fehlen, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt erstmals ihr Fahrplan-Angebot reduziert. Auf den Linien 18 (Hellersdorf – S-Bahnhof Springpfuhl) und 67 (S-Bahnhof Schöneweide – Krankenhaus Köpenick) fahren an den Wochenenden keine Bahnen mehr, wie das landeseigene Unternehmen jetzt mitteilte. Bislang gab es auf diesen Linien nur sonntags keinen Zugverkehr, nun werde dies auf den Sonnabend ausgeweitet, heißt es. Bereits in den vergangenen Wochen häuften sich die Klagen von Fahrgästen und Kundenverbänden, dass es vor allem bei der Straßenbahn immer wieder zu Ausfällen und Verspätungen kommt, weil es zu wenige Tram-Fahrer gibt.

Nun spricht auch die BVG offiziell von einer „knappen Personaldecke“. Diese habe zudem zu einer Anhäufung von Überstunden geführt. „In Abstimmung mit unserer Personalvertretung nutzen wir insbesondere die nachfrageschwächere Zeit der großen Ferien vorrangig zum Abbau von Überstunden“, lässt sich Tram-Bereichsleiter Klaus-Dietrich Matschke zitieren. Nicht ohne den Hinweis darauf, dass die Überstunden auch während der Lokführerstreiks bei der S-Bahn angefallen seien, als die Straßenbahn gerade im Osten der Stadt Mehrleistungen erbringen musste.

BVG sieht „Rente mit 63“ als Grund

Die Linien 18 und 67 würden sich für die „veränderten Betriebszeiten“ anbieten, da ihr Streckenverlauf auch von anderen Straßenbahnlinien bedient wird. Demnach würden alle Haltestellen der 18 und der 67 auch von den Linien M8 sowie M6 und 63 sowie 27 angefahren, heißt es. Diese Maßnahme trägt laut Matschke dazu bei, „die Belastung unserer Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer zu reduzieren und die Gesamtsituation zu entspannen“.

Über die Ursachen für den Personalmangel gibt es unterschiedliche Auffassungen. Vertreter der Gewerkschaft Verdi sehen eine mangelhafte Personalplanung als Hauptursache für die Probleme an. So sei in der Vergangenheit zu wenig Nachwuchs gewonnen worden. Zudem hätte das Unternehmen mit falschen Ausfallquoten geplant. Demnach gehe die BVG von einem Krankenstand von fünf Prozent aus, real würde dieser – nicht zuletzt wegen der hohen Belastung – bei mehr als zehn Prozent liegen. Folge: Dienste könnten nicht besetzt werden, Fahrten fallen dann aus. Verdi kritisiert zudem, dass neue Fahrer nur befristete Verträge erhalten, um häufig kranke Mitarbeiter wieder zu entlassen.

Die BVG sieht vor allem die „Rente mit 63“ als Grund für die Personalnot an. Die Regelung wurde stärker als gedacht in Anspruch genommen. Besserung sei aber in Sicht. „Wir bilden derzeit massiv aus, sodass sich die schwierige Situation bis zum Schulbeginn entspannt und bis Ende des Jahres gelöst haben sollte“, hofft Sprecherin Petra Reetz. Die BVG halte sich an das Gesetz, nachdem es erlaubt sei, neue Verträge bis zu zwei Jahre unbegründet zu befristen. „Wir sind ein Unternehmen, in dem normalerweise nicht entlassen wird, aber dafür benötigen wir zuverlässige Mitarbeiter, die für Stabilität im Ablauf sorgen“, sagt sie. Fahrer, die immer wieder montags und freitags fehlen, würden dazu nicht beitragen.

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