Nahverkehr in Berlin

Stadtbahn zwischen Zoo und Alex für drei Monate gesperrt

Nächste Geduldsprobe für Bahnkunden in Berlin: Ab Ende August wird die Stadtbahn zwischen Zoo und Alex gesperrt - nur die S-Bahn darf dann noch fahren. Die Ursache: Bausünden aus der Vergangenheit.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Nach den Lokführerstreiks kommen die Baustellen: Bahnkunden steht die nächste große Geduldsprobe bevor. Ab Ende August wird die Stadtbahn zwischen Zoologischer Garten und Alexanderplatz für rund drei Monate gesperrt – nur die S-Bahn darf dort noch fahren.

Die Bahn muss am Hauptbahnhof und am Bahnhof Friedrichstraßen schwere Bausünden aus der Vergangenheit beseitigen. Das kostet fast 20 Millionen Euro und die Bahnreisenden viel Zeit.

Wichtigstes Projekt der Bahn ist die Erneuerung der sogenannten Fahrbahnübergangskonstruktionen im Bereich des Hauptbahnhofs. Die zwischen den einzelnen Brücken montierten Stahlkonstruktionen sind noch keine zehn Jahre alt, müssen aber aufgrund erheblicher Qualitätsmängel dringend ausgetauscht werden.

„Das war möglicherweise auch dem Zeitdruck geschuldet“, konstatierte Helge Schreinert von der für die Arbeiten zuständigen DB Netz AG. Damit der Hauptbahnhof zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland rechtzeitig fertig wird, ließ der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nicht nur das Hallendach verkürzen. Auch viele andere Bauabläufe wurden auf sein Geheiß „beschleunigt“.

Wie die Bahn relativ zu spüren bekam, ging das auch zu Lasten der Qualität. Bereits 2009 waren an den Konstruktionen Mängel entdeckt worden, die sich nicht reparieren ließen. Zwar können weiter Züge über die Stadtbahn fahren, dies allerdings nur einer auf 40 Stundenkilometern verringerten Höchstgeschwindigkeit.

Vollsperrung der S-Bahn-Trasse im Sommer 2016

Die Bahn muss nun alle 38 Fahrbahnübergangskonstruktionen komplett erneuern, in diesem Jahr kommen zunächst die ersten zwölf Übergänge im Bereich der Fernbahntrasse dran. Im nächsten Jahr folgen dann 14 Übergänge im Bereich der S-Bahn. Dann wird es wieder eine mehrwöchige Vollsperrung geben, dann aber in der Sommerpause, wie die Bahn ankündigt.

Die Sperrung in diesem Jahr nutzt die Bahn, um gleich zahlreiche andere notwendige Arbeiten mit zu erledigen. So werden 125 Brückenlager im Bahnhof Friedrichstraße erneuert, ebenfalls die teure Konsequenz einer Bausünde während der Sanierung der Station Mitte der 1990er-Jahre.

Hinzu kommt der Austausch von Schienen zwischen Charlottenburg und Spandau. Die Folge ist ein umfangreiches Umleitungskonzept für große Teile des Fern- und Regionalbahnverkehrs in der Hauptstadt. Die Hauptlast muss dabei die S-Bahn tragen, die ohne Einschränkungen weiter auf der Stadtbahntrasse fahren kann.

Die Sperrungen beginnen unmittelbar nach Ende der Sommerferien, wenn fast alle Berliner und Berufspendler wieder in die Stadt zurückgekehrt sein werden. Ein anderer Terminplan sei aber von den Bauabläufen her nicht möglich gewesen, erklären die Verantwortlichen der Bahn.

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