Millionenbetrag

Senat kürzt Zuschuss für S-Bahn wegen Unpünktlichkeit

Die Berliner S-Bahn kommt nicht aus der Krise. Vor allem wegen der Unpünktlichkeit der Züge verliert das Unternehmen 9,6 Millionen Euro.

Foto: Christoph Soeder / dapd

Die Berliner S-Bahn verliert weiter Millionenbeträge, weil Züge ausfallen, zu kurz oder unpünktlich sind. Allein von Januar bis September dieses Jahres hat das Land Berlin seine Zahlungen an das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn um 9,6 Millionen Euro gekürzt.

Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Parlamentsanfrage des CDU-Verkehrsexperten im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, hervor. Seit 2008 hat das Land damit inzwischen etwa 140 Millionen Euro weniger als vereinbart an die S-Bahn überwiesen. Allein im vergangenen Jahr flossen nach der vorläufigen Abschlussrechnung 46 Millionen Euro weniger als die vereinbarten etwa 240 Millionen Euro.

Abzüge gab es vor allem wegen mangelnder Pünktlichkeit. Geld strich der Senat zudem, weil weniger Fahrzeuge als vereinbart im Einsatz waren, weil Züge durch Störungen ausfielen und Kunden in Befragungen auch mehr als drei Jahre nach Beginn der S-Bahn-Krise immer noch unzufrieden mit der Qualität von Verkehrsangebot, Zügen und Bahnhöfen der S-Bahn sind.

Keine Ersatzfahrzeuge

Auch aktuell schafft es das Unternehmen noch nicht, zumindest das Vorkrisenniveau zu erreichen. Im Frühjahr 2009 hatte die S-Bahn zuletzt alle Linien bedient, durchschnittlich waren damals in der Hauptverkehrszeit 546 Doppelwagen im Einsatz. Nach Angaben der Senatsverwaltung waren es im vergangenen September täglich nur 483 bis 507. Das reiche nicht einmal, um den aktuell gültigen Fahrplan mit der immer noch eingestellten Linie S85 vollständig zu erfüllen, teilte die Verwaltung mit. Nötig wären dafür in der Hauptverkehrszeit 511 der sogenannten Viertelzüge (Vz). „Darüber hinaus ist die Fahrzeugreserve seit Monaten mit 0 Vz angegeben“, schreibt Staatssekretär Christian Gaebler in seiner Antwort auf die CDU-Anfrage.

Die Folgen spüren die Fahrgäste fast tagtäglich: Fällt kurzfristig ein Zug aus, fehlt in der Regel ein Ersatzfahrzeug. Die fehlende Reserve führt auch dazu, dass etwa Züge mit Türstörungen oder Vandalismusschäden länger als von der S-Bahn eigentlich gewünscht im Einsatz bleiben müssen. Als einen Grund für den anhaltenden Fahrzeugengpass nennt die Senatsverwaltung die schleppende Reaktivierung von Zügen der noch zu DDR-Zeiten entwickelten Baureihe 485. Fünfzehn der geplanten Rückkehrer stehen immer noch nicht für die Verstärkung der Flotte zur Verfügung. Für kurzfristige Ausfälle sorgten zuletzt außerdem viele Infrastrukturstörungen an Weichen, Signalen und in Stellwerken.