Lange Wartezeiten

Baustelle und Bombensuche stören Berlins S-Bahnverkehr

Verspätungen sind bei der Berliner S-Bahn derzeit an der Tagesordnung. Nun verursachte die Suche nach Blindgängern zusätzliche Probleme.

Foto: Christoph Soeder / dapd

„Sehr geehrte Fahrgäste, der Zug der Linie S2 hat wenige Minuten Verspätung.“ Fast täglich hören S-Bahn-Fahrgäste im Norden Berlins derzeit solche Durchsagen. Weil zwischen Wollankstraße und Schönholz die Gleise erneuert werden, die Stammstrecke der Linie S1 dort gesperrt ist, wird es auf der anderen Nord-Süd-Strecke eng. Zusätzlich zu den Linien S2, S8 und S9 fahren zwischen Pankow und Bornholmer Straße nun auch die umgeleiteten S1-Züge. Die Trasse sei dafür eigentlich leistungsfähig genug, sagte am Montag ein S-Bahnsprecher. „Wenn ein Zug zu spät kommt, kann das aber den Verkehr auf der ganzen Strecke ins Stocken bringen.“ Dabei handele es sich aber nur um Einzelfälle. Dass es grundsätzlich ein Verspätungsproblem im Norden gibt, stritt der Sprecher ab.

Größere Probleme als die Gleisbaustelle auf der S1-Trasse bereitet nach S-Bahn-Angaben eine andere Sperrung. Weil am Bahnhof Oranienburg nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht wird, ist Birkenwerder seit Mitte September zum Knotenpunkt des Regionalverkehrs geworden. Drei Regionallinien müssten dort zusätzlich am Bahnsteig der S-Bahn abgefertigt werden, sagte der Sprecher. Die S1 müsse nötigenfalls warten.

Die S-Bahn wirbt aber um das Verständnis ihrer Kunden. „Wir bauen bei laufendem Betrieb, da sind einzelne Verspätungen leider nicht zu vermeiden“, sagte der Sprecher. Die Alternative sei, das Angebot der Zugverbindungen im Norden deutlich auszudünnen. „Dann wären wahrscheinlich alle Züge pünktlich, aber auch entsprechend überfüllt.“

Vom 5. November an soll sich die Situation deutlich entspannen. Dann enden die Gleisarbeiten, die S1 kann dann wieder auf der gewohnten Strecke nach Oranienburg fahren. Eine Verzögerung sei nicht zu erwarten, sagte jetzt Projektleiterin Gabriele Neumann. Alle Arbeiten lägen im Zeitplan. Seit zwei Wochen sind die Linien S1 und S25 unterbrochen, weil die Bahn die stadteinwärts führenden, fast 30 Jahre alten Gleise zwischen Wollankstraße und Schönholz erneuert. 2000 Schwellen, 2600 Meter Schienen und gut 2500 Tonnen Schotter werden ausgetauscht. Auch das Gleis stadtauswärts wurde zuletzt 1983 erneuert und steht irgendwann zur Sanierung an. Projektleiterin Neumann kann die Fahrgäste aber vorerst beruhigen: „In den nächsten zwei Jahren sind keine neuen Arbeiten geplant.“