Verkehrschaos

S-Bahn in Berlin auf freier Strecke evakuiert

Chaos auf der Schiene - der S-Bahn-Verkehr zwischen Schöneweide und Baumschulenweg stand stundenlang still. Auch auf der Avus gab es Stau.

Foto: Marc Tirl / dpa

Die erste Arbeitswoche nach den Herbstferien hat für viele Berliner gleich mit Stress und Staus begonnen. Sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße herrschte im morgendlichen Berufsverkehr viel Stillstand. Besonders betroffen waren Pendler, die aus dem Berliner Südosten oder dem Südwesten in die Innenstadt unterwegs waren. Die einen kamen mit der S-Bahn nicht voran, die anderen saßen mit ihren Autos in einem kilometerlangen Stau auf der Autobahn A115 fest.

Gleich fünf S-Bahn-Linien waren am Morgen wegen eines umfangreichen Polizei- und Feuerwehreinsatz in der Nähe des S-Bahnhofs Baumschulenweg unterbrochen. Die S-Bahn musste den Zugverkehr zwischen Schöneweide und Baumschulenweg von 7.45 bis etwa 9.15 Uhr einstellen. Betroffen davon waren die Linien S8, S9, S45, S46 und S47. Nach Angaben der S-Bahn wurde zeitweise ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

500 Fahrgäste evakuiert

Besonders schwierig war die Lage für etwa 500 Fahrgäste, die wegen des Einsatzes in einem Zug der Linie S8 (Zeuthen–Birkenwerder) kurz vor dem S-Bahnhof Baumschulenweg eingeschlossen waren. Die Evakuierung der Reisenden hat sich laut einem Bahnsprecher als besonders schwierig erwiesen, weil der Zug auf freier Strecke auf einer Brücke über dem Britzer Zweigkanal zum Stehen gekommen war.

„Es mussten erst einmal ausreichend Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr herangeführt werden, bevor wir mit der Evakuierung des Zuges beginnen konnten“, so der Bahnsprecher. Weil die vier Wagen des Zuges nur einzeln nacheinander geräumt werden konnten, dauerte die gesamte Evakuierung etwa eine dreiviertel Stunde.

„Trotz der nicht einfachen Lage haben sich die Fahrgäste sehr diszipliniert verhalten“, sagte der Bahnsprecher. Die Züge der Linie S47 konnten den gesamten Tag über nur zwischen Schöneweide und Spindlersfeld fahren.

Ferienheimkehrer mit Pech auf der Avus

Für weitere Probleme im Berliner S-Bahn-Verkehr am Montagmorgen sorgte auch noch eine Weichenstörung im Bereich des Berliner Ostbahnhofs. Von 7 bis 11.10 Uhr konnten die Züge zwischen Ostbahnhof und Jannowitzbrücke in beiden Richtungen nur noch über ein Gleis fahren.

Nach Bahnangaben kam es dadurch auf den Linien S5, S7 und S75 zu Verspätungen und Zugausfällen. Die Züge der S75 konnten den gesamten Vormittag über nur zwischen Wartenberg und Lichtenberg fahren. Auf der Linie S5 entfielen am Nachmittag die Verstärker-Fahrten zwischen Mahlsdorf und Ostbahnhof.

Wer am ersten Arbeitstag nach den Herbstferien mit dem Auto in die Innenstadt wollte, hatte aber auch nicht viel mehr Glück. Kilometerlang staute sich der Verkehr am Montagmorgen auf der Autobahn A115 (Avus) stadteinwärts. Seit Juni gibt es wegen der laufenden Fahrbahnsanierung zwischen den Anschlussstellen Spanische Allee und Hüttenweg nur eine Fahrspur.

Chaos durch „Verkettung von Ursachen“

Beinahe täglich stauen sich die Autos vor dem Engpass, doch der Stau vom Montag war selbst für die Experten der Verkehrslenkungsbehörde „in der Länge ungewöhnlich“, wie eine Sprecherin bestätigte. Bis zur Autobahn-Anschlussstelle Babelsberg reichte die Schlange der festsitzenden Autofahrer zeitweilig zurück. Und das ohne zusätzliche Beeinträchtigungen, etwa durch Unfälle. „Grund für den Stau war offenbar eine Verkettung von Ursachen“, so die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung.

Die Baustelle, das erhöhte Verkehrsaufkommen nach dem Ende der Herbstferien und das Regenwetter hätten zusammen das Chaos auf der Avus ausgelöst. Besserung für die Autofahrer ist erst in einigen Wochen in Sicht. Erst im November soll die Avus nach ihrer umfassenden Sanierung zwischen der Anschlussstelle Spanische Allee und dem Dreieck Funkturm wieder komplett für den Verkehr freigegeben werden, immerhin zehn Monate früher als ursprünglich geplant.

Dass die Autobahn möglicherweise noch früher fertig sein wird, wollte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Montag nicht bestätigen. Obwohl auf den sanierten Abschnitten schon Markierungsarbeiten laufen, gehe die Behörde immer noch vom zuletzt genannten Termin Ende November aus, sagte Sprecherin Petra Rohland.

Unsicherheitsfaktor Wetter

Ein Unsicherheitsfaktor für den Abschluss der rund 28 Millionen Euro teuren Grundsanierung sei dabei das Wetter. Für einige Restarbeiten benötigten die Bautrupps zwingend trockenes Wetter, sagte sie auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Auch mögliche frühe Frosteinbrüche könnten die Planung die Fertigstellung noch verzögern.

„Wir werden jetzt nicht sagen, dass wir früher eröffnen, bevor wir wissen, dass wir dieses Versprechen auch halten können“, so die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Auch in der Berliner Innenstadt gibt es seit Montag ein neues Nadelöhr.

Wie berichtet ist das Friedrich-List-Ufer am Hauptbahnhof zwischen Rahel-Hirsch-Straße und Invalidenstraße seit Wochenbeginn für etwa 30 Monate gesperrt. Dort entsteht in den kommenden Wochen die Baugrube für die Nord-Süd-Anbindung des Hauptbahnhofs mit der neuen S-Bahnlinie S21. Eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke gibt es nicht. Vor allem Fahrgäste der BVG-Buslinien M85 und TXL mussten sich am Montagmorgen neu orientieren.

Einschränkung durch Bau der U5

Wegen der Sperrung werden beide Linien umgeleitet und stoppen an neu eingerichteten Haltestellen südlich des Hauptbahnhofs. Bereits seit Wochen sorgen die Arbeiten für den Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 für große Verkehrseinschränkungen auf der Friedrichstraße und der Straße Unter den Linden.

In den kommenden Nächten müssen zudem Autofahrer auf der Stadtautobahn A100/A111 mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Bereits am Montagabend begannen Wartungsarbeiten mit einer halbseitigen Sperrung des Tunnels Rathenauplatz.

Auch in der Nacht zu Mittwoch wird die Autobahn in Fahrtrichtung Norden zwischen der Anschlussstelle Schmargendorf und den Anschlussstellen Heckerdamm sowie Jakob-Kaiser-Platz voll gesperrt. In den Nächten zu Donnerstag und Freitag ist der gleiche Abschnitt in Richtung Süden gesperrt. Die Einschränkungen gelten jeweils von 22 bis 5 Uhr.