Abfertigungssystem

Berliner S-Bahn - Betriebsrat befürchtet Sicherheitslücken

Künftig sollen von den Haltestellen Mitarbeiter abgezogen werden. Zudem wird über ein Alkoholverbot an den Bahnhöfen diskutiert.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Sicherheitslage auf den Berliner S-Bahnhöfen könnte sich bereits im kommenden Jahr erheblich verschlechtern. Davor warnt eindringlich die amtierende Betriebsratsvorsitzende bei der S-Bahn Berlin GmbH, Birgit Reichert.

Die Arbeitnehmervertreterin verweist auf die ab 2013 geplante Einführung eines neuen Zugabfertigungssystems. Dabei kontrollieren die Lokführer über einen Monitor im Führerstand, ob alle Fahrgäste in den Zug eingestiegen sind, und geben sich dann selbst das Abfahrtssignal.

Parallel dazu plant die S-Bahn, die Zahl der Aufsichten auf den Bahnhöfen weiter zu reduzieren. Begründung: Die Mitarbeiter würden für die Zugabfertigung nicht mehr gebraucht. Künftig sollen nur noch 20 der 166 S-Bahn-Stationen während der Betriebszeit mit Personal besetzt sein. Für die Information und Beratung der Fahrgäste sollen dann 120 mobile Aufsichten sorgen, die „nachfrage- und lageabhängig“ auf Bahnhöfen eingesetzt werden.

Mit dem neuen Abfertigungssystem werde laut S-Bahn-Betriebsrat allein auf der besonders stark von Fahrgästen genutzten Ringbahn auf elf weiteren Bahnhöfen das Personal abgezogen. „Dabei bieten personalbesetzte Bahnhöfe den besten Schutz vor Übergriffen“, sagte Betriebsratschefin Reichert. Sie weist zudem Vorwürfe aus der Berliner Politik und der S-Bahn-Geschäftsführung zurück, der Betriebsrat würde eine Videoüberwachung der S-Bahnhöfe zur Verbesserung der Sicherheit der Fahrgäste verhindern. „Darüber können wir jederzeit reden. Doch bisher gab es dazu von der Geschäftsführung weder einen konkreten Antrag, noch war das überhaupt Thema unserer regelmäßigen Gespräche“, sagte Reichert zu Morgenpost Online.

Nur zehn S-Bahn-Stationen videoüberwacht

Nach mehreren Gewaltvorfällen auf Berliner S-Bahnhöfen hatten Innensenator Frank Henkel (CDU) und Verkehrssenator Michael Müller (SPD) gefordert, dass bei der S-Bahn die gleichen Sicherheitsstandards gelten müssten wie bei der landeseigenen BVG. Dort werden inzwischen alle 173 U-Bahnhöfe sowie ein Großteil der Busse und Bahnen videoüberwacht. Bei der S-Bahn sind lediglich die zehn Stationen mit Überwachungskameras ausgestattet, die auch für den Fern- und Regionalverkehr genutzt werden.

In einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bot Bahn-Chef Rüdiger Grube an, bis zu 54 S-Bahnhöfe mit Überwachungstechnik auszustatten. Bedingung sei aber, dass Berlin sich mit zwei Millionen Euro beteiligt, was vom Senat entschieden abgelehnt wird. Verantwortlich für die Ausstattung der Bahnhöfe sei der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn, heißt es.

Unterdessen ist die Debatte über ein Trinkverbot auf Bahnhöfen neu entbrannt. Hintergrund ist ein von der Bahn verhängtes Alkoholverbot in Nürnberg, das am Freitag in Kraft trat. Demnach ist in den Wochenendnächten im Hauptbahnhof der Konsum von Bier, Wein und Schnaps verboten – ausgenommen sind nur die Bahnhofslokale mit Schankerlaubnis. In Berlin seien solche Verbote derzeit nicht geplant, sagte ein Bahn-Sprecher: „In Nürnberg gibt es eine ganz spezielle, in Deutschland einzigartige Situation. Dort ist der Bahnhof abendlicher Treffpunkt der Partyszene.“ Berlins Innensenator Henkel spricht sich dagegen für ein Alkoholverbot in Bahnhöfen aus. „Alkoholkonsum spielt im Zusammenhang mit Gewaltdelikten eine große Rolle. Insofern würde er es begrüßen, wenn die Deutsche Bahn auch in Berlin ausgiebiger von solchen Maßnahmen Gebrauch machen würde“, sagte Henkels Sprecher Stefan Sukale.