Berliner S-Bahn

Bahn-Chef will über Kameras an Bahnhöfen verhandeln

Rüdiger Grube geht auf den Berliner Senat zu - will aber die Videoüberwachung nur ausbauen, wenn sich das Land finanziell daran beteiligt.

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Die Deutsche Bahn zeigt sich im Streit um die Videoüberwachung auf den Berliner S-Bahnhöfen gesprächsbereit. Das hat Bahnchef Rüdiger Grube jetzt in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bekräftigt. Wie ein Bahnsprecher am Freitag bestätigte, ist Grube laut dem Schreiben zu Verhandlungen bereit.

Grundsätzlich bleibt die Bahn aber bei ihrer bisherigen Linie. Sie sieht statt des verstärkten Einsatzes von Kameras bei ihrer Berliner Nahverkehrstochter zusätzliches Personal zur Erhöhung der Sicherheit vor. Derzeit werden nur S-Bahnhöfe, an denen auch Regional- und Fernzüge halten, von Sicherheitskameras überwacht. Die Videoüberwachung ausbauen will die Bahn nur, wenn sich das Land finanziell daran beteiligt. Das lehnt der Senat aber nach wie vor ab, wie Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Freitag betonte. Für die Sicherheit und deren Finanzierung seien der S-Bahn-Mutterkonzern Deutsche Bahn und ihr Eigentümer, der Bund, zuständig.

Betriebsrat kompromissbereit

Der Streit war nach mehreren gewalttätigen Übergriffen auf S-Bahnhöfen entbrannt. Bei der S-Bahn gibt es zwar auf vielen Bahnhöfen Videokameras, sie dienen aber lediglich der Abfertigung der Züge und nicht der Überwachung der Bahnsteige. Die Daten werden deshalb, und weil sich der S-Bahn-Betriebsrat bislang dagegen sperrte, auch nicht aufgezeichnet. Nach den Gewalttaten auf den Bahnhöfen Olympiastadion, Wuhlheide und Ahrensfelde zeigten sich die Personalvertreter aber zuletzt kompromissbereit.

Laut S-Bahnchef Peter Buchner wäre es technisch kein Problem, mit den vorhandenen Kameras auch Daten aufzuzeichnen, die nötigenfalls zur Aufklärung von Straftaten genutzt werden könnten. Allerdings sind die Kameras zur Abfertigung so ausgerichtet, dass sie nur die Seite des Zuges mit allen Türen und einen schmalen Streifen der Bahnsteigkante aufnehmen. Sie sind Teil eines umstrittenen Abfertigungssystems, dass die S-Bahn seit Jahren entwickelt und ab 2013 schrittweise einführen will. Die Triebfahrzeugführer sollen ihren Zug per Kamera und Monitoren im Führerstand künftig auf vielen Bahnhöfen selbst abfertigen. Derzeit ist das System auf fünf Bahnhöfen der Ringbahn in der Erprobung. Nach letzten Planungen soll es festes Bahnsteig-Aufsichtspersonal künftig nur noch auf 20 der insgesamt 166 S-Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg geben.