12 Stunden Berlin

Ein Besuch in der Kraftwerksanlage in Adlershof

| Lesedauer: 6 Minuten
Franz Michael Rohm
Kraftwerksleiter Felix Klinkenberg auf seinem Weg durch das Kesselhaus

Kraftwerksleiter Felix Klinkenberg auf seinem Weg durch das Kesselhaus

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Das Unternehmen BTB versorgt Gewerbe, Schulen, Krankenhäuser und 30.000 Wohnungen mit Warmwasser, Wärme und Strom – auch im Sommer.

Adlershof. 06:10 Der Energieversorger BTB arbeitet seit 1990 an Projekten dezentraler, effizienter Energiegewinnung überwiegend in ganz Berlin. Teile von Adlershof, Treptow und Köpenick über Neukölln bis nach Schönefeld werden über ein Verbundnetz versorgt, in das neben zwei weiteren Anlagen auch das Heizkraftwerk Adlershof einspeist. Früher befand sich am Standort das alte Kraftwerk Adlershof, das noch mit Schweröl betrieben wurde. Mittlerweile sind die Anlagen auf dem neuesten Stand und nutzen Erdgas als Primärenergiequelle. Ein Umspannwerk, fünf Blockheizkraftwerke, eine Gasturbine sowie vier Heizkessel gehören zum Komplex.

Das aus Charlottenburg aus geleitete Unternehmen hat mehr als 110 Mitarbeiter an vier Standorten. Die Anlage in Adlershof ist sowohl durch ihre Größe, als auch durch ihre Lage nahe der Autobahn 113 vielen Autofahrern bekannt. Besonders die nachts illuminierten Speichertanks sind gut sichtbar – und der rund 30 Meter hohe Schornstein. Thomas Heydemann führt einen kurzen Check im sogenannten Schachtauto durch. Das Servicefahrzeug verfügt über einen kleinen Kran, der Arbeiten in Schächten von Wärmeleitungen erleichtert. Der 50-Jährige aus Köpenick zählt zum Urgestein der Firma. Seit 1998 arbeitet er bei der BTB. Früh macht sich der Teamleiter für den Bereich Wärmenetze auf den Weg zu einer Übergabestation in Adlershof, um dort Absperr­armaturen zu prüfen.

07:50 An einem der vier großen Blockheizkraftwerke mit 2,2 MW Leistung wechselt Alexander El Jundi an einem erdgasbetriebenen 20-Zylinder-Motor die Zündkerzen. Ursprünglich war der 2700-PS-Motor ein Schiffsmotor, heute treibt er einen Generator zur Stromerzeugung an und sorgt dafür, dass Wasser erhitzt wird. Dieses wird in fünf gigantischen Speichern vorgehalten, aus denen ein mehr als 130 Kilometer langes Fernwärmenetz im Südosten der Stadt gespeist wird. Seit sechs Jahren arbeitet der sportliche Heizungsinstallateur im Unternehmen.

08:30 Elektroniker Marcel Galinski prüft die Temperatur in den fünf riesigen Wärmespeichern. „Die Wassertemperatur in den Speichern liegt derzeit oben in den Behältern bei rund 115 Grad, unten bei 65 Grad.“ Damit werden unter anderem Wohnungen in Rudow versorgt. „Das Besondere an Blockheizkraftwerken ist, dass sie ressourcenschonend sowohl Strom als auch Wärme durch effiziente Kraft-Wärme-Kopplung gewinnen. Wir nutzen zusätzlich die hohen Abgastemperaturen zur Wärmeproduktion und steigern damit die Effizienz weiter“, erklärt der Spandauer.

09:50 Zusammen mit einem externen Gutachter prüft Johannes Hinrichsen, Leiter für den Bereich Energiewirtschaft, die Idee zu einem neuen Kraftwerksbau auf ihre Wirtschaftlichkeit. „Es geht dabei um eine Kombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmepumpe“, sagte der 57-Jährige.

10:20 Hoch konzentriert geht es im Vorzimmer der Geschäftsführung zu. „Der Chef muss kurzfristig einen wichtigen Termin in Essen wahrnehmen“, erklärt Natascha Schulz. Die 30-Jährige aus Großbeeren ist Assistentin des Geschäftsführers Martin Mahlberg. Unter anderem hat sie seinen Terminkalender im Griff und organisiert seinen Tagesablauf.

11:10 Kraftwerksleiter Felix Klinkenberg verschafft sich im Kesselhaus von ganz oben einen Überblick. Normalerweise erzeugt hier eine riesige Gasturbine Strom und deren Abwärme wird zur Heißwassererzeugung genutzt. Heute muss der Brenner gewartet werden und so ergibt sich die Möglichkeit, Pumpen und Leitungen unter dem Dach zu inspizieren. „Bei Betrieb herrscht hier oben eine enorme Hitze“, sagt der 59-Jährige. Ursprünglich hatte er Schiffsbetriebstechnik studiert, „jetzt bin ich schon über zwanzig Jahre im Energiebereich tätig“.

12:40 In der Leitstelle laufen auf mehr als einem Dutzend Bildschirmen alle wichtigen Informationen zusammen. Die hat seit drei Jahren Betriebsingenieur Viktor Frisorger im Blick. Der 38-Jährige aus Hoppegarten kontrolliert den reibungslosen Betriebsablauf. Um eine optimale Effizienz zu erreichen, erstellt er täglich Reports und Analysen zur Fahrweise der Anlagen. Außerdem ist der Vater zweier Kinder für die IT-Sicherheit der Anlage zuständig. „Energieerzeugung ist ein hochsensibler Bereich“, meint Frisorger.

13:10 Geschäftsführer Martin Mahlberg kommt von einem Termin und ist auf dem Sprung zum nächsten in Essen. Es geht um die Planung neuer Kraftwerke in den kommenden Jahren für Berlin. Seine Aufgabe in der BTB vergleicht der 40-Jährige gern mit der eines Dirigenten. „Meine Hauptaufgabe ist es, alle Abteilungen, wie zum Beispiel Einkauf, Vertrieb und die technischen Unternehmenszweige aufeinander abzustimmen, damit wir gemeinsame Ziele optimal erreichen“.

14:45 Anett Eiselt überprüft die Messdaten des kleinen 400-KW-Blockheizkraftwerks auf der Rückseite des Geländes. Sie verfolgt das Ziel, die Anlage statt mit Erdgas mit Biomethan zu betreiben. Die 35-jährige, gelernte Maschinenbauerin hat ihren Master of Engineering in Leipzig absolviert und arbeitet seither bei BTB. Sie ist unter anderem für den Einkauf von Primärenergie und CO2-Zertifikaten zuständig. „Der Einsatz von Biomethan wäre natürlich ein sehr guter Schritt, den Wissenschaftsstandort noch nachhaltiger zu versorgen“, sagt Eiselt.

16:20 Wenn es um den Kontakt zu den Wärmekunden geht, ist Michaela Stahl zuständig. Die Kundenmanagerin beantwortet wirklich alle Fragen zu Abrechnungen, Preisen und Vertragsdetails. „Ich kümmere mich dabei um alle Bestandskunden“, sagt die 30-Jährige.

17:50 Auf dem Dach des Blockheizkraftwerks besprechen Kommunikationschef Andreas Jessel und Viktor Frisorger weitere Möglichkeiten, durch innovative Beleuchtungskonzepte der Wasserspeicher für zusätzliche Aufmerksamkeit zu sorgen. In der Regel werden nachts die Füllstände optisch in den Farben Blau, Lila und Weiß anzeigt. „Das kommt sehr gut an. Nachdem wir bei der Langen Nacht der Wissenschaften die Speicher für ein interaktives Spiel genutzt haben, überlegen wir jetzt, was wir zum Tag der deutschen Einheit damit machen“, erläutert der 50-Jährige Jessel. „Wenn Technik anschaulich erklärt und emotional präsentiert wird, interessieren sich viel mehr Menschen dafür“, so Andreas Jessel.

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