Das Mehl ist da, am Dienstag hat die Mühle geliefert. 325 Kilogramm Roggenmehl für 450 Kilogramm Brot. Es ist ganz besonderes Mehl für ein ganz besonderes Brot. Angebaut wurde der Roggen in zwölf Ländern, die zwei Dinge eint: einst der Eiserne Vorhang, heute die EU-Mitgliedschaft. „Wir wollen den 25. Jahrestag des Mauerfalls mit den Ländern feiern, die eine ähnliche Geschichte haben“, sagt Gibfried Schenk, Geschäftsführer des Vereins Friedensbrot.
Gemeinsam mit Vertretern aus diesen Ländern soll am Mittwoch, 1. Oktober, nach einer ökumenischen Erntedankfeier in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße das europäische Friedensbrot angebrochen und gegessen werden. Mit dabei ist unter anderem der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt (CSU).
Seit 2005 gibt es neben der Kapelle der Versöhnung ein Roggenfeld. Im Moment ist es abgeerntet, die neue Saat im Boden. Das Feld ist ein Symbol für das Leben, wo früher der Todesstreifen war. Nachdem die Mauer fiel, verwandelte sich das Gelände zunächst in eine Wildblumenwiese, bis ein Gemeindemitglied die Idee hatte, Weinreben und Roggen anzubauen. Mit dem Weinanbau klappte es auf dem kargen Boden nicht, der Roggen hingegen entwickelte sich gut.
Symbolische Orte für Roggenfelder
Auch in den anderen elf Ländern, zu denen die ehemaligen Ostblockländer und die baltischen Staaten gehören, wurden symbolische Orte für Roggenfelder gesucht. In Rumänien wächst das Getreide in einem ehemaligen Verbannungsort an der südöstlichen Grenze, in Litauen stand auf dem Feld einst ein Zuchthaus, später ein Gefängnis des KGB, ein Konzentrationslager der Deutschen und schließlich ein Gulag. Koordiniert wird das Roggenprojekt vom 2012 gegründeten Verein Friedensbrot, der die Friedenssicherung in Europa im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Landwirtschaft sieht.
Das Mehl ist jetzt bei Bäckermeister Wolfgang Zimmermann in Staaken. „Ich war sofort entzückt von der Idee“, sagt der 53-Jährige. Er helfe gern, es sei eine gute Sache und er habe eine starke Mannschaft. Hefe, Salz und das Roggenmehl, mehr Zutaten gibt es nicht. Daraus macht er runde Laibe, aber auch ovale Schaubrote – zwischen fünf und sieben Kilogramm schwer. „Das Wichtigste ist, dass sie noch in den Ofen passen“, sagt der Bäckermeister. Seine Mitarbeiter haben sich bereit erklärt, das Friedensbrot noch vor der eigentlichen Schicht zu backen. Zwei Tage wird das dauern, dann kommt es am 1. Oktober, 14 Uhr, auf den Tisch – mit Schmalz, Bockwurst und einem Roggenbier.





