Weltweite Kampagne

Berlin und Facebook suchen zusammen Zeugen des Mauerfalls

Zum Mauerfall-Jubiläum werden Hunderttausende Besucher in Berlin erwartet. Und weitaus mehr zum Feiern im Internet: Facebook wird seine 1,3 Milliarden Nutzer im Namen der Stadt darüber informieren.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Berlin geht mit dem Stadtmarketing neue Wege. Erstmals wird das soziale Netzwerk Facebook die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November als Partner begleiten.

Die Internetplattform werde „alle 1,3 Milliarden Nutzer über das Ereignis informieren“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“ im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Jedes Mitglied der Plattform werde aufgefordert, seine persönliches Erlebnisse am 9. November 1989 mitzuteilen oder Glückwünsche an Berlin zu richten.

Wie viele Besucher am 25. Jahrestag tatsächlich Berlin besuchen werden, ist derzeit noch unklar. „Das kann ich nicht seriös beantworten“, sagte Kieker. „Vor fünf Jahren haben wir massiv unterschätzt, wie viele Menschen deshalb nach Berlin gekommen sind. Die Stadt war damals voll, womit man an einem windigen Novembertag nicht rechnen kann.“

Hunderttausende Besucher erwartet

Das Interesse der Welt an dem Tag des Mauerfalls sei offensichtlich noch größer als in Berlin selbst. Berlin wird den Jahrestag mit einer Reihe von Veranstaltungen feiern. Als Höhepunkt ist das Aufsteigen von 8000 weißen Ballons geplant, die den Verlauf der Mauer von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke nachzeichnen. Die 15 Kilometer lange Lichtinstallation wird vom 7. November an zu sehen sein und ist der Höhepunkt der Veranstaltungen zum Jahrestag des Mauerfalls.

„Es werden Hunderttausende Besucher kommen“, ist sich Kieker in jedem Fall sicher. Die Stadt werde von der internationalen Aufmerksamkeit profitieren. „Das Bild der aufsteigenden Ballons vor dem Brandenburger Tor wird bei vielen internationalen Zeitungen auf Seite eins stehen und viele Nachrichtensendungen im Fernsehen werden damit enden“, sagte Kieker. Für internationale Gäste sei Berlin das Symbol für Freiheit und ein authentischer Ort der Geschichte. Partner des Installationsprojektes sind unter anderem die Robert-Havemann-Gesellschaft und die Lottostiftung Berlin.

Neue Dauerausstellung zur Teilung Berlins

Begleitet wird die Installation von einer Open-Air-Ausstellung. An 100 Stationen sind Erlebnisse aus der Geschichte des geteilten Berlins zu lesen, unter anderem über den Alltag mit der Mauer, Fluchten, Mauertote, Protestaktionen oder das DDR-Grenzregime. Außerdem werden an sogenannten Publikumsorten wie dem Brandenburger Tor oder dem Checkpoint Charlie Collagen aus historischem Filmmaterial zu sehen sein. Das Land Berlin gedenkt des Mauerfalls außerdem mit einem offiziellen Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. In der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße wird zudem die neue Dauerausstellung zur Teilung Berlins eröffnet. Der Bund veranstaltet ein Bürgerfest am Brandenburger Tor, in der ganzen Stadt wird es zum Jahrestag zahlreiche weitere Ausstellungen, Führungen oder Konzerte geben.

Mit den Feierlichkeiten zum 9. November und der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft hat Berlin auch in diesem Jahr zusätzliche Veranstaltungen organisiert, die mehr Touristen in die Stadt locken. In den ersten sieben Monaten kamen nach Angaben des Tourismuswerbers Kieker rund 6,6 Millionen Gäste, die 15,9 Millionen Übernachtungen buchten. „Wir werden in diesem Jahr etwa bei 28,3 Millionen Übernachtungen ankommen – dass wir die 30-Millionen-Marke nehmen, wird deutlich vor dem Jahr 2020 sein“, prognostizierte Kieker.

Der „Visit Berlin“-Chef wandte sich zugleich scharf gegen die Kritik von Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Sie hatte einen Verhaltenskodex für Touristen gefordert – sowie weniger Müll und Lärm und dafür mehr Respekt gegenüber Anwohnern, vor allem in bei Partygängern beliebten Kiezen. Kieker betonte, Genehmigungen für Kneipen und Hostels würden von den Bezirken erteilt, und nicht von „Visit Berlin“ oder der Senatskanzlei. „Auch in Kreuzberg, wo sich die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann am lautesten beschwert, ist das so.“ Das Problem der Gentrifizierung dürfe nicht mit „Touristifizierung“ vermischt werden. „Der Tourismus ist nicht an allem schuld“, sagte Kieker.