Denk’ ich an Weihnachten...

Volleyball-Profi Robert Kromm - Ein Hasi fürs Leben

Die Adventsserie der Morgenpost: Für Volleyball-Profi Robert Kromm war sein erstes Weihnachtsfest voller tierischer Erlebnisse. Seinen Kuschelhasen nahm er später sogar mit nach Italien.

Foto: Reto Klar

Sein erstes Weihnachtsfest 1984 wird Robert Kromm vermutlich für alle Zeit in Erinnerung bleiben. Das hängt mit zwei Begegnungen tierischer Natur zusammen. Obwohl er sich streng genommen gar nicht daran erinnern kann, schließlich war der kleine Robert erst neun Monate alt. Aber dass er die Geschichte mit dem Karpfen nicht vergisst, dafür sorgt schon seine Familie beim alljährlichen Zusammentreffen an den Feiertagen. Man kennt das aus eigener Erfahrung: Wird eine Episode oft genug erzählt, kommt es einem irgendwann so vor, als sei man selbst dabei gewesen. War er ja sogar, trotzdem ist für den inzwischen gar nicht mehr kleinen Robert ein anderes Ereignis jenes frohen Festes viel greifbarer. Dabei geht es um ein Geschenk namens Hasi. Ein Kuscheltier, das bis heute Teil seines Lebens ist.

Der Reihe nach. Traditionell feierte die Familie Heiligabend und den ersten Weihnachtstag bei Kromms Großeltern mütterlicherseits, den zweiten bei Oma und Opa väterlicherseits. Es gab an Heiligabend Karpfen, der schon Tage vorher in der Badewanne schwamm. Diese Badewanne diente zugleich als Wickeltisch für Klein-Robert: ein Brett drüber gelegt, das musste reichen. Nun geschah dieses eine Mal das Missgeschick, dass jenes Brett wegrutschte und mit ihm das Baby, das im Wasser beim Karpfen landete. „Die Geschichte wird gern immer wieder ausgepackt“, sagt der in Schwerin geborene und aufgewachsene Kromm schmunzelnd, doch man sieht ja: „Es ist alles gut gegangen.“ Für ihn zumindest, im Falle des Karpfens lässt sich das nicht so behaupten.

Auch dem Hasi ist es ans Fell gegangen, aber das ließ sich reparieren. „Den habe ich immer an den Ohren gekrault“, erzählt Kromm. Bis fast keine mehr da waren, „die mussten ausgetauscht werden“. Und, wo wir schon bei der Wahrheit über den körperlichen Zustand des Spielzeug-Veteranen sind: „Die Augen sind nicht mehr die originalen Augen. Auch die Nase wurde neu angenäht.“ Der Hase blieb dennoch guter Freund des schnell heranwachsenden Robert, der als Erwachsener bei 2,12 Meter angelangt ist, was ihm eine formidable Karriere als Volleyball-Profi ermöglichte.

Auch in Italien immer dabei

Der inzwischen 30-Jährige hat es zum Nationalspieler, Olympia- und WM-Teilnehmer gebracht. Die vergangenen beiden Jahre wurde Kromm als bester Mann der BR Volleys und einer der längsten Volleyballer der Liga jeweils Deutscher Meister mit seinem Berliner Team. Davor hat er insgesamt sechs Jahre bei ständig wechselnden italienischen Klubs und eines sogar in Russland verbracht, und dabei gutes Geld verdient. Nur bei dieser einen Station in Ufa hat das Kuscheltier gefehlt, „sonst“, zeigt der riesige Sportler seine weiche Seite, „ist Hasi überallhin mitgekommen. Er war mein ständiger Begleiter“.

So leicht ist es ihm nämlich nicht gefallen, von der Familie getrennt zu sein. Gerade in der Weihnachtszeit. In Italien hatte er oft am 26. Dezember ein Punktspiel und konnte nicht dabei sein, wenn sich alle daheim in Mecklenburg-Vorpommern trafen. Stattdessen hat er im ersten Jahr in Modena mit seinem Mitspieler Dawid Murek, dessen Frau und Kindern polnische Weihnachten gefeiert. „Das war auch interessant“, sagt er. Aber irgendwie kein Ersatz. In seinem dritten Italien-Jahr hat es ihm gereicht. Da hat er sich an Heiligabend mit seiner Freundin Kathleen Walke in einen Mini Cooper gesetzt, ist die 1600 Kilometer von Perugia nach Schwerin in zwölf Stunden hoch gebraust und hat seine Mutter überrascht: „Die hat vielleicht Augen gemacht.“

Mit der Rückkehr nach Deutschland wurde vieles leichter. 2012 wurden gleich alle Verwandten nach Berlin eingeladen, die Eltern, die Schwester, die Stiefgeschwister. „Wir haben gesagt: Jetzt sind wir mal die Ausrichter.“ Inzwischen hatte sich bei ihm auch etwas Gravierendes verändert. Kromm und seine Freundin Kathleen haben selbst eine kleine Familie gegründet, Sohn Henry ist bereits fünf Jahre alt. „Als Vater ist Weihnachten wieder viel lustiger“, sagt der Volleyball-Profi. Das ganze festliche Drumherum ist aufregender, und Klein-Henry glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Mal mimt den ein Student, mal jemand aus der Verwandtschaft. „Ich finde es ganz schön zu sehen, wie ehrfürchtig die Kinder dabei sind“, sagt Kromm.

Überhaupt ist für ihn die Aufregung vor dem Fest, das „richtige“ Weihnachtsgefühl, zurückgekommen mit dem eigenen Kind. Aber unverändert ist es schön, dass sich wenigstens einmal im Jahr alle treffen, zusammen essen, zusammen trinken, miteinander reden, und sei es, dass zum tausendsten Mal die Geschichte vom Karpfen aufgetischt wird. „Die große Zusammenkunft, das ist für mich das Wichtigste an Weihnachten“, sagt Kromm. Irgendwie wird es auch in diesem Winter wieder klappen, wenngleich er Heiligabend vormittags trainieren muss und am zweiten Weihnachtstag vermutlich wieder nachmittags. Die Pause droht also kurz zu werden. Wahrscheinlich werden sich alle diesmal bei Kromms Mutter in Grevesmühlen treffen.

Ob der mit den langen Ohren auch dabei sein wird? Das entscheidet jetzt Henry. Sein Vater hat den kleinen Hasen weitergereicht, als sein Sohn noch ein Baby war. Das schien ihm irgendwie die logische Entwicklung zu sein. „Der Hasi ist jetzt im Besitz von meinem Sohn“, sagt Robert Kromm, „man könnte auch sagen: Er gehört jetzt zu der Hundertschaft seiner Kuscheltiere. Heute haben die Kinder ja alle tonnenweise Spielsachen, irgendwo dazwischen liegt der arme Hasi.“ Anfangs war das jedenfalls so. Mittlerweile jedoch, hat Kromm beobachtet, „fängt Henry an zu verstehen, dass dieser Hasi auch schon Papas Kuscheltier war“. Das klingt nach gutem Stoff für neue Geschichten.

Vita: Der Volleyballer Robert Kromm, 30, hat fast 200 Spiele für die Nationalmannschaft bestritten. Er nahm an den Olympischen Spielen 2008 in Peking sowie an den Weltmeisterschaften 2006 in Japan und 2010 in Italien teil. Dort spielte Kromm für Cimone Modena, Semprevolley Padua, Perugia Volley und Marmi Lanza Verona. Auch bei Ural Ufa stand er unter Vertrag. Seit 2012 trägt er das Trikot der BR Volleys, mit denen er 2013 und 2014 Deutscher Meister wurde.