Denk’ ich an Weihnachten...

Patrick Hausding - Endlich mal so richtig schlemmen

Die Morgenpost-Adventsserie: Turmspringer Patrick Hausding freut sich auf ruhige Festtage mit viel Familie, viel Essen und vielen Geschenken – nur beim eigenen Wunschzettel hängt er noch hinterher.

Foto: Reto Klar

Schenken macht mehr Spaß, als etwas geschenkt zu bekommen. Das hat Patrick Hausding schon lange festgestellt. Dem Profi-Wasserspringer fällt partout nicht ein, was er sich zu Weihnachten wünschen könnte. „Ich liebe Marzipankartoffeln, aber das ist ja ein bisschen wenig. Außerdem kaufe ich mir die oft schon vorher auf einem Weihnachtsmarkt“, sagt der 25-Jährige. Geschenkideen für andere hat er dafür umso mehr. Und er weiß auch ganz genau, was dazugehört, damit das Fest schön wird. „Vor allem Familie“, sagt er. „Sonst ist es kein richtiges Weihnachten.“

Bescherung mit Kartoffelsalat

Vor allem, wenn man so viel um die Ohren hat wie er. Patrick Hausding hat alle Hände voll zu tun – auch ohne Weihnachtsstress. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre nimmt ihn stark in Anspruch. Der gebürtige Lichtenberger studiert im fünften Semester an der Humboldt-Universität. Methodische Grundlagen, Mathematik in Bezug auf die Finanzwelt, Finanzierungen, Wirtschaftsrecht- und Wirtschaftsgeschichte – der Seminar- und Vorlesungsplan des Studenten ist gut gefüllt.

Aber am wichtigsten ist das Training. Hausding ist seit 2009 Sportsoldat der Bundeswehr, trainiert jeden Tag vier bis sechs Stunden für seine Disziplin, das Wasserspringen. Sein Verein ist der Berliner TSC, der Berliner Turn- und Sportclub e. V. in Prenzlauer Berg. Er startet in Turmspringen, Kunstspringen und Synchronspringen. Zahlreiche Gold- und Silbermedaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie eine olympische Silbermedaille pflastern seinen Weg zu Olympia 2016 in Rio de Janeiro. Ungefähr die Hälfte seiner Übungen bestehen aus Wassertraining, die andere aus Krafttraining, Koordination und Gymnastik. Außerhalb seiner Trainings- und Wettkampfzeiten geht er häufig zur Physiotherapie. „Und die Büroarbeit darf ich auch nicht vergessen“, sagt Hausding. „Die macht zwar nicht so großen Spaß, aber für mich als selbstständigen Sportler ist sie sehr wichtig.“

Zeit für Weihnachtsvorbereitungen? „Die muss ich mir nehmen“, sagt er. Das Fest ist ihm zu wichtig, als es nicht ernst zu nehmen. Auch dank seiner vielen Kindheitserinnerungen. Früher musste er zwar an Heiligabend immer ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen. „Ich glaube, bis ich 18 war.“ Aber er erinnert sich vor allem an Winterurlaube in Tschechien mit seiner Familie – mit gemütlicher Bescherung und Kartoffelsalat und Würstchen. Und echtem Baum mit Lichterkette. Echte Kerzen? „Das würden wir uns nicht trauen, denke ich. Das ist ja viel zu gefährlich.“ Sein Onkel verkleidete sich als Weihnachtsmann und bescherte Geschenke. Als er fünf oder sechs Jahre alt war, vermutete er, dass mit dem „echten“ Weihnachtsmann etwas nicht stimmt. Und außerdem gab es im Kindergarten Gerüchte. „Also habe ich meine Eltern einfach gefragt, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Sie waren dann natürlich ehrlich.“

In den letzten Jahren verbrachte er die Festtage meist mit seiner Freundin bei ihrer Familie, dieses Jahr in Gummersbach in Nordrhein-Westfalen bei ihren Eltern. Ohne Gedichtaufsagen, dafür aber mit Schrottwichteln oder Geschenkewürfeln. Dabei darf nur der sein Geschenk aufmachen, der eine Sechs gewürfelt hat. „Ich finde das eine gute Idee, denn so ist die Bescherung nicht ein einziges Papieraufreißen und Auspacken“, sagt Hausding. „So wird jedes Geschenk gewürdigt und die ganze Zeremonie etwas entschleunigt.“

Hausdings Freundin ist die 25-jährige Alexandra Sviridenko, Handballspielerin bei Bundesligist Spreefüxxe in Reinickendorf. Ihr Vater Georgi Sviridenko wurde 1988 in Seoul Olympiasieger mit der Sowjetauswahl. Eine Sportlerfamilie, die die Feiertage in vollen Zügen genießt – und auch zu Weihnachtsspäßen aufgelegt ist. Einmal verbrachten sie Weihnachten bei Verwandten in Bremen. „Dort gibt es an Heiligabend eine sogenannte Kohlfahrt, bei der wir mit einem Bollerwagen – gefüllt mit Glühwein – durch die Nachbarschaft gezogen sind und Quatsch gemacht haben. Unter anderem Teebeutel-Weitwurf“, sagt Patrick Hausding und lacht. „Bisschen Spaß muss auch an Weihnachten sein.“

Ein oder zwei Kilo mehr

Ein schönes, festliches Essen darf an den Feiertagen nicht fehlen. „Wichtig ist, dass die Familie zusammenkommt und man die Zeit genießt.“ Bei einem oder zwei Kilogramm mehr nach Weihnachten sei sein Trainer Jan Kretzschmar zwar nicht begeistert, aber die seien auch schnell wieder wegtrainiert. „Gänsebraten gibt es nur einmal im Jahr, das muss man ausnutzen.“ Die Rituale, das Essen, die Feierlichkeit – sollte er später Kinder haben, sind das Dinge, deren Wichtigkeit er gerne weitervermitteln will. „Sie würden auf jeden Fall etwas verpassen, wenn sie so ein Weihnachten nicht kennenlernen würden. Es ist aufregend und schön, und der Weihnachtsmann, der kommt, ist natürlich auch ein Ansporn, zum Beispiel für gutes Benehmen“, sagt er und lacht.

Jetzt macht er sich bald an den Geschenkekauf. „Damit es nicht zu stressig wird am Ende.“ Er freut sich schon, seiner Freundin ein Geschenk auszusuchen. „Das ist nicht so schwierig. Sie ist ein richtiges Modemonster“, sagt er und lacht. Er hofft, dass ihm bald auch etwas für seinen eigenen Wunschzettel einfällt. „Ich mag gut zubereitetes, gewürztes Fleisch von hoher Qualität und würde gerne selbst wissen, wie man das zaubert“, sagt er. „Vielleicht wünsche ich mir dieses Jahr einen Kochkurs.“

Vita: Patrick Hausding startet im Kunstspringen vom Ein- und Drei-Meter-Brett, im Turmspringen vom Zehn-Meter-Brett – sowohl einzeln als auch synchron mit anderen Springern. Er wurde am 9. März 1989 in Berlin geboren, wuchs in Lichtenberg auf und machte 2009 am Coubertin Gymnasium in Prenzlauer Berg Abitur. 2008 gewann Patrick Hausding bei den Olympischen Spielen in Peking im Synchronspringen vom Turm eine Silbermedaille, seitdem zahlreiche Gold- und Silbermedaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften.